Sternsinger unterwegs

„Wünschen Euch ein fröhliches Jahr“

Sie ziehen nach Weihnachten durch das Land, bringen den Segen in die Häuser und sammeln Spenden, die Sternsinger. Ihr Brauch orientiert sich an den Heiligen drei Königen, Magiern oder Sterndeutern.

Von LEONI DOWIDAT

Sie ziehen nach Weihnachten durch das Land, bringen den Segen in die Häuser und sammeln Spenden, die Sternsinger. Ihr Brauch orientiert sich an den Heiligen drei Königen, Magiern oder Sterndeutern. Fast schien es, als steckten die Hünfeldener Sternsinger in einer handfesten Krise: Im vergangenen Jahr fanden sich keine Kinder, die den Segen Gottes in die Häuser der Gemeinde tragen wollte. Das kann doch nicht sein, dachte sich Diakon Heinz Gemeinder und ging in diesem Jahr mit einer großen Charme-Offensive neue Wege, um junge Menschen für die Tradition zu begeistern.

„Wir kommen daher aus dem Morgenland/Wir kommen geführt von Gottes Hand/Wir wünschen Euch ein fröhliches Jahr:/Caspar, Melchior und Balthasar!“ Was anfangs noch ein wenig holprig über die Lippen geht, können Christoph, Sina, David und Jonas nach wenigen Durchläufen schon bald fließend. Von Haus zu Haus ziehen die farbenprächtig gekleideten Gestalten und hinterlassen Zeichen an jeder Tür: 20*C+M+B+16. = Christus Mansionem Benedicat (Christus segne dieses Haus)

Die vier Kinder sind Sternsinger und Teil einer kleinen Sensation in der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien. Nicht weniger als 47 Kinder schwärmten aus, um als einer der Heiligen Drei Könige gewandet, um den Bürgern der Hünfeldener Ortschaften Dauborn, Kirberg, Neesbach, Mensfelden und Ohren Gottes Segen für das neue Jahr zu bringen.

„Diesmal gehen die Sternsinger dabei zum ersten Mal von Tür zu Tür und besuchen jeden Haushalt“, sagte Diakon Heinz Gemeinder vor dem Start.

Nach einer „Nullrunde“ im vergangenen Jahr, als sich nicht genügend Freiwillige für die Sternsingeraktion fanden, war er es, der sich fachkundige Unterstützung holte: 28 Jahre lang engagierte Sabine Fröhlich-Stangl sich in ihrer Heimat selbst bei den Sternsingern. „Und das in einer Sternsinger-Hochburg“, wie sie selbst sagt.

Dass in Kirberg anscheinend niemand Interesse an der langjährigen Tradition hat, konnte sie nicht hinnehmen: „Es kann doch nicht sein, dass hier nur sechs Kinder als Sternsinger mitmachen wollen“, wunderte sie sich über die Zustände der vergangenen zwölf Jahre. Nachdem der Hausbesuch der kleinen Segensbringer 2015 komplett ins Wasser fiel, startete sie gemeinsam mit Heinz Gemeinder und Ulrike Schmitt eine großangelegte Charme-Offensive: „Wir haben alle Kindergärten in Hünfelden besucht, waren in den ersten bis sechsten Klassen der Freiherr-vom-Stein-Schule und haben fünf Informationsveranstaltungen abgehalten“, zählt sie auf. 50 Kostüme wurden im Rahmen der Vorbereitungen neu genäht: Viele der vorhandenen Kleidungsstücke waren in einem schlechten Zustand oder einfach viel zu groß für die jungen Sternsinger.

Der Erfolg ihrer Bemühungen kann sich durchaus sehen lassen: Ein lautstarkes Durcheinander an Kindern, Eltern und Kostümen tummelte sich zum Auftakt bereits um 9 Uhr morgens in der Katholischen Pfarrkirche zu Kirberg.

Dabei sind längst nicht alle der Sternsinger katholisch: Einige der Segensbringer sind ungetauft und auch muslimische Kinder dürfen in diesem Jahr bei der weltweit größten Spendenaktion von Kindern für Kinder mitwirken.

„Wir sammeln Spenden für Bolivien“, erklären auch Christoph, Sina, David und Jonas jedem, der ihnen die Türe öffnet. Drei von ihnen waren bereits in der Vergangenheit als Sternsinger aktiv. „Wir waren da nur zu zweit und wurden dann zu den Häusern gefahren, die uns ’bestellt’ hatten“, erinnert David sich. „Das waren dann in Kirberg vielleicht 50 Haushalte“, sagt Eva Hofbauer. Als Gruppenleiterin begleitet sie die vier an diesem und dem folgenden Tag.

Wie die Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren zur Sternsinger-Aktion kommen? „Bei uns sind beispielsweise drei der Mitwirkenden Messdiener“, so Hofbauer weiter. „Da rutscht man einfach auch automatisch in die Sternsinger-Aktion rein.“

Auch von der einmal monatlich stattfindenden ökumenischen Kinderkirche haben sich viele Teilnehmer für die Sternsinger angemeldet. „Wir haben dort aber auch kräftig Werbung für unser Projekt gemacht“, sagt Heinz Gemeinder. Mächtig stolz ist er auf die Nachwuchs-Sänger: „Ich bin überwältigt – so etwas gab es hier noch nie!“

Vor allem in Hinblick auf die Nachwuchsprobleme vieler ehrenamtlicher Organisationen und Vereine weiß er das Engagement der Kinder durchaus zu schätzen: „Es ist doch toll, dass es so etwas heute noch gibt.“

Ebenso herzlich wie von Heinz Gemeinder werden die Sternsinger jedoch auch von den Anwohnern empfangen. Oft gibt es neben finanziellen Spenden für das Hilfsprojekt auch eine kleine Wegzehrung, die sie zugesteckt bekommen. Viele haben die Segensbringer dabei schon lange erwartet: „Dann kann ich ja endlich den Spruch von 2014 wegwischen“, lacht eine Frau. „Der hat jetzt aber auch lange genug gehalten.“

Für die nächste Sternsinger-Aktion rechnet Sabine Fröhlich-Stangl sogar noch mit mehr Teilnehmern: „Wenn das heute und morgen gut anläuft, werden die Kinder ihren Freunden sicherlich davon erzählen.“ Die Chancen dafür stehen zumindest gut, denn die Frage auf die Motivation der Sternsinger beantwortet Christoph wie aus der Pistole geschossen: „Ich mache das, weil es einfach Spaß macht!“

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