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Florian (links) und Armin Rupp (Mitte) ernten sonnenverwöhnte Trauben mit Helfer Tim (11) auf dem Lohrberg.

Weinlese

Der Lohrberg-Riesling 2018 könnte Jahrhunderttropfen werden

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Bei der Weinlese auf dem Lohrberg machen immer auch freiwillige Helfer mit. Es ist eine Gaudi und Anstrengung zugleich.

Schon von weitem ist das muntere Geplauder und Gelächter zu hören, das aus Frankfurts einzigem Weinberg schallt. Mitten in den Berg hinein wurden Tische und Stühle platziert: Zur Brotzeit für die über 30 ehrenamtlichen Helfer, die die Weinranken direkt vor der Nase haben, gibt es Presskopf, Leberwurst, frisches Brot, Wasser, Traubensaft – und natürlich Wein.

Ein malerisches Bild, wie die bunt zusammengewürfelte Truppe im Weinberg auf dem Lohrberg hockt und es sich schmecken lässt. Am Samstag hat dort die Lese begonnen. Winzermeister Armin Rupp (66), der die freiwilligen Helfer betreut, geht davon aus, dass es etwa drei Tage dauern wird, bis die 1,3 Hektar große Fläche am Lohrberg abgeerntet sein wird. Früher wurde auch in Bergen-Enkheim und in Seckbach Wein angebaut. Doch so „um 1900“ kam die Reblaus – danach wurde aus den zerstörten Weinbergen Bauland. „Na, los ihr faulen Säcke, jetzt aber ran hier“, ruft einer vorlaut. Die Brotzeit ist vorbei, es wird zusammengepackt. Einige verabschieden sich und bekommen als Dankeschön je nach Wahl eine Flasche Traubensaft, Federweißen oder Wein.

„Nach der Brotzeit dünnt sich das immer aus“, sagt Rupp, der aus einer alten Winzer-Familie stammt. Markus Graff (52) und Petra Farr (53) haben sich entschlossen zu bleiben – obwohl sie um die Gefahren bei der Lese wissen: Man müsse schon aufpassen, damit man sich nicht schneidet, sagen sie und Graff zeigt einen frisch verbundenen Finger vor – der Preis der Handarbeit.

Rebe für Rebe wandert in die grünen Eimer, die dann die großen Kiepen füllen. Auch, wenn hier ausnahmslos Amateure am Werk sind – es wird viel geschafft. Die Sonne, die am Vormittag noch volle Kraft in den Südhang brannte, ist nun etwas wolkenverhangen. Rupp ist das sehr recht: So falle die Arbeit leichter. Der Lohrberg sei ja nur ein „kleiner Teil“ des städtischen Weinguts“, erzählt er. Insgesamt 30 Hektar, vornehmlich in Hochheim, umfasst die weinselige Liegenschaft der Stadt Frankfurt. In Hochheim sei „das meiste schon weg“, sprich auf dem Weg zur Gärung: Und die sollte in diesem Jahr besonders gut gelingen.

Die Hitze und die große Trockenheit, die so vielen Landwirten das Leben schwer gemacht haben – den Winzern kam sie gerade recht: „Wir leben von den Winterniederschlägen“, so Rupp. Der Boden saugt sich voll und wird später von den Wurzeln der Rebstöcke angezapft. Das Wichtigste aber sei, dass „es trocken ist“. Bei Feuchtigkeit würden die Trauben verfaulen.

Auch wenn die Lohrberg-Trauben nicht besonders süß schmecken – anders als die zum direkten Verzehr bestimmten Tafeltrauben enthalten sie mehr Säure – dürfte der in Öchsle gemessene Zuckergehalt hervorragend und der „Frankfurter Lohrberger Hang“ Riesling Kabinett trocken von 2018 schon jetzt zu empfehlen sein.

9,70 Euro kostet eine Flasche des 2017er Kabinetts, der derzeit angeboten wird. „Das ist unser teuerster Wein“, räumt Rupp ein – erhältlich neben anderen Sorten im Römer-Shop des städtischen Weingutes. Für prominente Gäste ist eine Flasche vom Weingut auch immer wieder ein gerngesehenes Geschenk der Stadt.

(tin)

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