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Marcus Federowitz ist einer der Piloten des Rettungshubschraubers „Christoph 23“ und erklärt den Besuchern der Notfallseelsorge, wie gefährlich die Flüge oft sind.

Retter aus der Luft

Notfallseelsorge besucht "Christoph 23" am Koblenzer Bundeswehrzentralkrankenhaus

Die Helfer der Notfallseelsorge erleben „Christoph 23“ aus nächster Nähe. Der Pilot Marcus Federowitz berichtet von Rettungsflügen unter schwierigsten Bedingungen. Seine Einsätze sind oft Gratwanderungen.

In seinem Job geht Marcus Federowitz ans Limit. Er ist Hubschrauberpilot und gehört zur Crew der Luftrettung Koblenz. Mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 23“ transportiert er Notfälle – oft unter schwierigen Bedingungen. Die Notfallseelsorge Westerwald und Rhein-Lahn (NFS) hat die Arbeit der Koblenzer Luftrettung nun während eines Besuchs aus nächster Nähe kennengelernt.

Im Hubschrauberhangar auf dem Areal des Bundeswehrkrankenhauses lernten die NFS-Vertreter zunächst Wissenswertes über „Christoph 23“, einen von deutschlandweit 36 Hubschraubern der ADAC-Luftrettung. Die Maschine vom Typ Airbus EC 135 ist seit 2012 im Dienst und seitdem Tausende Male vom Koblenzer Bundeswehrzentralkrankenhaus aus gestartet.

Eine Herausforderung

„Wir rücken aus, sobald ein Alarm kommt, es noch hell ist und das Wetter es zulässt“, fasst Marcus Federowitz zusammen. „Wir“, das sind am Standort Koblenz insgesamt 15 Notärzte, sechs Notfallsanitäter und drei Piloten, die sich den Dienst teilen.

Im Sommer warten rund acht bis zwölf Einsätze pro Tag auf die Crew, in den dunklen Wintermonaten sind es im Durchschnitt fünf. Die Flüge sind selbst für erfahrene Piloten eine Herausforderung: „Unser Einsatzradius umfasst rund 70 Kilometer. Kommt der Alarm, müssen wir entscheiden, ob die Wetterbedingungen gut genug sind. Falls ja, sind wir binnen zwei Minuten in der Luft. Währenddessen muss ich hochkonzentriert sein. Denn die Landezonen sind oft schwierig anzufliegen, und schlecht erkennbare Hochspannungskabel sind die wohl größte Gefahr für einen Hubschrauber“, sagt Marcus Federowitz. Ein Kabel kann in Sekundenbruchteilen einen Rotor zerstören.

Besseres Gefühl

Die Crew – ein Pilot und zwei Mediziner – bewegt sich während der Einsätze oft in Grenzbereichen, sagt Federowitz den Gästen der Notfallseelsorge. „Von unserem Einsatz hängen Menschenleben ab. Aber wir müssen jedes Mal neu entscheiden, ob ein Flug bei schlechtem Wetter nicht zu gefährlich ist. Auch wenn wir dadurch riskieren, dass dem Unfallopfer nicht rechtzeitig geholfen werden kann.“ Eine moralische Gratwanderung, die bedrückend ist – von den Dingen, die die Crew am Unfallort selbst erlebt, ganz zu schweigen. Der Pilot weiß deshalb, wie wichtig es ist, das Erlebte vernünftig zu verarbeiten. „Wir achten im Team aufeinander und haben ein gutes System mit kollegialen Ansprechpartnern und Psychologen, die für uns da sind, wenn uns Einsätze besonders nahe gehen.“

Und Marcus Federowitz ist froh, dass es die Helfer der Notfallseelsorge gibt. Denn die Ehrenamtlichen leisten nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen Erste Hilfe für die Seele, sondern sorgen auch dafür, dass die Crew mit einem besseren Gefühl zum Folgeeinsatz starten kann. „Es ist belastend, wenn Menschen am Einsatzort sterben und wir gleich zum nächsten Notfall aufbrechen müssen. Dann bin ich dankbar dafür, dass ich die Notfallseelsorge alarmieren kann und weiß, dass die Angehörigen in diesem schwierigen Moment nicht alleine gelassen werden. Es ist wichtig, dass es Sie gibt.“

(bon)

Info: Fast 100 Einsätze im vergangenen Jahr

Insgesamt 98 Einsätze haben die 23 Mitarbeiter der Notfallseelsorge Westerwald im vergangenen Jahr absolviert – etwas weniger als 2017, als die Helfer 115 Mal ausrücken mussten. Am häufigsten (55 Mal) wurden die Notfallseelsorger von der Leitstelle oder Rettungsdiensten alarmiert, weil sie den Angehörigen nach einem häuslichen Tod beistehen sollten, 25 Mal wurden sie gerufen, weil sie Angehörigen eine Todesnachricht überbringen mussten.

Die Gesamt-Einsatzzeit der Helfer betrug fast 230 Stunden; ein Einsatz dauerte im Durchschnitt etwas mehr als zwei Stunden. Besonders viele Einsätze gab es im Januar (zehn) sowie im Juni (15), September (12) sowie Oktober (16).

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