Die Eissalons hatten regen Betrieb und die Kunden nutzten das schöne Wetter, wie hier in Montabaur, für einen Bummel durch die Geschäfte.
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Die Eissalons hatten regen Betrieb und die Kunden nutzten das schöne Wetter, wie hier in Montabaur, für einen Bummel durch die Geschäfte.

Leben in Zeiten von Lockerungen

Westerwald: Die Normalität kehrt nur langsam zurück

  • VonKlaus-Dieter Häring
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  • Mariam Nasiripour
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Gastronomie kämpft mit niedrigen Gästezahlen und Personalmangel

Diez/Montabaur/Westerburg -Die Corona-Zahlen bewegen sich in vielen Kreisen und Städten im einstelligen Bereich. Die Innenstädte füllen sich wieder mit Menschen, ebenso die Geschäfte und Gastronomie. Ausgangssperren, geschlossene Läden und Restaurants scheinen zumindest vorerst der Vergangenheit anzugehören. Die Politik spricht von einer Lockerung der Maskenpflicht. Und die Menschen freuen sich über die Rückkehr zur Normalität.

Wie sehr sich dieser Wunsch nach Normalität breitmachte, lässt sich bei einem Rundgang durch die Städte ausmachen. So wie in Diez, wo Janina Breckner aus Birlenbach bei einem Bummel ein "endlich raus und frei bewegen" seufzt. Freuen durfte sich besonders Silke Klein vom Modehaus Hautzel, die selbst bei dem tollen Schwimmbadwetter viele Kunden begrüßte. "Die Menschen sind kauffreudig und gut drauf", so die Geschäftsführerin, die dies auf einen Grund zurückführt: "Die Menschen waren lange zu Hause eingesperrt." Einige Kunden und Kundinnen sind trotz der Lockerung vorsichtig. So wie Lisa Klöckner aus Heiligenroth, die es gut findet, wieder rauszukommen, aber mit Vorsicht.

Auch Männer bummelten durch die Modehäuser, denn "Bedarf ist da" war von Walter Stillger beim Kauf einer Hose zu hören. Überhaupt waren es die Modehäuser, die zu einem Maßstab der Kauflust wurden. Denn - neben den übervollen Eissalons - gehörten die Bekleidungsgeschäfte zu den großen Gewinnern dieses Samstags. So wie bei Mode Krekel in Montabaur, wo selbst bei tropischen Temperaturen Carmen Todt und Christel Knopp als Angestellte ins Schwärmen kommen: "Endlich Leben, es war die Hölle los. Man hat richtig gemerkt, dass die Leute einkaufen wollten". Beide erinnerte vergangenen Samstag an die Zeit vor Corona. "Die Leute waren monatelang eingesperrt und haben jetzt wieder Lust am Leben und dürfen wieder raus", sind sich beide einig.

Nicht ganz zufrieden ist Metzgermeister Alexander Viehmann aus Westerburg, der zwar die Lockerungen begrüßte: "Gott sei Dank", trotzdem für sein Unternehmen noch Lockerungswünsche hat. Vor allem im Bereich der Schnelltests solle man überdenken, um mehr als drei Kunden auf einmal bedienen zu können. Ein Blick über den abgesperrten Bereich im Innenbereich der Metzgerei wirft einen wieder zurück in die Realität und mahnt, trotz niedrigen Corona-Zahlen: "Das Virus ist noch da".

Viele Kunden hätten noch Angst

Mit Virus und dem schönen Wetter hat dagegen Julia Berkmeyer vom Eissalon in Westerburg zu kämpfen. Denn auch hier ist der Innenbereich komplett abgesperrt und lediglich der Thekenbereich geöffnet. "Wir bekommen kein Personal mehr, die Leute wollen nicht mehr in die Gastronomie." Auch Anja Simon kämpft mit den Folgen des monatelangen Lockdowns. "Es ist weniger los als im vergangenen Jahr", sagt die Inhaberin des Plazores Cafè & Bar in der Diezer Altstadt.

Schleppendes Abendgeschäft

Zwar habe das Tagesgeschäft zugenommen, aber das Abendgeschäft laufe nur schleppend an, so Simon. Das lege daran, dass viele Menschen noch vorsichtig seien. Außerdem hätten sich die Menschen das Ausgehen abgewöhnt und an das Zuhausebleiben gewöhnt.

Hinzu kommt noch, dass ihre Kunden älter sind und daher auch vorsichtiger und zurückhaltender. So blieben Kunden, die im vergangenen Jahr ihr Lokal regelmäßig aufsuchten, in diesem Jahr weg. Im Gegenteil zu vielen anderen Kollegen ihrer Branchen können sie sich über Personalmangel nicht beklagen. "Ich habe nur drei Tage in der Woche auf und deshalb nur Aushilfen. Aber es ist ein tolles Team von jungen und motivierten Frauen", sagt Anja Simon.

Im Café Raths sieht das dagegen anders aus. Man kämpfe dort mit Personalmangel, denn viele seien abgesprungen, erzählt Jochen Fritz dieser Zeitung. Zu Anfang habe das Café einen Gästeansturm erlebt, der jetzt etwas abgeebbt sei. Auch dort gebe es Stammkunden, die er seit einem Jahr nicht mehr gesehen hätte, so Inhaber Jochen Fritz. Das Klientel des Cafés sei durchmischt, sowohl ältere Kunden als auch Touristen, deren Zahl sich noch in Grenzen hält.

Viel Ärger würden die Kunden machen, die die Corona-Regelungen nicht nachvollziehen können und ihren Ärger sowie Frust am Personal auslassen. "Die Menschen verstehen nicht, warum wir drinnen noch die Testpflicht einhalten müssen", berichtet Fritz. Den Lockdown nutzten er und seine Frau, um einen Onlineshop zu etablieren, der auch von den Touristen rege genutzt wird.

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