1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg

Wirtschaftliche Leuchttürme der Region

Erstellt:

Von: Rolf Goeckel

Kommentare

Ulrich Heep
Ulrich Heep © IHK LImburg

Interview mit IHK-Präsident Ulrich Heep zum Auftakt der neuen Serie

Limburg-Weilburg -Im Nassauer Land und im Landkreis Limburg-Weilburg gibt es viele interessante Unternehmen, die man durchaus als "Hidden Champions" (relativ unbekannte Unternehmen, die auf ihrem Gebiet Marktführer sind) bezeichnen kann. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Limburg, Ulrich Heep, bezeichnet sie im Gespräch mit NNP-Redakteur Rolf Goeckel auch als Leuchttürme für unsere Region. Solche Firmen wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten in der NNP in einer Serie vorstellen. Den Auftakt macht das Interview mit Ulrich Heep.

Herr Heep, wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Situation des Landkreises Limburg-Weilburg im Vergleich mit anderen hessischen Regionen?

Der Landkreis steht sehr gut da. Die rund 13 500 Mitgliedfirmen in der IHK Limburg haben die Region wirtschaftlich stark gemacht, wir sind heute krisenfest. Das zeigt sich vor allem an der breitgefächerten Branchenstruktur. Der Kreis ist nicht abhängig von einer oder wenigen Firmen wie beispielsweise die Westerwälder Kreisstadt Montabaur von 1 & 1, sondern wir sind wirtschaftlich sehr breit aufgestellt. Der Kreis Limburg-Weilburg profitiert dabei auch von seiner verkehrsgünstigen Lage direkt an der Autobahn 3 mit guter Anbindung an die Wirtschaftsräume Köln und das Rhein-Main-Gebiet. Davon profitieren insbesondere Firmen, die auf eine gute Logistik angewiesen sind.

Wo liegen die "Hidden Champions" im Kreis Limburg-Weilburg, also Firmen, von überregionaler oder sogar internationaler Bedeutung?

Zu den "Hidden Champions" würde ich auch die Unternehmen zählen, die mit ihren Produkten eine hohe Marktdurchdringung erzielen. Da gibt es beispielsweise die Firma Vaihinger Sanomat aus Bad Camberg, deren Sahnemaschinen in Eiscafés und gastronomischen Betrieben von den USA bis nach Japan weltweit vertreten sind. Dazu gehören Firmen wie der Kinderspielzeughersteller Sterntaler aus Dornburg, die Diagnostic-Firma Biosys aus Offheim, die gerade im ICE-Gebiet Limburg ein neues Verwaltungsgebäude und Labor für 18 Millionen Euro bauen lässt, oder auch die Stephan Schmidt KG, die den Westerwälder Ton in alle Welt vermarktet. Aber auch die Limburger Firma Jutec, die Golf-Caddies weltweit verkauft, die Weilburger Coatings, Roka aus Merenberg oder Harmonic Drive und die Blechwarenfabrik aus Limburg sind Leuchttürme für unsere Region.

Worin sehen Sie denn die Stärke der heimischen Unternehmen?

Ganz klar: Die Stärke, das sind die Mitarbeiter. Und hier wiederum ist die Ausbildung von entscheidender Bedeutung. Wir sind sehr stolz auf unsere guten Berufsschulen, die wir mit aller Kraft zu erhalten versuchen. Aber das wird immer schwieriger, wie das Beispiel der Bankkaufleute zeigt. In Limburg gibt es eine Berufsschulklasse Bankkaufleute, im benachbarten Diez aber auch. Um beide Standorte zu erhalten, könnte man beide Klassen zusammenlegen. Das scheitert aber an den beiden Landesregierungen.

Die Kreisstadt Limburg ist ja geografisch in einer Randlage zum benachbarten Rheinland-Pfalz . . .

Ja, das ist richtig. Aber Diez und Limburg sind eigentlich ein gemeinsamer Wirtschaftsraum, deshalb ist eine enge Zusammenarbeit wichtig. Der Landkreis Limburg-Weilburg gehört sowohl zum Rhein-Main-Gebiet als auch zum Raum Mittelhessen. Deshalb müssen wir versuchen, die größtmöglichen Vorteile aus beiden Regionen zu ziehen.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung für die Zukunft?

