In den Betrieben der Caritas-Werkstätten Westerwald-Rhein-Lahn waren auch bauliche Maßnahmen notwendig. Zum Schutz der Beschäftigten wurden unter anderem Arbeitsplätze mit Hygieneschutzscheiben getrennt.
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In den Betrieben der Caritas-Werkstätten Westerwald-Rhein-Lahn waren auch bauliche Maßnahmen notwendig. Zum Schutz der Beschäftigten wurden unter anderem Arbeitsplätze mit Hygieneschutzscheiben getrennt.

Arbeiten mit Abstand

Westerwald/Rhein-Lahn: Auf dem Weg zurück zur Normalität

Die Caritas-Werkstätten während der Corona-Pandemie

Westerwald/Rhein-Lahn -"Ich bin froh, dass ich endlich wieder arbeiten darf", sagt Christoph Schneider sichtlich glücklich und widmet sich sofort wieder den kleinen Kartons, die vor ihm auf dem Tisch stehen. Gekonnt verpackt er Zapfhahnzähler und versieht jeden einzelnen mit einem Etikett. Schneider ist Beschäftigter in den Caritas-Werkstätten Westerwald-Rhein-Lahn und eigentlich am Standort in Montabaur tätig. Aktuell allerdings arbeitet er quasi im "Homeoffice". Christoph Schneider lebt im Haus St. Marien, dem Caritas-Wohnheim für Menschen mit Behinderung in Höhr-Grenzhausen. Dort hat er im Moment auch seinen Arbeitsplatz - in einer extra eingerichteten Außen-Arbeitsgruppe der Caritas-Werkstätten. Den Bewohnern der Einrichtung, die sonst in den Werkstätten in Montabaur und Nauort tätig sind, wird so weiterhin die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht.

Auslastung

von 80 Prozent

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. In Zeiten der Corona-Pandemie gilt dies auch für die Caritas-Werkstätten Westerwald-Rhein-Lahn. Die Außen-Arbeitsgruppe im Haus St. Marien ist nur eine von zahlreichen Maßnahmen, die getroffen wurden, um zumindest wieder eine gewisse Normalität in den Werkstätten-Alltag zu bekommen. Trotz Auflagen und Einschränkungen, die die Corona-Krise mit sich bringt. Auch wenn noch nicht wieder alle rund 640 Werkstatt-Beschäftigten im Einsatz sind, so zeigen sich die Verantwortlichen doch zufrieden mit dem bisherigen Verlauf: "Derzeit sind wir bereits wieder bei einer Auslastung von rund 80 Prozent", betont Armin Gutwald, Geschäftsführer der Caritas-Werkstätten Westerwald-Rhein-Lahn.

Einrichtungen

mussten schließen

Im März sah dies noch ganz anderes aus. Mit Beginn des bundesweiten Lockdowns untersagte die Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz, "die Beschäftigung und Betreuung von Menschen mit Behinderung in Werkstätten". Sämtliche Einrichtungen im Land mussten schließen, auch die des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn. Da aber die Produktion weiterlaufen und Aufträge erledigt werden mussten, übernahmen die Mitarbeiter der Werkstätten die Aufgaben, die sonst von den Beschäftigten gemeistert werden. Dies galt nicht nur für die eigentlichen Werkstätten an den einzelnen Standorten, sondern auch für andere Bereiche wie den CAP-Lebensmittelmarkt in Hundsangen oder die Gärtnerei in Niederelbert, wo sonst ebenfalls Menschen mit Behinderung tätig sind. "Trotz der besonderen Situation, gab es während dieser Zeit keinerlei Lieferengpässe", berichtet Oliver Schmidt-Maibaum, Betriebsleiter der Caritas-Werkstatt in Nauort, nicht ohne Stolz. Dabei betont er, dass man in dieser Zeit den Wert der Arbeit, die die Beschäftigten leisten, noch mal zusätzlich hat schätzen gelernt. Unterstützt wurden die Werkstatt-Mitarbeitenden außerdem von Kollegen aus anderen Bereichen des Caritasverbandes, etwa aus der Katharina-Kasper-Schule, die aufgrund der Corona-Krise ebenfalls geschlossen war.

Rund sechs Wochen waren die Caritas-Werkstätten geschlossen, ehe die ersten Beschäftigten Anfang Mai wieder zur Arbeit kommen durften. "Im ersten Schritt war die Wiederaufnahme der Tätigkeit noch freiwillig und ausschließlich für Beschäftigte, die nicht zur Risikogruppe gehören", erklärt Anne Wecker vom Sozialen Dienst der Caritas-Werkstatt in Nauort. Um überhaupt wieder öffnen zu können, waren ein hohes Maß an Organisation sowie ein Mehr-Stufen-Plan nötig. Das umfangreiche Wiederanlaufkonzept, das die Verantwortlichen der Caritas-Werkstätten erarbeitet und mit dem Gesundheitsamt abgestimmt haben, beinhaltet unter anderem spezielle Hygienemaßnahmen und Verhaltensregeln, die an die jeweiligen Betriebsstätten angepasst wurden. "Die größte logistische Herausforderung lag darin, wie wir an den einzelnen Standorten für die bestmögliche Sicherheit der Beschäftigten und Mitarbeitenden sorgen können", erklärt Anne Wecker. So wurden in den jeweiligen Betrieben in den Fluren und Gängen spezielle Weg- und Richtungspfeile angebracht und zum Teil Einbahnstraßenregelungen geschaffen. Weiterhin wurden Arbeitsplätze durch Hygieneschutzscheiben getrennt und auch die Pausen- und Essenszeit so organisiert, dass alle einen Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten können.

Neben dem Konzept zur Wiederaufnahme des Werkstattbetriebes, wurden zusätzlich Regelungen für die Beförderung der Beschäftigten von ihren Wohnorten zur Arbeitsstelle erarbeitet. "Auch hier musste einiges beachtet werden, zum Beispiel der Abstand im Bus, Umsteigesituationen oder auch das Vorgehen beim Ein- und Aussteigen", so Anne Wecker. Zur Ergänzung der Angebote in den einzelnen Betrieben, um die Kontaktkette möglichst klein zu halten und um möglichst vielen Beschäftigten wieder die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen (Stufe zwei des Wiederanlaufkonzeptes, startete Mitte Mai), wurden in den Caritas-Wohnheimen sogenannte Außen-Arbeitsgruppen installiert.

Wann genau wieder alle Beschäftigten an ihren ursprünglichen Arbeitsplätzen sein werden, weiß derzeit wohl noch niemand. Dank des Mehr-Stufen-Planes und der umfangreichen Konzepte, ist es den Verantwortlichen dennoch gelungen, eine gewisse Normalität zu schaffen. "Für die Beschäftigten ist dies wichtig. Sie brauchen eine feste Tagesstruktur", erklärt Anne Wecker und unterstreicht: "Nach der langen Corona-Pause kommen alle gerne und motiviert wieder zurück zur Arbeit." oho

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