Aufbau einer Windkraftanlage in Mengerskirchen. Dort drehen sich die Windräder inzwischen im Wind und erzeugen Strom. Die drei dort aufgestellten Windkraftanlagen sind die bisher letzten im Landkreis.
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Aufbau einer Windkraftanlage in Mengerskirchen. Dort drehen sich die Windräder inzwischen im Wind und erzeugen Strom. Die drei dort aufgestellten Windkraftanlagen sind die bisher letzten im Landkreis.

Energiewende in Limburg-Weilburg

Windkraft ohne Rückenwind

Der Windkraft bläst der Wind mächtig entgegen. Überall, wo solche Anlagen entstehen sollen, regt sich Widerstand. Und oft wird dabei der Eindruck vermittelt, als würden Naturschutz und Immissionsschutz keine Rolle spielen. Weit gefehlt. Eine ganze Reihe von Anlagen wird nicht genehmigt.

Die Engiewende hat deutlich an Geschwindigkeit verloren. Das wird am Beispiel Windkraft deutlich. Von den einmal verfolgten Zielen sind Politik und Behörden weit entfernt. Der Hessische Energiegipfel gab 2011 noch das Ziel aus, wonach 28 Prozent des gesamten Endenergiebedarfs aus der Windkraft gewonnen werden sollte. Nach Angaben des Landesverbands Windenergie hat in Hessen der Anteil des Windstroms derzeit nur einen Anteil von fünf Prozent am Strommix.

447 Megawatt pro Jahr beträgt die Gesamtnennleistung aller im Betieb befindlichen Windkraftanlagen im Regierungspräsidium für Mittelhessen. 56 Genehmigungsverfahren für 250 Windkraftanlagen sind im vergangenen Jahr beim Regierungspräsidium eingereicht worden. Nach Angaben des Regierungspräsidenten Dr. Lars Witteck (CDU) sind 17 Verfahren abgeschlossen worden. Sechs Verfahren endeten mit einer Genehmigung. 33 Windkraftanlagen sind damit möglich geworden und inzwischen teilweise auch schon gebaut. Zum Beispiel die Anlage in Mengerskirchen. Dort sind drei neue Windräder aufgestellt worden. Insgesamt wurden im Lankreis sechs neue Anlagen genehmigt.

Anlagen abgelehnt

In sechs Fällen endete das Genehmigungsverfahren mit einer Ablehnung. In fünf Fällen zogen die Antragsteller das Genehmigungsverfahren zurück. 39 Verfahren sind damit noch offen.

Die hohe Anzahl an negativen Entscheidung begründet Witteck mit naturschutzfachlichen Belangen, der Bauleitplanung, dem Denkmalschutz sowie verstrichenen Fristen und finanziellen Beweggründen. Allerdings bedeutet eine Ablehung des Verfahrens oder auch eine Rücknahme keineswegs das Ende der Windkraftanlagen. Wie Witteck weiter mitteilt, sind 16 der abgelehnten oder zurückgenommenen Anlagen neu beantragt worden.

Und Witteck gibt sich optimistisch: „Unsere Region ist mit den im vergangenen Jahr erteilten Genehmigungen den Zielen der Energiewende ein großes Stück näher gekommen.“ Joachim Wierlemann vom Vorstand des Landesverbands Wind-Energie sieht das deutlich zurückhaltender. „Was man sich im Regierungspräsidium zunächst vorgenommen hat, ist so nicht umgesetzt worden“, sagt er. Die Vorrangflächen für Windenergieanlagen fielen deutlich geringer aus, als zunächst einmal vorgesehen.

Nur 14 Anlagen

Der Kreis Limburg-Weilburg habe in den neuen Planungen für künftige Flächen verschiedene Möglichkeiten, Anlagen zu bauen. Allerdings sei nicht klar, ob auch alle Flächen, die in den Planungen ausgewiesen werden sollen, auch wirtschaftlich zu betreiben sind, ob dort ausreichend Wind pfeift, um die Räder anzutreiben.

Insgesamt sind im Bereich des Regierungspräsidiums bisher 322 Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von 447 Megawatt genehmigt worden und in Betrieb. Mit 209 Windrädern stellt der Vogelsbergkreis damit das Gros der Anlagen. Der Lahn-Dill-Kreis folgt mit 50 Anlagen, der Landkreis Marburg-Biedenkopf mit 42 Anlagen. Nach Angaben aus dem Regierungspräsidium drehen sich im Landkreis Limburg-Weilburg bisher erst 14 Windkraftanlagen und wandeln die Windkraft in Strom um. Nur der Landkreis Gießen verzeichnet noch weniger Anlagen, sieben sind es dort.

Die Praxis zeige, so Witteck weiter, dass dem Naturschutz eine herausragende Bedeutung zukomme. Für seltene, störempfindliche Vogel- und Fledermausvorkommen stellten die Windräder oftmals eine Bedrohung ihrer Population dar, was dann konsequenterweise zum Ausschlusskriterium für ein Planungsvorhaben werde. Schwarzstorch und Rotmilan sind auch Vögel, die im Landkreis Limburg-Weilburg dazu führen, dass sogenannte Vorrangflächen für Windkraftanlagen verkleinert werden oder für Anlagen ganz entfallen. Das Regierungspräsidium hat im vergangenen Jahr drei Windkraftanlagen abgelehnt, da sie Vorkommen von Mopsfledermäusen gefährdeten. Anträge zu weiteren sechs Windkraftanlagen seien zurückgezogen worden, da eine Ablehnung aus artenschutzrechtlichen Gründen nicht ausgeschlossen werden konnten.

Weitere Standorte

Auch im Landkreis Limburg-Weilburg ist die Ausweisung und der Bau von Windenergieanlagen weit hinter dem zurück, was zum Beispiel im Jahr 2008, als noch vor dem Reaktorunglück in Fukushima, noch angedacht worden war. Damals waren schon acht Windräder in Betrieb, sieben Jahre später sind es sechs mehr. Von über 40 Anlagen ist in dem Report über die energiepolitischen Ziele die Rede.

Seit dem Jahresbeginn drehen sich auf dem Knoten drei neue Windräder im Wind. Es ist die bisher letzte Anlage im Landkreis. Die nächste Windkraftanlage könnte auf Elzer Gemarkung entstehen, davon ist der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Jung (SPD) überzeugt. Auch die Anlage in dem Weilmünsterer Ortsteil Möttau hat Jung noch nicht ganz abgeschrieben, trotz eines gesichteten Schwarzstorches. Vier bis fünf Windräder seien dort vorstellbar. Auch die Gemeinde Hünfelden möchte ihren Windpark, der bereits die Hürde eines Bürgerentscheids genommen hat, realisieren. Weitere Windkraftanlagen sind in Bad Camberg (Kuhbett und Autobahn) sowie zwischen Weinbach und Weilmünster möglich. Realisierungschancen sieht Jung auch noch für einen gemeinsamen Windpark der Gemeinden Waldbrunn, Dornburg und Elbtal. Möglichkeiten bestehen auch für einen Windpark auf dem Höhenzug zwischen Weilburg, Löhnberg und Merenberg.

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