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Immer mit Koffer: Als UN-Jugenddelegierter ist Lukas Schlapp gerade auf Deutschland-Tour.

Mitglied der deutschen Delegation

Lukas Schlapp gibt der Jugend bei der UN-Vollversammlung eine Stimme

„Jugendperspektiven werden für die Vereinten Nationen immer wichtiger“, sagt Lukas Schlapp. So reist der 22-jährige Frankfurter im Herbst mit der deutschen Delegation zur Generalversammlung der UN in New York.

Dass ausgerechnet er als einer von zwei deutschen Jugenddelegierten zur UN-Generalversammlung reisen darf, konnte Lukas Schlapp anfangs gar nicht glauben. „Ich habe zwar viel Erfahrung in der Jugendarbeit, aber es waren einige andere Bewerber dabei, die sich mit der UN viel besser auskannten als ich“, sagt der junge Politik- und Kunstwissenschaftstudent. Doch am Ende wählten die Verantwortlichen der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, des Deutschen Nationalkomitees für internationale Jugendarbeit, des Auswärtigen Amts und die beiden Jugenddelegierten des letzten Jahres Schlapp aus. Eine ganz neue Aufgabe für den 22-Jährigen.

Im Jahr 1996 in Nürnberg geboren, zog Lukas Schlapp bereits als Kleinkind mit seinen Eltern für ein Jahr nach Brasilien. Als deutsches Kind im brasilianischen Kindergarten lernte er schnell, sich in fremden Situationen zurechtzufinden. „Ich glaube, durch diese Zeit hatte ich auch später immer eine große Neugier für Fremdes“, sagt er. So war es kaum verwunderlich, dass er nach der 10. Klasse für ein Auslandsjahr in die USA ging. Wieder zurück in Nürnberg, machte er zunächst sein Abitur. Doch lange hielt es ihn nicht in seiner Heimat. Gleich nach dem Abschluss zog es ihn im Rahmen des Entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes „Weltwärts“ in die indische Stadt Auroville. Dort arbeitete er an einem Sportprojekt mit, das bei den Dorfbewohnern über den Sport auch das Bewusstsein für politische oder soziale Themen wecken sollte. Für ein FSJ-Kultur am Städelmuseum verschlug es Schlapp schließlich nach Frankfurt.

Viel unterwegs ist er auch als UN-Jugenddelegierter. Seit März diesen Jahres ist er im Amt. Alsbald begannen Reisen durch Deutschland. „Von zehn Tagen war ich sicher fünf unterwegs“, sagt Schlapp. Aktuell sind er und seine Kollegin Antonia Kuhn noch auf dieser Tour. Bevor es im Oktober nach New York geht, sammeln sie hier Ideen und Forderungen der deutschen Jugendlichen. Themen wie Frieden, Sicherheit, Umweltschutz und Gleichberechtigung kommen immer wieder zur Sprache. In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung will Schlapp die Forderungen und Themen der deutschen Jugendlichen ansprechen.

Sorgen, von den Diplomaten der UN-Mitgliedsstaaten nicht ernst genommen zu werden, macht sich Schlapp keine. „Als Jugenddelegierte haben wir eine einzigartige Perspektive auf die Themen im Land und wir wissen, dass die Entscheidungen, die wir heute treffen, auch die Jugendlichen in den nächsten Jahrzehnten tangieren“, sagt er.

Sein Engagement in Politik und Jugendarbeit begann für Schlapp nicht erst mit dem Amt als UN-Jugenddelegierter. Er sei schon immer ein Mensch gewesen, der die Interessen anderer vertreten wollte, sagt der 22-Jährige: In seiner Schulzeit war er deshalb bereits Klassen- und später Schulsprecher. Während des FSJ engagierte er sich als Hessischer Freiwilligensprecher und seit 2014 ist er bei den Jusos aktiv. Seine Freunde waren somit auch nicht überrascht, als Schlapp sich auch als Jugenddelegierter beworben hatte. „Dass es gleich auf einem internationalen Level ist, war dann aber doch überraschend für sie“, sagt Schlapp und lacht.

Bei seinen Eltern überwogen dagegen zunächst erstmal die Bedenken, ob ihr Sohn bereits im zweiten Semester erneut eine Pause vom Studium an der Goethe-Universität machen müsse. Tatsächlich steht das Studium zurzeit auch eher hinten an, gibt Lukas Schlapp zu. Die Termine als Jugenddelegierter seien mit einem Vollzeitstudium einfach nicht vereinbar. Die Gunst seiner Eltern konnte er aber schnell wieder gewinnen. „Als sie verstanden haben, wie das Programm funktioniert und dass ich am Ende die deutsche Jugend vor der UN vertreten werde, waren sie natürlich stolz“, sagt er.

Bis dahin ist aber noch einiges zu tun. Neben seinen Treffen mit den Jugendlichen in der ganzen Bundesrepublik muss er sich auch auf die Events in New York vorbereiten. Nicht nur die Rede vor der Generalversammlung will geübt sein. Weil die beiden Jugenddelegierten auch an den Resolutionen der UN mitarbeiten, muss Schlapp noch einige Vokabeln pauken. Denn zwischen dem Schulenglisch und dem Englisch der UN-Diplomaten liegen Welten.

Trotz der vielen Arbeit kann er sein Amt als UN-Jugenddelegierter aber nur empfehlen. „Du kannst in diesem Jahr als Teil der deutschen Delegation so viel für deine eigene Entwicklung mitnehmen“, sagt der 22-Jährige. „Das ist eine einzigartige Erfahrung.“

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