Ärger über Rückzug

Luft ist nach kurzer Zeit raus: Bike-Sharing-Firma zieht sich zurück

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Die Berliner Firma Byke hat völlig überraschend ihre Kooperationen mit Neu-Isenburg, Dreieich, Egelsbach und anderen Kommunen rund um Frankfurt beendet. Als Grund geben die Fahrradverleiher zu wenige Nutzer und Zerstörungswut an. Bürger und Politiker reagieren mit Bedauern bis Empörung auf die Entscheidung.

Mit viel Hoffnung, Fanfaren und Unterstützung der Lokalpolitik hatte die Bike-Sharing-Firma Byke ihre Angebote gestartet: Mit 200 ihrer blau-gelben Räder Anfang Oktober 2017 in Dreieich und Langen sowie mit weiteren 50 Bikes seit Februar diesen Jahres in Neu-Isenburg.

Umso überraschender kommt jetzt der Rückzug. In einer von der Stadt Langen zitierten knappen E-Mail setzte Byke-Geschäftsführerin Julia Boss ihre Kooperationpartnern vom Aus in Kenntnis. Wie sie schreibt, „erlauben es uns die niedrigen Nutzungszahlen in Verbindung mit den Service- und Wartungskosten sowie Vandalismusfällen derzeit leider nicht, wirtschaftlich nachhaltig in Langen zu arbeiten.“

Auch habe sich die Annahme nicht bestätigt, eine große Zahl von Pendlern in und aus Langen nach Frankfurt für das Angebot zu gewinnen – mit der Folge, dass Byke nun sein Leihfahrradangebot in Langen bezuschussen müsse. Nach Worten von Julia Boss werde deshalb noch diese Woche die Fahrradflotte nach Frankfurt umziehen.

Bei Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) löst die Ankündigung Verärgerung aus. Nach seinen Worten habe das Unternehmen in der Vergangenheit auf Nachfrage stets angegeben, dass die Zahlen in Langen stimmten. „Umso verwunderlicher ist jetzt das abrupte Ende,“ sagte Gebhardt. „Leider wurde nicht das Gespräch mit uns gesucht, um gemeinsame Lösungsmöglichkeiten für eine bessere Auslastung zu finden“, kritisiert der Verwaltungschef.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Neu-Isenburgs Erster Stadtrat Stefan Schmitt (CDU), wobei er sich moderater ausdrückt: „Ein bisschen schade ist es, dass es vor der Aufkündigung des Kooperationsvertrages keine Zwischenschritte gegeben hat“, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. Vielleicht hätte man dann „gemeinsam noch etwas auf den Weg bringen können,“ so Schmitt. Den Rückzug der Firma bedauere die Stadt, respektiere sie aber als unternehmerische Entscheidung.

Auch Dreieichs Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos) zeigt sich überrascht von der Entscheidung. Er machte aber auch deutlich, „dass solche Kooperationen für uns damit in Zukunft vom Tisch sind – ob mit diesem oder einem anderen Anbieter.“ Dabei werde die Stadt auch „offen sein gegenüber anderen Formen der Unterstützung“ im Rahmen einer Kooperation.

Dazu passt eine Aussage, die das Unternehmen unter den Kommentaren seiner Rückzugsankündigung auf Facebook veröffentlichte: „Wir sind auch nach wie vor davon überzeugt, dass es richtig war, ins Umland zu gehen und auch die erste Meile abzudecken“, schreibt ein Mitarbeiter von Byke.

Wirtschaftlich sei dieses Modell aber in dieser Form, das heißt ohne finanzielle Unterstützung der Städte, nicht tragfähig.“ Eine „zweite Generation“ von Fahrrädern stehe bereits in den Startlöchern.

Für ihre Entscheidung mussten die Berliner Fahrradverleiher viel Kritik von Nutzern einstecken. „Sehr schade, habe den Service gerne genutzt“, schreibt etwa der Langener Olaf Hermann. Er glaube, dass Byke „die mögliche Nachfrage in kleineren Kommunen zu optimistisch eingeschätzt“ habe.

Der Neu-Isenburger Ralf Weck moniert Mängel in der Logistik: „Die Räder hier standen nie da, wo sie gebraucht werden: Straßenbahn, Bahnhof, Hauptpost.“ Der in Sprendlingen lebende Thorsten Löber wiederum pflichtete der Firma in ihrer Klage über den Vandalismus bei: „Wenn ich sehe, wie oft diese Räder irgendwo hin geschmissen werden oder am Straßenrand in Dreieich und Langen liegen, ist das nicht schön.“

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