Windpark Altendiez

Wurde mit der Kamera getrickst?

Diez ohne Schloss Oranienstein? Was in der Realität unvorstellbar ist, wird in den Visualisierungen des Bauantrags für den Windpark Altendiez Wirklichkeit. Grund: Bei den Vorlagen für die Fotomontagen zur Darstellung der sechs beantragten Anlagen in der Landschaft handelt es sich um Weitwinkelaufnahmen. Folgen: Hintergründe und markante Punkte können nicht mehr oder nur noch schemenhaft wahrgenommen werden.

Es fiel auf bei der Durchsicht der Umweltverträglichkeitsstudie mit integriertem Landschaftspflegerischem Begleitplan. Bei der Prüfung der abgebildeten Fotos entstand der Verdacht, dass die Perspektiven offensichtlich so stark verzeichnet waren, wie sie nur mit extremen Weitwinkelfotografien auftreten können. Der Eindruck bestätigte sich dadurch, dass die Bilder nicht, wie es üblich gewesen wäre, durch das Gutachterbüro gefertigt wurden, sondern von der Planungsgesellschaft iTerra GmbH, Gießen. Sie ist technischer Berater der Antragstellerin, der Trianel GmbH, Aachen.

Ein weiteres Indiz ergab sich aus der angehängten Anlage für die „Kamera“. Demnach entspricht der angegebene Wert „48“ offensichtlich der gesehenen Realität durch einen Menschen, bezogen auf den Standard „Kleinbildformat“. Bei der Nikon D 70 handelt es sich um die erste digitale Kamera der Firma Nikon. Diese Kamera liefert kein Vollbildformat, so dass, bezogen auf das Kleinbildformat, ein Umrechnungsfaktor von 1,5 multipliziert werden muss, damit sich der Faktor 72 (Tabelle im Anhang II der UVS) ergibt. Das sollte realitätsnahe Abbildungen darstellen, so wie es das menschliche Auge sieht.

Aufnahmen von gleichen Standorten kamen im Juni 2018 zu abweichenden Ergebnissen. Bei der Prüfung der vorgegebenen Kameraeinstellungen stieß Fotograf Reinhard Langschied auf völlig andere Perspektiven – wie zum Beispiel in der Diersteiner Au. Die in der Studie enthaltene Fotografie (Foto 24 mm) wurde nachgestellt und ergab beim gezeigten Blickwinkel eine Weitwinkelperspektive von 24 mm (auf Kleinbildformat bezogen). Das bedeutet, dass der Hintergrund eines solchen Bildes extrem zusammengezogen wird, was den Effekt hat, dass sich dort befindliche Gegenstände, wie Gebäude oder Windenergieanlagen, kaum noch ausmachen lassen. Dies führte auch dazu, dass Schloss Oranienstein nicht mehr zu erkennen ist. Eine ganz andere Ablichtung ergibt sich mit 50 mm Brennweite (Bild 50 mm). Rechts im Bild sind neben der Montage die real existierenden Windräder in Eppenrod zu sehen, die auf weit über 200 Meter Höhe aufgerüstet werden sollen.

Dazu Hambachs Ortsbürgermeister Peter Sehr in einer Stellungnahme an die Kreisverwaltung: „Die Ortsgemeinde Hambach kommt zu dem Ergebnis, dass in der UVS durch manipulativ gehandhabte und interpretierte Fotos falsche Aussagen und Schlussfolgerungen getroffen wurden. Wir gehen davon aus, dass die UVS gutachterlichen Charakter hat. Wenn also derart versucht wird, erhebliche Eingriffe in die Natur und in die kulturhistorische Landschaft zu kaschieren bzw. zu verharmlosen, setzt sich dem Verdacht aus, dass auch in anderen Stellungnahmen und Gutachten oder an anderer Stelle solche Mängel bzw. Manipulationen feststellbar sind.“

Anhand weiterer Aufnahmen (dabei wurden die 199 Meter hohen Elzer Anlagen realitätsnah auf 237 Meter vergrößert) weist Sehr nach, wie sich die WEA von Altendiez dominant und mit erheblichen Sichteinwirkungen auf das besonders geschützte kulturhistorisch wertvolle Lahntal, Schloss Oranienstein und Grafenschloss auswirken.

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