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Zwei Zentren werden gefördert, eins nicht

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Von: Petra Hackert, Anken Bohnhorst, Stefan Dickmann

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Ein Spaziergang unter den schattenspendenden Bäumen im Kurpark ist immer erholsam, erst recht in der Nähe der Wasserspiele. In der Innenstadt soll es noch mehr Schatten und Bänke für ruhige Aufenthalte geben - gefördert mit Mitteln des Landes Hessen.
Ein Spaziergang unter den schattenspendenden Bäumen im Kurpark ist immer erholsam, erst recht in der Nähe der Wasserspiele. In der Innenstadt soll es noch mehr Schatten und Bänke für ruhige Aufenthalte geben - gefördert mit Mitteln des Landes Hessen. © Petra Hackert

Bad Camberg und Elz profitieren vom Programm "Zukunft Innenstadt", Limburg ist durchgefallen.

Limburg-Weilburg -Im Programm "Zukunft Innenstadt" des Landes Hessen werden insgesamt 10 Millionen Euro an Fördergeldern für zukunftsweisende Projekte in Innenstädten und Ortszentren ausgeschüttet. 97 hessische Kommunen haben sich diesmal in der zweiten Runde beworben, nun sind 41 Städte und Gemeinden vom Land gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des "Bündnisses für die Innenstadt" ausgesucht worden und erhalten bis zu 300 000 Euro. Darunter sind mit Bad Camberg und Elz auch zwei Kommunen aus Landkreis Limburg-Weilburg, unter den 56 nichtberücksichtigten Bewerbern ist dagegen Limburg.

"Der Schwerpunkt lag dieses Mal auf der kreativen Nutzung und Gestaltung innerstädtischer Innen- und Außenräume. Denn: Neue Formen des Wirtschaftens, Handels, sozialen Zusammenseins, kulturellen Austauschs und Wohnens erfordern neuartige innerstädtische Angebote", erklärte der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bei der Bekanntgabe der Gewinnerkommunen. "Die Innenstädte befinden sich im Umbruch, der Wandel ist unumgänglich. Umso wichtiger ist es, mit kreativen Projekten zu experimentieren, um neue Wege aufzuzeigen und zu gehen."

Al-Wazir verwies auch auf eine große Bandbreite an geförderten Projekten. Ein genauerer Blick auf die Ideen im Kreis Limburg-Weilburg ist nach den drei Kommunen sortiert, wobei Limburg keine Fördergelder erhält.

Bad Camberg: Für die Kurstadt ist es tatsächlich die zweite Förderwelle durch die Innenstadt-Offensive. In der ersten sind bereits Mittel in Höhe von 250 000 Euro bewilligt worden, die unter anderem in Vorgehen gegen den Leerstand von Geschäften und Aktionen wie den langen Donnerstag in Bad Camberg geflossen sind, den es am ersten Donnerstag im August zum zweiten Mal geben wird. Mindestens bis zum Jahresende öffnen die teilnehmenden Bad Camberger Geschäfte an diesem Termin bis etwa 21 Uhr, es gibt ein Rahmenprogramm, und auch das Markttreiben auf dem Marktplatz soll mit einbezogen werden.

Vor allem Schatten

ist ein Thema

Die "zweite Welle Fördermittel" ist nun für drei Bereiche vorgesehen. Hinter den Projekttiteln "Bad Camberg hat einen KURiosen Schatten", "GRÜN, aber trotzdem ganz langsam" und "In der Ruhe liegt die Kraft" verbirgt sich eine Bündelung von Einzelinitiativen, wobei der finanzielle Schwerpunkt dem Thema Schatten gewidmet ist - angesichts der aktuellen Hitzewelle ein nur zu verständliches Thema.

