1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg

Züge im Lahntal waren oft überfüllt

Erstellt:

Kommentare

Es war für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr ein ungewöhnliches Vierteljahr. Von Juni bis August gab es 9-Euro-Tickets. FOTO: DPA
Es war für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr ein ungewöhnliches Vierteljahr. Von Juni bis August gab es 9-Euro-Tickets. © dpa

Ein Pendler berichtet von seinen Erfahrungen

Limburg-Weilburg -Eine durchaus gemischte Bilanz für das von Juni bis Ende August geltende und bundesweit gültige 9-Euro-Ticket ziehen die Verkehrsverbünde und Nutzer. Während der hessische Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) sich mit dem Erfolg des 9-Euro-Tickets zufrieden zeigt, hebt das vorläufige Fazit aus Rheinland-Pfalz eher die deutlich gewordenen Mängel hervor.

Die gemischten Erfahrungen decken sich auch denen, die Pendler aus der Region gemacht haben. So kam es auf der Main-Lahn-Bahn nach Frankfurt aufgrund der dort eingesetzten Züge mit Doppelstockwagen nur selten zu Problemen. Zusätzliche Reisende auf den beiden Westerwaldstrecken waren überwiegend im Freizeitverkehr an den Wochenenden festzustellen, während offenbar nur wenige neue Pendler gewonnen werden konnten. Erstaunlicherweise wurden Freizeitbusse, wie der an Wochenenden fahrende Weiltalbus mit seinem Fahrradanhänger, in den vergangenen drei Monaten nur unwesentlich stärker in Anspruch genommen. Selbst in der im Berufsverkehr gut genutzten Schnellbus-Linie X72 (Limburg-Wiesbaden) gab es laut es dem Busunternehmen NVG keinen übermäßigen Fahrgastzuwachs bei den Pendlern. Auch die lokale Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil hat für ihren Bereich keine Beschwerden über zu volle Busse im Linienverkehr erhalten.

Härtetest am Pfingstwochenende

Ganz anders stellte sich von Beginn an die Situation im Lahntal dar. Während bis Ende Mai noch großer Wert auf ausreichende Abstände wegen Corona gelegt wurde, spielte das ab dem 1. Juni keine Rolle mehr. Als besonderer „Härtetest“ stellte sich das Pfingstwochenende heraus.

Pendler, wie Jens Claus aus Diez, der schon seit Jahren zu wechselnden Zeiten an allen Tagen der Woche zur Arbeit nach Niederlahnstein pendelt, fühlten sich schon nach wenigen Tagen ins alte Indien zurückversetzt: Eigentlich wären nur noch Plätze auf den Dächern der Züge frei gewesen. Nach seiner Einschätzung überwogen die Verdienstausfälle aufgrund der häufigen Verspätungen deutlich die durch das 9-Euro-Ticket erstatteten Vergütungen.

Deutliche Mängel traten auch in der Kommunikation an den Bahnsteigen oder den elektronischen Infosystemen auf, wenn sich Züge verspäteten oder ausfielen.

Sehr unterschiedlich waren auch die Erfahrungen mit dem Zugbegleitpersonal. Während die einen beispielsweise den besonders von den übervollen Zügen belasteten Pendlern freie Plätze in der ersten Klasse anboten, war dies für andere undenkbar.

Im Netz der Lahn-Eifel-Bahn stehen für eine so hohe Nachfrage, vor allem auch bei Radtouristen, zu wenige Fahrzeuge zur Verfügung. Immer wieder konnte Claus beobachten, dass sich Radler völlig uneinsichtig zeigten. Obwohl erkennbar war, dass keine Räder mehr in die Züge hineinpassten, wurde häufig versucht, sich irgendwie dazu zu quetschen. Diskussionen mit dem Zugpersonal verzögerten die Abfahrt, was nichts daran änderte, dass sie eben nicht in den Zug passten, dieser aber durch diese Uneinsichtigkeit wieder massiv verspätet war.

Wenn dann auch noch Werkstattaufenthalte hinzukamen, wurden als Regionalexpress RE 25 zwischen Koblenz und Gießen auch die zu normalen Zeiten meist nicht ausreichenden kleinen Lint27 eingesetzt. Dazu schrieb Jens Claus: „Es wäre so schön, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit mal wieder sitzen könnte. Immerhin war es wieder so voll, dass man nicht umfallen konnte ... das ist ja auch fast wie sitzen.“

Nach seinen Erfahrungen mussten etliche Pendler, die seit vielen Jahren treue Kunden der DB waren, in den letzten drei Monaten mit dem Auto zur Arbeit fahren. Nicht durchführbar waren auch Ausflüge mit stark behinderten Menschen, da nicht planbar war, ob die Züge ausreichend Platz boten und eine Mitfahrt möglich war. Sein Fazit: „Als Pendler konnte ich dem 9-Euro-Ticket nichts Positives abgewinnen, für das Personal der Bahn war der Dienst in den letzten drei Monaten oftmals eine Zumutung.“ hans-peter günther

Auch interessant

Kommentare