Landsknechte

Wochenendausflug ins Mittelalter

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Ihre Vorbilder sind die Landsknechte des späten 15. und 16. Jahrhunderts. Sie kleiden sich wie sie, marschieren und kämpfen wie sie – heutzutage natürlich in friedlicher Absicht. Am Wochenende haben sich rund 260 Aktive des Bundes Oberschwäbischer Landsknechte an der Lahn getroffen. Auf Einladung der Schadecker Kameraden, die sich vor 30 Jahren zusammengetan haben.

Ihr Lager haben die etwa 260 Aktiven des Bundes Oberschwäbischer Landsknechte am vergangenen Wochenende auf den Wiesen nahe der Hofener Mühle aufgeschlagen. Die Schadecker Kameraden hatten aus Anlass ihres 30-jährigen Bestehens zum sogenannten Herbstdrill an die Lahn eingeladen. Und die Freunde historischer Kostüme und Bräuche aus dem späten 15. und 16. Jahrhundert kamen sogar von weit her: aus den Landsknecht-Hochburgen Baden-Württemberg und Bayern, aber auch aus Frankreich, Schweden, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Gemeinsam übten sie das Marschieren und Kämpfen und pflegten die Geselligkeit.

Hubert Zachert vom Seehaufen Deggenhauser Tal war vor 20 Jahren einer der Gründungsmitglieder des Bundes Oberschwäbischer Landsknechte. Die Zahl der Zachert Gruppen sei mittlerweile von sieben auf 29 gestiegen, wusste er zu berichten. In Hessen sind die Schadecker die einzigen, die diesem Hobby im Verein nachgehen. Zacherts Seehaufen wolle an die Bauernkriege von 1525 erinnern, als die Bauern gegen die Obrigkeit kämpften. Kleidung, Waffen und Ausrüstung sollen ebenso wie das Lagerleben authentisch wirken. Zachert betont, dass es nicht um Kriegsverherrlichung gehe, sondern um die Symbolik, dass der kleine Mann sich wehrt. „Es ist die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Spaß und Freundschaft, die mich mitmachen lässt“, sagt Zachert. Es mache Freude, in ein einfaches Leben abzutauchen, aber auch, nach einem Wochenende wieder ins reale Leben zurückkehren zu können.

Michel Franke, Vorsitzender der Landsknechte Schadeck, erzählt, dass das Leben der echten Landsknechte nicht so romantisch gewesen sei. Es sei nicht um hehre Ziele gegangen. Oft hätten die Landsknechte die Seiten gewechselt, wenn es bei einem anderen Herrn mehr zu verdienen gab. Unterwegs wurden ganze Dörfer geplündert. Die „Einnahmen“ wurden noch dazu oft versoffen, erzählt Franke. Schließlich wussten die Landsknechte, dass in der Schlacht jeder Tag ihr letzter sein konnte.

Die Schadecker Landsknechte waren froh, anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens den Herbstdrill ausrichten zu dürfen. Mit zwölf Aktiven eine solche Großveranstaltung zu stemmen, war harte Arbeit, berichten sie. Rainer Kreckel, heute mit 76 Jahren der Älteste der Schadecker Landsknechte, kann sich noch gut an die Schadecker 700-Jahr-Feier zurückerinnern. Zu deren Anlass gründeten 40 Männer die heimischen Landsknechte. Tabea Franke, Aktive in Schadeck und Tochter des Vorsitzenden, bedauert, dass die Zahl der Aktiven im Verein auf ein Dutzend geschrumpft sei. „Wir müssen in Zukunft wieder mehr in Schadeck und Umgebung machen“, findet sie. So wolle der Verein nächstes Frühjahr im Dorf sportliche Highland-Wettkämpfe ausrichten, um neue Interessenten für das Hobby zu finden. In Hessen würden viele lieber Ritter als Landsknechte spielen, bedauert Tabea Franke. Angelika Rosenberger-Krämer ist seit viereinhalb Jahre in Schadeck dabei. Sie sei überzeugte Pazifistin, sagt sie. Aber beim Drill macht es ihr Spaß, militärische Formationen zu üben. Das dürfen bei den Landsknechten auch die Frauen. Auch wenn diese früher dafür zuständig waren, die Heere mit Essen zu versorgen. Wenn aber der Tross angegriffen wurde, hätten auch die Frauen mitkämpfen müssen, weiß Rosenberger-Krämer.

Ihre Bekannte Geli näht sich die historische Kleidung selbst. „Es ist spannend zu recherchieren, welche Materialien es damals gab und dann auch nur diese zu verwenden“, erzählt sie. Alexandre Chevalier ist mit drei Mitstreitern extra aus dem schweizerischen Genf gekommen. „Mich reizt es, mit Gleichgesinnten hier Zeit zu verleben“, sagt er.

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