Vor allem der Fachkräftemangel ist ein riesiges Thema für die Unternehmen. Allerdings steht der Kreis auch hier sehr gut da. Denn im Unterschied zu vielen anderen hessischen Landkreisen steigt bei uns die Zahl der Auszubildenden.

Wie ist das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik?

Es ist gut, aber wir müssen unsere jeweiligen Stärken noch mehr bündeln. Ein Unternehmen wie Serviceware als großer Arbeitgeber darf nicht nach Idstein wegen einer fehlenden Immobilie wegziehen. Hier wünsche ich mir kreative Lösungen, um solche Unternehmen zu halten. Ein Beispiel konnten wir vor vielen Jahren in Montabaur erleben, als die Politik sich zusammengetan hat, um 1 & 1 beim Bürogebäude zu unterstützen. Wir sehen heute, welche weitsichtige Entscheidung dies war und wie wichtig das Unternehmen für den Standort ist. Das Beispiel zeigt, dass wir noch mehr lernen müssen, uns als Region miteinander zu vernetzen und zusammenzuarbeiten. Das ist wichtig vor allem auch für den Einzelhandel, den wir in den Städten halten müssen. Was wäre Limburg ohne die Kernstadt und Unternehmen wie beispielsweise Vohl & Meyer?

Wie kann eine engere Vernetzung denn konkret aussehen?

Vorbildlich ist etwa eine Vorkaufssatzung für Gewerbeimmobilien, wie sie die Stadt Hanau hat Damit hat sie ein Instrument, um gemeinsam mit Investoren die Ansiedlung von Unternehmen zu steuern. Ein City-Manager, wie er in Limburg vorgesehen ist, braucht einen Werkzeugkasten, um seine Aufgabe erfüllen zu können. Ein anderes Beispiel für Vernetzung ist die Möglichkeit, branchenübergreifende Genossenschaften zu gründen - als Konkurrenz zum Online-Handel. So könnte ich mir einen gemeinsamen Lieferservice von Geschäften zwischen Limburg und Weilburg, Hadamar und Bad Camberg vorstellen, der schneller sein könnte als Amazon Prime.

Wir sprachen über die unternehmerischen Leuchttürme in der Region. Wo sehen Sie die Aufgabe der Politik, um die Wirtschaftsstruktur in der Region weiter zu verbessern?

Ein dringender Wunsch der Unternehmen ist der Bau einer Südumgehung für Limburg. Ich appelliere an die Politik, dieses Problem endlich zu lösen. Ein Dieselfahrverbot in Limburg würde die Wirtschaft der Region schwer treffen. Ein weiterer Wunsch ist der nach weiteren Gewerbeflächen. Der Bedarf ist da, deshalb ist die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets Offheim zu begrüßen. Besonders für große Industrieunternehmen fehlt der Platz. Es darf auch nicht vergessen werden, dass in den letzten Jahrzehnten viele innerstädtische Gewerbeflächen weggefallen sind, zum Beispiel dort, wo in Limburg früher die Firma Ohl war, oder der alte Standort der Blechwarenfabrik. Ziel der IHK ist es, die Zahl der Pendler ins Rhein-Main-Gebiet zu verringern und möglichst viele Unternehmen in die Nähe unserer Wohnorte zu holen.

Wie gut sehen Sie den Landkreis bei der Digitalisierung aufgestellt?

Es gibt zwar noch weiße Flecken bei der Glasfaseranbindung, aber die werden nun beseitigt. Der Landrat und seine Vorgänger haben hier richtig Gas gegeben, so dass wir uns hinter anderen Landkreisen heute nicht verstecken müssen. Für mein eigenes Unternehmen war unter anderem entscheidend für die Ansiedlung im Limburger ICE-Gebiet, dass hier zwei Glasfaserleitungen zusammenlaufen. Aus diesem Vorteil hätte man sicher mehr machen können. Ich erinnere mich noch, dass man dachte, man könnte hier die Googles und Facebooks dieser Welt ansiedeln. Dieser Plan ist allerdings in erster Linie an der Vermarktung gescheitert.

Unternehmen gesucht

Nicht jeder "Hidden Champion" oder Leuchtturm der heimischen Wirtschaft ist bekannt. Wer ein Unternehmen für die NNP-Serie vorschlagen möchte, kann dies gerne tun. Sende Sie bitte eine E-Mail an nnp@fnp.de und skizzieren Sie kurz, warum dieses Unternehmen in die Serie passt.

Auch interessant

Kommentare