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Wo deutsche und US-Politik an allem Schuld sind

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Von: Tobias Ketter

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Mit Plakaten in den Händen zogen die Demonstranten durch die Limburger Innenstadt. Sie forderten unter anderem das Ende aller Sanktionen und die Öffnung von Nordstream 2. Außerdem sollen die Atomkraftwerke weiterhin am Netz bleiben.
Mit Plakaten in den Händen zogen die Demonstranten durch die Limburger Innenstadt. Sie forderten unter anderem das Ende aller Sanktionen und die Öffnung von Nordstream 2. Außerdem sollen die Atomkraftwerke weiterhin am Netz bleiben. © Tobias Ketter

Demonstration auf dem Europaplatz

Limburg-Weilburg -„Wenn ich den Namen Robert Habeck ausspreche, bekomme ich fast das Kotzen.“ Dieser Satz und viele ähnliche Ausrufe waren am Montagabend auf dem Limburger Europaplatz zu hören. An Ort und Stelle trafen sich trotz Regens rund 70 Menschen zu einer Demonstration. Sie protestierten gegen die hohen Energiepreise und gegen Waffenlieferungen für die Ukraine. Außerdem thematisierten die Redner die Folgen eines Blackouts, kritisierten die Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie und sprachen über den Klimawandel, den es laut Aussage einer Organisatorin nicht gebe.

Zu dem „Montagsspaziergang“ aufgerufen hatten Mitglieder der Gruppierung „Limburg steht auf“, die bereits vor einigen Monaten gegen die Corona-Maßnahmen demonstrierte, sich dann aber zumindest vorläufig aufgelöst hatte, und der Partei „die Basis“, die der Querdenker-Szene nahesteht. Der Telegram-Kanal von „Limburg steht auf“ wurde aber über den Sommer hinweg trotz der Auflösung weiter mit Inhalten gefüllt. Dort haben die Organisatoren im Vorhinein auch für die Kundgebung geworben.

Bei einem möglichen Blackout im Winter werde es in Deutschland innerhalb von 96 Stunden 400 Tote geben, sagte Yvonne Grützmacher, die im Februar bereits zu den Aufrufern eines äußerst umstrittenen Karnevalsumzugs gegen die Corona-Maßnahmen gehört hatte. Bereits nach 24 Stunden sterbe Grützmachers Worten zufolge Nutzvieh und es werde zu Plünderungen und Bränden kommen. „Heizungen, Handy-Netze und Geldautomaten fallen bei einem flächendeckenden Stromausfall aus“, so die Demonstrantin. Die Leute sollten deshalb ihr Geld von den Konten abheben und sich unbedingt mit Lebensmitteln eindecken. „Trotz dieser drohenden Gefahren wollen die intelligenzbefreiten Politiker auch die letzten drei verbleibenden Atomkraftwerke vom Netz nehmen“, schimpfte Grützmacher.

„Wir haben kein Klimaproblem“

Während der Ansprache der Mitorganisatorin der Kundgebung ging es aber längst nicht nur um die Probleme bei der Energieversorgung. So leugnete sie auch den Klimawandel. „Wir haben kein Klimaproblem. Trockenphasen gab es schon immer“, sagte Grützmacher. Daraufhin applaudierten viele der Demonstranten lautstark. Es sei „zum Kotzen“, dass die Regierung die Anschaffung von E-Autos fördere.

Darüber hinaus kritisierte die Rednerin auch die Corona-Maßnahmen. „Ich werde niemals eine Maske aufziehen“, betonte sie, ohne dafür eine konkrete Begründung zu nennen. Auch das Thema Gendern wurde angesprochen. „Gendern ist Dreck“, so Grützmacher weiter. Ihre Ausdrucksweise ging dann wohl aber doch einigen Demonstranten zu weit. Vereinzelt verließen sie die Kundgebung während ihrer Rede.

