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Die Übersicht zeigt die Standorte der geplanten Windkraftanlagen und die Abstände zur Bebauung. Grafik: FNP

Gemeinde Hünfelden erwartet Genehmigung der fünf Anlagen

Windkraft: Flugsicherung gibt Okay

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Mit einer Million Euro will sich die Gemeinde Hünfelden an der Betreibergesellschaft beteiligen, die die fünf Windkraftanlagen im Hünfelder Wald umsetzen und nutzen wird. Zum Einstieg soll die Kommune 20 Prozent der Anteile halten, später mehr. Eine Beteiligung der Bürger mit bis zu 30 Prozent an der Gesellschaft ist geplant.

Die Entscheidung fiel einstimmig: Die drei Fraktionen in der Hünfeldener Gemeindevertretung haben am Mittwochabend in Kirberg ein deutliches Votum für die geplanten fünf Windkraftanlagen im Hünfelder Wald abgegeben und die Weichen für eine

Bürgerbeteiligung

am Windpark gestellt. Seit sechs Jahren läuft das Verfahren. Letzte Hürde war der Widerspruch der Deutschen Flugsicherung. Die hat jetzt „grünes Licht“ gegeben. Damit ist das Regierungspräsidium in Gießen am Zug. Die Gemeinde rechnet hier mit einer Genehmigung noch im Dezember. Hünfelden wird sich an der Betreibergesellschaft beteiligen – zunächst zu 20 Prozent. Dafür hat die Kommune eine Million Euro veranschlagt.

Geplant ist eine Windpark-Betreibergesellschaft in Form einer GmbH. Schon im Oktober 2014 hatte dies das Parlament beschlossen und festgelegt, dass sich die Gesellschaft aus Energieversorger, Genossenschaft(en), Privaten (Land und Forst) sowie der Gemeinde Hünfelden zusammensetzen soll. Auch die Finanzierung des Gemeinde-Anteils von einer Million Euro wurde damals schon in die Haushaltsplanung aufgenommen und entschieden, dass Hünfelden die Option haben soll, diese Beteiligung zu erhöhen. Das Ganze wurde am Mittwochabend aktualisiert.

So sieht es im Detail aus:

Zu Beginn wird der Gemeinde-Anteil bei 20 Prozent liegen, fünf Prozent soll die Land+Forst Erneuerbare Energien GmbH halten, 75 Prozent die Naturstrom AG. Die Gemeinde gehört Gremien wie dem Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung an.

Bei der Land+Forst Erneuerbare Energien GmbH handelt es sich um die Firma von Frank Heuser, der Partner der Gemeinde in der Projektierung.

Die Naturstrom AG wurde 1998 in Düsseldorf gegründet. Als Ökostromanbieter der ersten Stunde versorgt sie nach eigenen Angaben über 240 000 Haushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen mit Strom aus erneuerbaren Energien.

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Die Gemeinde Hünfelden hat innerhalb von anderthalb Jahren, gerechnet ab der Inbetriebnahme der fünf Windkraftanlagen, die Option, ihre Beteiligung auf maximal 30 Prozent zu erhöhen. In der Vertragsgestaltung soll daher auch schon die folgende, künftig optional mögliche Zusammensetzung der Betreibergesellschaft geregelt werden: Bis zu 30 Prozent liegen bei der Gemeinde Hünfelden, bis zu 30 Prozent bei mindestens einer Bürger-Energiegenossenschaft mit lokalem Bezug, bis zu zehn Prozent bei der Land+Forst Erneuerbare Energien GmbH. Den Rest, mindestens so viel wie der ansonsten größte Gesellschafter, soll die Naturstrom AG halten. Über eine mögliche Erhöhung des kommunalen Anteils entscheidet wiederum die Gemeindevertretung.

Mit der

Bürgerbeteiligung

will die Gemeinde Bürgern aus Hünfelden und den angrenzenden Kommunen die Möglichkeit geben, an der Ökostromgewinnung im eigenen Umfeld Anteil zu haben. Vertraglich geregelt werden soll eine Übertragung von bis zu 30 Prozent der Geschäftsanteile an mindestens eine regionale Bürgerenergiegenossenschaft mit lokalem Bezug – dies innerhalb eines Jahres, gerechnet ab der Inbetriebnahme der fünf Anlagen. Zu diesem Zweck plant die pro-regionale Energiegenossenschaft (prE) mit Sitz in Hahnstätten, in Hünfelden eine lokale Zweigstelle zu eröffnen.

Das Okay der Deutschen Flugsicherung war die letzte große Hürde im Verfahren. Vorangegangen waren jahrelange intensive Beratungen, Umplanung der Standorte in Reaktion auf die Stellungnahmen zur Planung.

Auch der Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend ging eine gemeinsame Sitzung der drei Fachausschüsse voraus und vier Stunden Beratung, in denen zuletzt Details nichtöffentlich besprochen wurden, erläuterte Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer.

Gründung eines Arbeitskreises, intensive und offensive Informationspolitik, immer wieder Diskussionen in den Gremien – seit dem Votum der Gemeindevertretung im April 2010 für den Windpark im Wald und dem anschließenden Bürgerentscheid, bei dem sich im November 2010 zwei Drittel der Hünfeldener für den Bau der Anlagen ausgesprochen hatten, ist viel passiert. Vor fast genau drei Jahren berichtete die NNP zum Verfahren: „An die 200 Seiten bedrucktes Papier hatte sich ein jeder Gemeindevertreter zu Gemüte zu führen. An der Offenlegung waren 77 Behörden beteiligt, neun davon hatten Stellungnahmen ohne Anregungen abgegeben, 20 hatten Stellungnahmen mit Anregungen und Hinweisen verfasst. Darüber hinaus waren Stellungnahmen von vier Bürgern Hünfeldens eingereicht worden.“ In dieser Gemeindevertretersitzung stimmte die Alternative Liste Hünfelden (ALH) noch mit ihren beiden Stimmen gegen das Projekt. Die ALH, aus der Anti-Windkraft-Initiative hervorgegangen, war bei der Kommunalwahl im vergangenen März nicht mehr angetreten. Nach ihrem Votum vom April 2010 für den Windpark im Wald setzten SPD, CDU und die Freie Bürgerliste Hünfelden (FBH) jetzt mit ihrer einstimmigen Entscheidung erneut ein deutliches Zeichen.

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