Westerwälder Kräuterwind

  • Joachim Heidersdorf
    VonJoachim Heidersdorf
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Dass über den Höhen des schönen Westerwaldes der Wind so kalt pfeift, weiß jeder. Aber was ein Westerwälder-Kräuterwind ist, weiß kaum jemand. 70 Gäste des „Limburger Kreises“ von Michael Jung sind nun schlauer.

. Selbst die Stammgäste des „Limburger Kreises“ waren verblüfft: In 27 Jahren hatten sie ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm genossen, doch in dieser Woche erlebten sie wieder einmal eine Premiere. Initiator Michael Jung servierte 70 Gästen eine außergewöhnliche Lachs- und Champagner-Verkostung.

Schauplatz war die seit einem Jahr in Staudt ansässige Firma VIDAL von Harald Schmidt aus Molsberg. Aus einer ehemaligen Bäckerei im Industriegebiet „Feincheswiese“ ist die „1. Westerwälder-Lachs-Räucher-Manufaktur“ entstanden. Die Zucht- und Wildlachse kommen dank modernster Logistik und ununterbrochener Kühlkette beinahe fangfrisch in den Westerwald – aus den kalten Fjorden Norwegens und den sturmumtosten Küsten der Shetland-Inseln ebenso wie aus Irland, Alaska und Kanada.

VIDAL setzt auf Premium-Qualität und intensive Handarbeit. „So haben wir uns eine kleine, feine Nische erobert“, berichtete Geschäftsführerin Bettina Waldecker. Zwei Dutzend Beschäftigte verarbeiten in einem Jahr so viel wie Großbetriebe an einem Tag. Die Besucher verfolgten bei einem Rundgang den Ablauf vom Salzen übers Würzen, Beizen, Trimmen, Schneiden, Veredeln und Portionieren bis zum Verpacken. Nach dem Säubern und Trocknen wird das Produkt über Buchen- und Rebenholz geräuchert – inzwischen nicht nur Lachs, sondern auch andere Fische.

Die Spezialisten zeigten, wie durch die Verfeinerung mit verschiedenen Aromen Delikatessen für Feinschmecker werden. Zum Beispiel der „Westerwälder-Kräuterwind“: Kräuter, Blüten und Gewürze – darunter Dill, Senfsaat und ein Hauch Anis – geben dem Superior-Lachs seine besondere Würze. Je nach Kundenwunsch gibt es aber auch ausgefallene Veredelungen: Zu den beliebten Varianten zählen Wildblumen, Rotholz, Noriblätter, Trüffel, Zitronenpfeffer, Bärlauch und Pesto; die extravaganteste ist eine Blattgold-Auflage.

Als passender und adäquater Begleiter erwiesen sich beim Verkosten die Champagner aus dem Hause Pierre Gobillard – ein kleiner Betrieb mit großen Gewächsen. Am Sitz in Hautvillers fühlt sich Gobillard der gleichen Tradition verpflichtet, wie sie dort hunderte Jahre zuvor schon Dom Perignon pflegte. Pierre-Alexis Gobillard repräsentierte in Staudt die vierte Generation des Familienunternehmens, das über rund acht Hektar in der exquisiten Lage rund um Hautvillers verfügt. Rund 80 Prozent davon sind als Premier Cru ausgezeichnet. Was das bedeutet, spürten die Teilnehmer im Glas: Schön perlende Champagner in vielen Facetten, mal frisch und elegant, mal vollmundig und kraftvoll, aber immer sehr elegant und ausgewogen.

Die Macher konzentrieren sich auf die althergebrachten Methoden, erläuterte Gobillard, beschneiden die Reben frühzeitig im Weinberg und reduzieren den Ertrag. Nur eine sorgfältigste Betreuung der Rebstöcke über das ganze Jahr könne einen ebenso sorgsam komponierten Champagner hervorbringen.

(hei)

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