Naturschützer sind entsetzt

Windrad als Todesfalle

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Scheußlicher Anblick auf dem „Roter Kopf“ in der Verbandsgemeinde Westerburg: Aufmerksame Bürger finden die zerfetzten Teile eines streng geschützten Tieres. Für die Naturschutzinitiative ist ein Windrad für den Rotmilan zur Todesfalle geworden.

Der Rumpf mit anhängendem linken Flügel unter einem der drei Windenergieanlagen, in der Umgebung Kopf, andere Flügelteile und durchtrennte Knochen – anhand der aufgefundenen Überreste ist für Harry Neumann das Tier Opfer der Rotoren geworden, die sich an der Spitze mit über 300 Kilometern pro Stunde drehen können. „Was wir längst wissen, wurde leider erneut bestätigt: Windräder können für Vögel tödliche Fallen sein und stellen gerade in der Fortpflanzungszeit eine besondere Gefahr dar“, meint der Landesvorsitzende. „Sollte es sich hierbei um ein Individuum eines aktuell brütenden Paares handeln, hätte dies dramatische Folgen für das Gelege oder die Nachkommen“, erklären die Naturschutzverbände. Die Kreisverwaltung als Genehmigungsbehörde habe nun dafür zu sorgen, dass sich ein solcher Fall nicht noch einmal wiederhole, heißt es in einer Erklärung.

Gewährleistet werden kann dies allerdings nur, wenn die Anlagen bis zum Herbst abgeschaltet würden. Zusätzlich fordert die Naturschutzinitiative eine umfangreiche Kartierung, um weitere Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) und eine mögliche Beeinträchtigung weiterer Arten (Schwarzstorch und Mäusebussard) auszuschließen.

„Unsere frühen Hinweise auf das Konfliktpotential wurden nicht ernst genommen und nicht berücksichtigt, obwohl wir auf Flugbewegungen des Rotmilans in das Waldgebiet „Roter Kopf“ hingewiesen hatten“, sagt Neumann. Es zeige sich vielmehr, dass Windenergieanlagen in Wäldern – entgegen der leider häufigen Auffassung bei Genehmigungen – sehr wohl eine beträchtliche Gefährdung für den Rotmilan darstellten, fügt Dipl.-Biologe Konstantin Müller hinzu.

In den Planungsunterlagen, die der Genehmigung dieser Anlagen zugrunde lagen, sei erklärt worden, dass für den Rotmilan kein Konfliktpotential und keine Kollisionsgefahren zu erwarten seien. Grundsätzlich müsse man zu der Ansicht gelangen, erklärt Neumann, dass Gutachten und die zugehörigen Raumnutzungsanalysen offensichtlich das Gefährdungspotential nicht ausreichend bewerten können.

Die Kreisverwaltung Westerwald als Genehmigungsbehörde wird von der NI aufgefordert, die vorgelegten „Gutachten“ künftig sorgfältiger und kritischer zu prüfen und auch eigene Gutachten in Auftrag zu geben. Neumann: „Es ist unumgänglich und entspräche auch der wissenschaftlichen Auffassung, dass Gebiete langfristiger und großräumiger untersucht werden müssen, um die Naturräume und deren Dynamik in geeigneter Weise bewerten zu können.“

„Der Rotmilan steht nicht nur auf der Liste der bedrohten Vogelarten, sondern führt auch die Liste der Anflugopfer in der Bundesrepublik mit an. Dies resultiert unter anderem daraus, dass die Vögel Windenergieanlagen nicht meiden und in deren Umgebung nach Nahrung suchen, wobei sie schließlich von den Rotorblättern erfasst werden können“, sagt Dipl.-Biologe Dr. Jürgen Ott, Präsident des in Rheinland-Pfalz forschenden Naturschutzvereins Pollichia. Die Region trage eine besondere Verantwortung für den Rotmilan. Mit 10000 bis 14000 Paaren lebe etwa die Hälfte des gesamten Weltbestandes in Deutschland, davon etwa 500 bis 700 Brutpaare in Rheinland-Pfalz.

Aufgrund der Zahlen aus der zentralen Schlagopferdatei der Staatlichen Vogelschutzwarte in Brandenburg zeige sich eine sehr große Gefährdung für den Rotmilan durch Windenergieanlagen. In Rheinland-Pfalz fehle, wie auch in anderen Regionen, allerdings immer noch ein gezieltes Monitoring. Die Populationszahlen nehmen aufgrund verschiedener Ursachen jedoch seit Jahren kontinuierlich ab.

„Wenn wir den wunderschönen Rotmilan auch weiterhin in unseren Landschaften erleben wollen, müssen wir den weiteren Ausbau der Windenergie sofort stoppen. Diese Energieform ist nicht „grün“ oder nachhaltig, da sie ineffektiv und nicht speicherbar ist und mengenmäßig keinen Beitrag zur CO2-Einsparung leistet. Stattdessen zerstört sie unsere Landschaften, Wälder und Lebensräume, tötet Hunderttausende Vögel und Fledermäuse“, erklärt Harry Neumann.

(hbw)

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