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Dr. Rudolf und Rotraut Bamberger und Wehrführer Alexander Held sind überzeugt: Diese kleine Box hat dem Ehepaar das Leben gerettet.

Dachstuhlbrand

Wenn das Leben an einer kleinen Dose hängt

Ein greller Feuerschein erhellt den Nachthimmel über einem Haus in Erbach, es knackt im Gebälk – ein Dachstuhl brennt. Die Bewohner können sich in Sicherheit bringen. Genau ein Jahr ist das her. Anlässlich des gestrigen „Tages des Rauchmelders“ kam die Feuerwehr wieder beim Ehepaar Bamberger vorbei. Gemeinsam erinnerten sie sich an das, was am 13. Oktober 2016 passierte – und welche Rolle eine kleine Plastikdose spielte.

Rauchmelder retten Leben. Das ist nicht nur ein Spruch, sondern Wahrheit. Das wissen Dr. Rudolf und Rotraut Bamberger nun aus eigener Erfahrung

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Dass der Rauchmelder-Tag in diesem Jahr auf den Jahrestag des Brandes fällt, ist eher zufällig – die Botschaft, die dahintersteckt, jedoch sehr eindeutig. Ein kurzer Rückblick: Es ist Donnerstag. Wie gewohnt, geht das Ehepaar Bamberger zu Bett. Gegen 20 vor zwei Uhr reißt sie ein schrilles Piepsen aus dem Schlaf. Der Rauchmelder schlägt Alarm – zum Glück, denn bereits wenige Minuten später steht der Dachstuhl im Vollbrand

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Aus Erbach, der Kernstadt, und Oberselters eilen Feuerwehrleute herbei. Es wird ein kräftezehrender Einsatz für die Helfer, über 13 Stunden, begonnen mitten in der Nacht. Auch Rettungsdienst, Polizei, Notfallseelsorge und der Energieversorger sind vor Ort

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Rotraut Bamberger gestand sich noch in der Brandnacht ein: „Wenn mich gestern jemand gefragt hätte, was ich von einem Rauchmelder halte, hätte ich ,Nichts!‘ gesagt. Heute sehe ich das anders.“

In Hessen endete mit Ablauf des Jahres 2014 die Übergangszeit der Rauchmelderpflicht. Das bedeutet, dass seitdem in allen Schlafräumen und Kinderzimmern sowie allen Fluren, über die Rettungswege ins Treppenhaus oder ins Freie führen, Rauchmelder angebracht sein müssen. Verantwortlich hierfür sind Hausbesitzer oder Vermieter. Warum eigentlich Rauchmelder? Alexander Held, Wehrführer der Erbacher Feuerwehr, sagt: „Prinzipiell ist es an diesem Beispiel einfach erklärt. Es geht besonders darum, nachts auf ein Feuer aufmerksam zu werden.“ Bei einem Brand entstünden verschiedene Gase, darunter auch Kohlenmonoxid. Dieses Gas verhindert den Sauerstofftransport im Körper. Es führt also zum „inneren Ersticken“. Kohlenmonoxid ist geruchs-, farb- und geschmacklos. Deshalb können Menschen sterben, ohne dass sie etwas mitbekommen. Bereits nach drei bis vier Atemzügen wird ein Mensch bewusstlos, schon nach kürzester Zeit sind lebensnotwendige Organe unterversorgt

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Jeden Tag sterbe in Deutschland ein Mensch bei einem Brand, die meisten von ihnen an einer Rauchgasvergiftung. Seit in Deutschland die Rauchmelderpflicht für private Haushalte eingeführt wurde, habe sich glücklicherweise die Anzahl der Brandopfer halbiert. 70 Prozent aller Brandopfer verunglückten in ihren eigenen Wänden und vor allem nachts, während sie schlafen

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Der laute Alarm des Rauchmelders weckt eine schlafende Person auf, so dass man die Chance hat, sich und seine Familie in Sicherheit zu bringen

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Es sei falsch, sich in Sicherheit zu wiegen, weil man in einem Steinhaus wohnt, das ja angeblich nicht brennen könne. Das braucht es auch gar nicht, denn allein der Rauch einer brennenden Gardine, Tischdecke oder der Couch reicht für eine Rauchgasvergiftung. Natürlich gibt es aufmerksame Nachbarn. Aber auch diese schlafen nachts, genauso wie der Wachhund. Alexander Held und das Ehepaar Rudolf und Rotraut Bamberger raten dazu, die Rauchmelderpflicht ernst zu nehmen, denn „Rauchmelder können Leben retten“. Die Initiative „Rauchmelder retten Leben“ des Forums Brandrauchprävention, bestehend aus beispielsweise Feuerwehrdachverbänden, der Vereinigung zur Förderung des Brandschutzes, dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaften und dem Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerkes, hat mit ihren Aktionen bereits viel Gutes bewirkt, zum Beispiel die Einführung der Rauchmelderpflicht in allen Bundesländern. Auch für Bürger halten sie auf ihrer Homepage alle notwendigen Informationen bereit. Zur Feuerwehr gibt es weitere Infos auch unter

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