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Wer Opfer von Straftaten wird, braucht bestmögliche Hilfe

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Freuten sich über eine gelungene Jubiläumsveranstaltung der Opferhilfe Limburg-Weilburg (von links): Prof. Dr. Roman Poseck, Michael Meier, Anne-Kathrin Pörtner und Dr. Ingo Baltes.
Freuten sich über eine gelungene Jubiläumsveranstaltung der Opferhilfe Limburg-Weilburg (von links): Prof. Dr. Roman Poseck, Michael Meier, Anne-Kathrin Pörtner und Dr. Ingo Baltes. © Thorsten Kunz

Der Verein Opferhilfe Limburg-Weilburg feiert 25-jähriges Bestehen

Limburg-Weilburg -Eine gut funktionierende Justiz und die rasche und gerechte Verurteilung der Täter reicht Opfern von Straftaten oft nicht aus, um die körperlichen und psychischen Folgen eines solchen Ereignisses bewältigen zu können. Um hierbei Unterstützung zu leisten, hat das Land Hessen in den vergangenen 35 Jahren den Aufbau eines landesweiten Netzes von Opferhilfen unterstützt. Die Opferhilfe Limburg-Weilburg hatte nun aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens zu einer kleinen Jubiläumsveranstaltung eingeladen.

Michael Meier, Direktor am Amtsgericht Limburg und Vorstandsvorsitzender des Vereins, freute sich sehr, über 60 Gäste in Limburgs „Little Kitchen“ begrüßen zu können, darunter auch Hessens Justizminister Prof. Dr. Roman Poseck (CDU) und den Gründer der Opferhilfe im Landkreis, Hans Herzog. „Wir verfügen inzwischen über ein großes Netzwerk in Limburg-Weilburg, in Hessen, ja deutschlandweit. Im Namen der Opfer möchte ich all diesen Partnern für die langjährige vertrauensvolle und von gegenseitigem Respekt geprägte Zusammenarbeit danken“, sagte Meier. Insbesondere der Opferhilfe in Hanau, den Mitarbeitern im Ministerium und dem eigenen Förderverein dankte er für die „optimale Unterstützung“ in allen Rechts- oder Finanzierungsfragen.

Poseck stimmte in seinen Gratulationsworten in das Lob ein: „Die Opferhilfe Limburg-Weilburg gründet sich auf ein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement, für das der aktuelle Vorsitzende des Vereins, Herr Direktor am Amtsgericht Michael Meier, exemplarisch steht. Wer Opfer von Straftaten wird, muss bestmöglich unterstützt werden. Es ist daher eine wichtige Aufgabe von Staat und Gesellschaft, den Opfern ein umfassendes Hilfsangebot zu unterbreiten.“ Die Justiz sei in der Regel stark Täter-orientiert, die Opfer zunächst oft auf sich alleine gestellt, auch wenn der Opfer- und Zeugenschutz in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr beachtet werde und hier ein Bewusstseinswandel in der Justiz stattgefunden habe.

Ein Gebot der Mitmenschlichkeit

Eine komplette Begleitung der Opfer mit individuellen Hilfe-Ansätzen entsprechend den Bedürfnissen der Betroffenen über einen langen Zeitraum hinweg könne aber nur eine Institution wie die Opferhilfe leisten, so der Minister. „Opferberatung und Opferbegleitung sind auch ein Gebot der Mitmenschlichkeit. Ich danke allen ganz herzlich, die sich so leidenschaftlich für die Interessen der Opfer von Straftaten einsetzen. Sie dürfen und sollen bei ihrer Aufgabe parteiisch sein und ganz auf der Seite der Opfer stehen. Ich wünsche der Opferhilfe in Limburg eine gute Zukunft und sage die notwendige politische Unterstützung aus Wiesbaden gerne zu“, sagte Poseck.

Als Referenten für einen Fachvortrag hatte der Verein an diesem Abend Dr. Ingo Baltes, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Wiesbaden, gewinnen können. Baltes, der auch als Sachverständiger/Gutachter für die Justiz im Einsatz ist, machte den Zuhörern einige Aspekte der Gefährdungsbeurteilung von Sexualstraftätern deutlich. Dabei gehe es immer darum, eine Gesamtsicht auf den Täter zu erhalten: Statische (Vergangenheit der Person) und dynamische Elemente (Aktuelles) müssten erkannt und zu einer Prognose zusammengeführt werden. „Wo kommt die Person her, und wo geht sie hin?“, „War der Impuls sporadisch oder die Folge einer fixierten sexuellen Perversion?“

Baltes skizzierte die Entwicklungsschritte eines Menschen hin zu einer Überschreitung gesellschaftlich etablierter Grenzen und zum „Hand-Anlegen“ gegen andere Menschen. Geklärt müsse auch werden, ob mit der Gewalttat möglicherweise eine psychische Erkrankung einhergehe. Eine positive Risikoeinschätzung setze dabei immer die Mitarbeit und größtmögliche ehrliche Offenheit eines Täters voraus. Er müsse auch im eigenen Interesse daran mitarbeiten zu erklären, warum er etwas getan habe. Ohne diese Mitarbeit sei eine positive Empfehlung an ein Gericht schwer wenn nicht unmöglich. Dennoch bliebe auch bei jeder positiven Prognose immer auch ein Risiko.

Angesichts der „schweren Kost“ des zuvor Gehörten, hatte Anne-Kathrin Pörtner, die für die musikalischen Zwischenspiele verantwortlich zeichnete, keinen leichten Stand. Doch wie schon bei ihren beiden ersten Auftritten an diesem Abend schaffte sie es, den Saal mit ihrem mal fröhlichen, mal besinnlichen Gesang auch zum Abschluss noch einmal einzunehmen.

Die Opferhilfe Limburg-Weilburg

Die Opferhilfe Limburg hat ihre Tätigkeit am 1. September 1996 aufgenommen. Die Vereinsregistereintragung erfolgte im Jahr 1997. Derzeit kümmert sich eine Sozialarbeiterin in Vollzeit um rund 150 bis 200 Opfer jährlich, dauerhaft unterstützt von einem Kollegen bei der Verwaltung (Minijob) und derzeit einer Psychologin im Praktikum.

Das Spektrum reicht von der Beratung und Unterstützung für Opfer von Straftaten, Zeugen und Angehörige über die Begleitung zu Vernehmungen und Zeugenaussagen sowie in besonderen Fällen vor, während und nach dem Strafprozess, bis hin zum Täter-Opfer-Ausgleich im Erwachsenenstrafrecht in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Limburg.

Seit 2002 ist man zudem die Koordinierungsstelle der Beratungsangebote in Fällen häuslicher Gewalt, seit 2022 besteht eine Kooperation mit dem Bistum Limburg zum Thema sexualisierte Gewalt. Auch Selbstbehauptungskurse für Kinder und Konfliktvermeidungskurse für Erwachsene werden nach einer Corona-Pause wieder angeboten. Die Angebote für Opfer sind kostenfrei, unabhängig von einer Strafanzeige, vertraulich und auf Wunsch anonym.

Der Kontakt zur Opferhilfe ist möglich unter <Tel/> (0 64 31) 4 50 45, Fax (0 64 31) 28 24 40 oder per E-Mail an kontakt@opferhilfe-limburg-weilburg.de. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.opferhilfe-limburg-weilburg.de.

Thorsten Kunz

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