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Wie die Trockenphasen der Natur schaden

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Von: Tobias Ketter

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An vielen Stellen im Staatswald Weilmünster wie hier zwischen Haintchen und Wolfenhausen stehen keine Bäume mehr, weil die Trockenheit besonders den Fichten zusetzt.
An vielen Stellen im Staatswald Weilmünster wie hier zwischen Haintchen und Wolfenhausen stehen keine Bäume mehr, weil die Trockenheit besonders den Fichten zusetzt. © Tobias Ketter

Besonders die Wälder im Landkreis Limburg-Weilburg sind betroffen, aber auch manche Tiere leiden.

Limburg-Weilburg -Die Sonne brennt, Temperaturen von bis zu 40 Grad und kaum Regen in den vergangenen Wochen. Das trifft auch den Landkreis Limburg-Weilburg. Darunter leiden nicht nur die Menschen. Vor allem Pflanzen und Tiere haben mit der Trockenheit zu kämpfen. Doch wie schlimm sind die Folgen des Klimawandels wirklich für die Natur? Dirk Hannappel, ehemaliger Revierförster von Bad Camberg, und Harald Ristau, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Limburg-Weilburg, berichten von besorgniserregenden Entwicklungen. Aber ist gibt auch "Gewinner".

"Alle Bäume leiden. Überall gibt es Ausfälle", sagt Hannappel, der bis vor wenigen Tagen für das Forstrevier Bad Camberg zuständig war und nun in den verdienten Ruhestand gegangen ist. Wegen den geringen Niederschlagsmengen sei der Grundwasserspiegel stark gesunken. Das schade besonders den älteren Fichten. "In meinem Revier sind insgesamt schon 80 Prozent der Fichten ausgefallen. Nur die jüngeren Jahrgänge sind noch da", berichtet Hannappel mit Blick auf den Klimawandel.

Etwas besser sei die Situation beim Laubholz. Die Eiche habe die klimatischen Bedingungen bisher am besten verkraftet. Insgesamt macht sich die aktuelle Trockenheit laut Hannappel aber auch bei den Laubbäumen bemerkbar. "Sie werfen braune Blätter ab. Das war in 2021 deutlich weniger der Fall, da es etwas feuchter war", sagt er.

Anteil an Nadelbäumen

sollte sinken

Seit 2018 sind im Forstrevier Bad Camberg übrigens auf einer Fläche von rund 90 Hektar Bäume abgestorben. Davon wurden schon etwa 35 Hektar wieder bepflanzt. "Wir haben je 50 Prozent Laubhölzer und Nadelhölzer eingesetzt", sagt der ehemalige Revierförster. Die Tendenz werde aber künftig deutlich in Richtung der Laubbäume gehen. Der prozentuale Anteil der Nadelbäume könne nicht gehalten werden. Damit dem heimischen Wald überhaupt Nadelhölzer erhalten bleiben, müssten unbedingt Arten gepflanzt werden, die mit den veränderten klimatischen Bedingungen besser zurecht kommen. Dazu gehöre unter anderem die Douglasie. Die Wiederaufforstung aller abgeholzten Flächen werde laut Hannappel aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. "Es wird noch fünf Jahre dauern, bis die 90 Hektar wieder komplett mit Bäumen bepflanzt sein werden", sagt er.

Trotz der angespannten Situation müsse der Rohstoff Holz weiterhin zur Verfügung stehen. "Das ist ein wichtiger Faktor im Kampf gegen den Klimawandel, denn Ersatzstoffe wie beispielsweise Plastik sind schädlicher", sagt Hannappel . Die Verantwortlichen sollten künftig mit viel Fingerspitzengefühl darüber nachdenken, wie viele Bäume tatsächlich für die Produktion von Waren gefällt werden müssten. "Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge."