"Der Aufenthalt in unseren Gassen wird an heißen Tagen anstrengend, wenn Schatten fehlt. So verliert mancher Besucher die Lust auf einen Bummel durch die Stadt. Neue Bäume zu setzen, die für den notwendigen Schatten sorgen, ist an sehr vielen Stellen nicht möglich: Denn unter dem Gehsteig und der Fahrbahn befinden sich oft unterirdische Wasser- oder Kanalrohre und elektrische Leitungen. Bäume haben dann zu wenig Platz für ihre Wurzeln. Was kann also noch für Schatten sorgen?" Diese Fragen haben sich die Aktiven, die sich unter anderem im Arbeitskreis "Bad Camberg KURios" engagieren, gestellt. Als Beispiele, um etwas zu verbessern, dienen die Projekte "Wiener Schatten" oder auch die "Kurparkleuchten von Bad Wörishofen", erläutert Wilfried Weisenberger ("Standort und Kommune" Wiesbaden), der den Arbeitskreis betreut. Das bedeutet:. pfanzliche und textile Schattenelemente sollen für die Verschattung der Gehsteige/-wege sorgen. Auf Drahtseilen aufgespannte Regenschirme sollen Teile der Altstadt, aber auch im Kurpark für Schatten und ein "KURioses Erlebnis" schaffen. Ein begehbares Weidenobjekt könnte dem Markplatz und dessen gastronomische Angeboten "einen Schatten spenden".

"Auch einen Wassernebelspender zum Abkühlen können wir uns vorstellen. Die beiden benannten Städte bieten eine Fülle von Ideen, die wir zunächst an Bad Camberger Verhältnisse anpassen wollen, erste Ideen im Sommer ausprobieren und dann bei Eignung vielleicht 2023 fest installieren könnten", erklärt Jens-Peter Vogel (SPD). Der Bad Camberger Bürgermeister dankt allen, die sich ehren- und hauptamtlich eingebracht und somit auch zum wiederholten Förder-Erfolg beigetragen haben. Abgesehen von den Fördermitteln werde sehr viel bewegt - an Initiativen, und es gibt weiteren Ideen. Mehr Grün in der Innenstadt und zusätzliche Ruhebänke - das gehört u. a. zum Inhalt der beiden weiteren Projekte in der Kurstadt.

Elz: Über eine Finanzspritze von 127 000 Euro kann sich die Gemeinde freuen. Sie hatte sich bereits im vergangenen Jahr bei dem Förderprogramm beworben, war damals allerdings leer ausgegangen. Mit dem jetzt bewilligten Geld sollen der Zugang zum Bürgerhaus barrierefrei gestaltet und das Entwicklungskonzept für die Hauptstraße/B 8 vorangetrieben werden. Das berichtet Bürgermeister Horst Kaiser (CDU), der den Förderbescheid am Montag entgegennahm.

Barrierefrei

ins Bürgerhaus

Der barrierefreie Zugang zum Bürgerhaus in der Ortsmitte ist Kaiser zufolge notwendig, weil man ungehindert von der Bach- in die Lehrgasse nur über einen Umweg von mehreren hundert Metern gelangt. Das aber stelle "besonders für beeinträchtigte Menschen aber auch für Familien mit Kindern im Kinderwagen eine große Hürde" dar. Geplant ist hier eine Rampenanlage, um die Höhendifferenz von knapp zwei Meter zu nivellieren. "Aktuell werden Varianten erarbeitet. Sobald hierüber entschieden wurde, wird eine Ausschreibung für die nötigen Bauarbeiten erfolgen. Wir versuchen den Umbau noch dieses Jahr zu beginnen", berichtet der Rathauschef.

Das zweite Förderprojekt bezieht sich auf die Ortsdurchfahrt. Dort habe Elz "noch einen guten Bestand an eigentümergeführten Geschäften, die das Dorfbild entscheidend mitprägen", sagt Kaiser. "Umso mehr ist uns daran gelegen, diesen Bereich attraktiver und angemessen zu gestalten, um eine gewisse Aufenthaltsqualität und positive Wahrnehmung zu erreichen, beispielsweise durch Bepflanzungen, Sitzgelegenheiten und Fassadenbegrünungen oder ganz neue, experimentelle Lösungen." Das Entwicklungskonzept für die Hauptstraße muss Kaiser zufolge ebenfalls ausgeschrieben werden. "Allerdings rechnen wir derzeit damit, dass uns das Konzept erst im kommenden Jahr vorliegen wird."