„Habt ihr die Schnauze voll von Sanktionen?“, fragte Jovica Jovic, der den Youtube-Kanal TV Russia betreibt und schon mehrfach bei pro-russischen Demonstrationen im Bundesgebiet aufgetreten ist, zu Beginn seiner Rede. Die Regierung wolle mit ihren Maßnahmen das Volk teilen. Deshalb müsse man nun zusammenstehen und auf die Straße gehen. „Ich distanziere mich von jedem Krieg, aber auch von unserer Regierung“, so Jovic, der allerdings kein Problem damit zu haben scheint, sich unter den aktuellen Umständen mit Russland-Fahnen schwenkenden Demonstranten gemein zu machen. Für ihn sind dagegen Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) „das wahre Problem“. Mit einer Distanzierung gegenüber Putin tue sich der Youtuber laut eigener Aussage allerdings sehr schwer.

Er sprach sich gegen die Waffenlieferung für die Ukraine aus. „Unsere Waffen lösen nämlich Elend aus.“ Jovic warnte außerdem vor dem Abwurf von Atombomben. „Wenn Russland sich in die Ecke gedrängt fühlt, müssen wir uns alle keine Sorgen mehr um Preiserhöhungen machen, da wir dann sowieso alle verstrahlt sind.“ Der wahre „Teufel der Welt“ sei aber dennoch nicht Russland, sondern die USA. „Zwischen Trump und Biden gibt es nur einen Unterschied. Einer von den beiden ist dement“, fabulierte Jovic.

Anfeindungen gegen die Grünen

Der gebürtige Serbe habe in den vergangenen Monaten Anfeindungen gegen Russen erlebt. „Ich selbst stehe für ein multikulturelles Deutschland und ich möchte Brücken bauen“, behauptete er. Abschließend hatte Jovic auch noch eine Anfeindung gegenüber Annalena Baerbock und ihre Parteikollegen mit dabei: „Eine zweite Amtszeit mit Euch wird es nicht geben.“

„Unsere Regierung führt Krieg gegen das eigene Land“, sagte Jens Meyer, Kreisvorsitzender der Partei „die Basis“. Dies führe zu „Wirtschaftsleichen“ und zur Enteignung der Leute. Allerdings seien die Politiker nur Marionetten, lehnte er sich an eine der gängigen Verschwörungstheorien an. Es stelle sich die Frage, wer diese steuere. Meyer könne den eigenen Angaben zufolge die Gründe für den Einmarsch in die Ukraine nachvollziehen. Wie er zu dieser Einschätzung kommt, ließ er aber offen. Der Krieg selbst sei hingegen nicht nachvollziehbar. „Die Proteste in der Ukraine und in Russland zeigen, dass das Volk keinen Krieg will.“ Deutschland solle, genau wie Österreich und die Schweiz, neutral bleiben. Waffenlieferungen seien nicht die richtige Lösung.

Auch der Kreisvorsitzende der Partei „die Basis“ sprach sich dafür aus, die Atomkraftwerke aufgrund der Energie-Krise weiter am Netz zu lassen. Er wolle gemeinsam mit einigen Mitstreitern zeitnah einen offenen Brief an die Stadt Limburg und an den Landkreis Limburg-Weilburg schicken. So wolle er in Erfahrung bringen, inwieweit diese auf einen möglichen Blackout vorbereitet sind. Auch Meyer arbeitete sich an den Grünen ab. Von denen distanziere er sich - und von allen Extremisten.

Nach der Kundgebung marschierten die Demonstranten durch die Innenstadt. Begleitet wurden sie dabei von einem großen Polizeiaufgebot. Auf Plakaten waren Statements wie „Wer Krieg will, liefert Waffen“ zu lesen. Und dann erklang auch noch „99 Impftermine“ - ein bei Querdenker-Demonstrationen beliebtes Lied gegen die Corona-Maßnahmen.

tobias ketter

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