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Lehrmeisterin Karin Kraft mit ?ihren? kochenden Männern (von links): Otto Hornung, Bernhard König, Reinhard Döring, Klaus Fleischer, Gerhard Kraft und Roland Winter.

Kochen

Die Männer des Hausfrauenbundes sind passionierte Köche

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Dass es in Schwalbach, ausgerechnet beim Hausfrauenbund, eine Männerkochgruppe gibt, ist Zufall. Irgendwann waren sie auf einem Ausflug, als die Frauen ihre Männer dazu anstifteten, doch mal selbst etwas zu zubereiten. Die Herren haben eine gute Lehrmeisterin.

Eifrig rührt Reinhard Döring am Herd stehend Zuckerwürfel in die geschmolzene Butter. „Die haben wir erst an einer unbehandelten Orangenschale gerieben, das aromatisiert“, erklärt der Frührentner mit der weinroten Kochschürze. Gleich werde die Butter mit dem Saft der Orangen abgelöscht.

„Er ist unser Musterschüler, Mamas Liebling“, witzelt Roland Winter aus der zweiten Reihe. Seit vier Jahren schon treffen sich die derzeit sieben Männer einmal im Monat in der alten Schule, um unter der fachmännischen Leitung von Karin Kraft ein Menü zu kreieren.

Diesmal steht als Hauptspeise Gazpacho auf dem Speiseplan, eine portugiesisch-südspanische Suppe aus ungekochtem, püriertem Gemüse, kalt serviert. Beim Schnippeln von Paprika, Gurke, Tomaten, Zwiebeln und viel Knoblauch haben alle fleißig mitgeholfen. Zum Nachtisch soll es Crêpes Suzette geben, eine französische Delikatesse und echtes „Hüftgold“, wie die Herren schmunzelnd bemerken. Die Soße ist gerade in Arbeit.

Die Idee zu der Männerkochgruppe sei auf einer Ausflugsfahrt des Schwalbacher Hausfrauenbundes entstanden, in dessen Küche man sich auch trifft, erzählt Bernhard König, Ehemann der Vorsitzenden Marhild. „Die Frauen hatten gemeint, wir könnten doch auch mal was machen. . . “ Also hätten die Männer sich zum Kochen zusammengetan. Dies war eine gute Idee, wie alle finden. „Wir sind eine super Gemeinschaft und haben unheimlich viel Spaß“, sagen die kochenden Herren. Natürlich seien sie jetzt auch Mitglieder im Hausfrauenbund.

In Karin Kraft haben die Männer eine engagierte Lehrmeisterin gefunden. „Mein Mann und ich kochen zu Hause sehr gerne, auch mal mit Freunden“, verrät die Bad Sodenerin. Was bei den Männern auf den Tisch kommt, wird gemeinsam ausgehandelt. Letztens erst habe die Gruppe Zanderfilet Schwarzwälder Art mit Kartoffelgratin kreiert, dann mal Seeteufel, kombiniert mit Bohnen im Speckmantel.

„Kulinarisch haben wir uns im Laufe der Jahre sehr gesteigert“, lobt Kraft. Beim nächsten Treffen soll es Lachs-Tatar à la Lafer geben, als Hauptspeise, dann Rindergeschnetzeltes mit Spätzle, natürlich selbst gemacht. „Auch noch einen Salat?“, fragt Karin Kraft. Muss nicht sein, finden die „Jungs“. In einer Damenrunde wäre die Antwort wohl anders ausgefallen, oder?

Sonderwünsche und Animositäten sind selten. Nur Klaus Fleischer, der zuletzt zur Gruppe gestoßen ist, isst Geflügel. „Im Urlaub sage ich immer, ich habe eine Hühnchenallergie“, sagt er lachend. Roland Winter könnte auf Lachs verzichten. Daran habe er sich auf den vielen Flügen während seines Berufslebens leid gegessen.

Extrawürste gibt es selten. So selten, dass sie noch heute darüber schmunzeln, dass sich einer von ihnen mal ein noch rötliches Steak erneut in die Pfanne gelegt hatte, um es ganz durchbraten. Während Bernhard König von seinem Fotoladen in Bad Homburg erzählt, den inzwischen der Sohn weiterführe, dem Singen im Shantychor und einer Begegnung mit Max Schmeling vor vielen Jahren in Hamburg, lässt sich Reinhard Döring gerne ein paar Tipps von Karin Kraft geben. „Ich habe Zuhause schon das eine oder andere nachgekocht“, verrät er. „Hier geht das natürlich viel schneller.“ Bei den anderen führt zu Hause nach wie vor die Ehefrau das Küchenregiment, geben sie freimütig zu. „Ich schnippele nur und kaufe ein“, sagt Bernhard König und lacht. In jungen Jahren habe er sogar mal ein paar Kochkurse belegt. Seine Kollegen rund um den Herd nicken zustimmend. Nur Klaus Fleischer verneint, denn er kreiert für seine Frau und sich regelmäßig in Eigenregie einen Salat. Endlich lassen sich alle an dem rechteckigen Tisch nieder. Zur hübsch dekorierten Gazpacho gibt es Weißwein. Dann steht Reinhold Döring schon wieder am Herd und wendet die mit Rum veredelten Crêpes, die später flambiert werden. „Das machen wir zum ersten Mal, hoffentlich geht der Rauchmelder nicht an“, verraten sie und lächeln. Fürs nächste Treffen im Oktober wird Karin Kraft schon bald die Rezepte per E-Mail herumschicken, mitsamt einer Liste, was wer einzukaufen hat.

Wer Näheres zu den Aktivitäten des Hausfrauenbundes erfahren will, sollte sich an Marhild König wenden. Die Vorsitzende ist unter Telefon (0 61 96) 8 21 27 erreichbar.

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