Besondere Freude über die Förderung herrscht bei der CDU-Fraktion der Gemeinde. Denn die ist nach Aussage ihres Fraktionsvorsitzenden Bastian Hoffmann bei ihrer kontinuierlichen Fördermittelsuche auf das Programm gestoßen. Seine Partei habe denn auch den Antrag gestellt, sich an dem Förderprogramm zu beteiligen. Schließlich könne nicht immer nur gefordert werden, "Gemeinde, jetzt mach' mal".

Limburg: Durchgefallen ist dagegen die Stadt Limburg mit zwei angemeldeten Projekten - der Aufwertung des Leinpfads sowie der Europaallee am Schleusenweg in der Nähe des Freibads und der Umgestaltung des Bischofsplatzes in der Altstadt. Die Stadt wurde von dieser schlechten Nachricht kalt erwischt. Als das zuständige Wirtschaftsministerium die Pressemitteilung mit den Kommunen, die Fördergeld erhalten, verschickt hatte, lag der Stadt nach eigenen Angaben noch keine offizielle Nachricht aus dem Ministerium vor. Sollte es so sein, wäre es nicht der allerbeste Stil.

"Natürlich ist es schade, dass die Stadt mit ihren Projekten in dem Programm nicht berücksichtigt wird", teilt Stadtsprecher Johannes Laubach. Die Liste des Ministeriums zeige, dass von 97 Kommunen nur 41 berücksichtigt werden. "Eine Bewerbung ist nicht mit einer Garantie verbunden, zu den ausgewählten Projekten zu gehören. Wenn das so wäre, gäbe es kein Auswahlverfahren. Wir sind nach wie vor von unseren vorgeschlagenen Projekten überzeugt." Das Projekt Europaallee/Stadtpark sei von der Verwaltung zum Beispiel für den Haushalt des kommenden Jahres angemeldet.

Bestätigung für

Grüne und FDP

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums teilte auf Anfrage mit, das Auswahlgremium, bestehend aus Vertretern des "Bündnisses für die Innenstadt", "hatte die schwere Aufgabe eine Auswahl zu treffen. Nach sorgfältiger Prüfung anhand von festgelegten Kriterien konnte der Antrag der Kommune Limburg aber nicht für eine Förderung ausgewählt werden." Diesem Bündnis gehören unter anderem drei Landesministerien, die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, der Handelsverband Hessen, der Hessische Industrie- und Handelskammertag, der Hessische Städte- und Gemeindebund, der Hessische Städtetag und der Hotel- und Gastronomieverband Hessen an.

Bestätigt werden sich nun in Limburg vor allem die Grünen und die FDP fühlen. Sie hatten die von der Verwaltung für die Bewerbung ausgewählten Projekte heftig kritisiert, weil ihnen vor allem mit Blick auf den Stadtpark Lahn der konkrete Bezug zur Innenstadt fehlte, konnten damit aber weder bei der Verwaltungsspitze noch bei der Großen Koalition durchdringen, die recht optimistisch wirkten, mit den Projekten berücksichtigt zu werden.

"Wir möchten darauf hinweisen, dass wir derzeit mit verschiedenen Projekten recht gut gefördert werden", erklärt der Sprecher der Stadt. "In der ersten Ausschreibung des Programms ,Zukunft Innenstadt' sind wir mit einer Fördersumme in Höhe von 250 000 Euro bedacht worden. Zudem werden wir mit dem Programm ,Starke Heimat Hessen' gefördert oder sind in dem Programm ,Sozialer Zusammenhalt', das uns in der Südstadt wegweisende Projekte ermöglicht."

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