Dirk Hannappel hat beobachtet, dass in diesem Sommer die Suhlstellen verstärkt von Wildschweinen und vom Rotwild genutzt werden. "Um den Tieren zu helfen, müssen wir Menschen dafür sorgen, dass Wasserstellen im Wald erhalten bleiben", erklärt Hannappel. Er ist der Meinung, dass die Politik den Weg im Kampf gegen den Klimawandel ebnen müsse. Aber auch ein Umdenken innerhalb der Gesellschaft sei nötig. "Jeder Mensch sollte dabei so viel beitragen, wie er kann."

"Die Klimamodelle besagen, dass es künftig noch mehr heiße Tage und Trockenperioden geben wird", sagt Harald Ristau, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes. Besonders die Bäume seien stark von Hitzewellen und der Trockenheit betroffen, da der Wasservorrat in tieferen Bodenschichten nicht mehr ausreiche. Kräuter erholen sich laut Ristau hingegen nach oberflächlicher Durchfeuchtung der Böden schneller.

Es gibt Tiere, die von den aktuellen Bedingungen sogar profitieren. "Schmetterlinge sowie Hautflügler mögen sonniges und trockenes Wetter und die Wespenvölker entwickeln sich derzeit prächtig", sagt Ristau. "Sie sparen Energie, wenn sie von der Sonne aufgeheizt werden, und die Feuchtigkeit nehmen sie überwiegend über die Blüten auf." Wespen seien übrigens sehr nützlich für das Ökosystem, denn sie bestäuben ebenso wie Bienen und Hummeln die Pflanzen und sichern somit den Erhalt der Flora und Fauna.

Rehen macht es weniger

aus als anderen Tieren

Wie unterschiedlich Wildtiere mit den Wetterbedingungen klar kommen, zeigt das Beispiel der Rehe. Ihnen macht die Wasserknappheit weniger Probleme als Eichhörnchen, Hirschen und Wildschweinen, die ausreichend trinken müssen. "Rehe decken ihren Flüssigkeitsbedarf nämlich über frische Blätter und Kräuter sowie den Morgentau", sagt der Vorsitzende des Nabu-Kreisverbandes. Ein weiteres Beispiel für die unterschiedlichen Auswirkungen der Hitze auf die Tiere seien die Frösche. "Für ihren Fortbestand ist es wichtig, dass die Gewässer nicht austrocknen. Während sich erwachsene Kröten an feuchteren Stellen eingraben können, stirbt der Nachwuchs", sagt Ristau. Auch für die Fische seien sinkende Wasserspiegel und warmes Wasser problematisch. Es löse sich dadurch weniger Sauerstoff und es gebe mehr Schadstoffe in den Gewässern. "Für die Fische ist das oft tödlich", betont der Experte.

Um die Natur zu entlasten, müsse die Gesellschaft auf mehreren Ebenen etwas tun. Dazu gehöre unter anderem die Reduzierung des Energie- und Wasserverbrauchs und die Gestaltung von naturnahen Gärten mit Schattenbereichen. Außerdem sollten Städte grüner und Bäume, Sträucher sowie hitzeresistente Pflanzenarten wie Lavendel angepflanzt werden. Darüber hinaus sei es sinnvoll, Insekten- und Vogeltränken aufzustellen und Rasenflächen sowie Wiesen nicht so oft zu mähen.

Der Nabu hat darüber hinaus noch einige Tipps für eine umweltfreundlicheres Arbeiten im eigenen Garten parat: Er empfiehlt das Aufstellen von Regentonnen oder anderen Sammelbehältern. So lasse sich jede Menge Trinkwasser beim Gießen sparen. Darüber hinaus sollte generell frühmorgens oder abends gegossen werden. "Wenn es im Laufe des Tages so richtig heiß wird und die Sonne brennt, verdunstet nämlich ein Großteil des Wassers", sagt Ristau. Zudem solle seltener, dafür aber intensiver, gewässert werden, damit das Wasser auch die unteren Wurzelbereiche erreicht. Die Bevorzugung von heimischen Pflanzen sei sinnvoll, da exotische Blumen oft besondere Ansprüche an das Klima und die Böden hätten. "Heimische Gehölze und Stauden sind genügsamer. Sie werden auch bevorzugt von Insekten aufgesucht."

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