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Auf dem zugefrorenen Main bei Niederrad tummelten sich am 29. Januar 1933 viele Passanten. Dieses Foto ist eines von mehr als 300 Motiven, die jetzt im Heimatmuseum zu sehen sind.

Heimatmuseum

Als das Eis den Main fest im Griff hatte

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Jetzt, da die Tage wieder länger und wärmer werden, erobern sich die Frankfurter ihren Main zurück. Da wird gejoggt, Fahrrad gefahren und in der Sonne gepicknickt. Einen Teil des Mains, nämlich zwischen Main-Neckar-Brücke und der Autobahn, nimmt das Heimatmuseum Niederrad genauer unter die Lupe.

Es gab Zeiten, da war der Main zugefroren. Richtig zugefroren. Fast bis auf den Grund. Eisberge ragten empor. Menschen liefen darauf herum – ohne dass sie fürchten mussten, das Eis könnte unter ihren Füßen zusammenbrechen. „Ein zugefrorener Main, das war früher keine Seltenheit“, erinnert sich Werner Hardt, Vorsitzender des Bezirksvereins Niederrad. „Das lag daran, dass die Winter kälter waren und der Main noch nicht so tief ausgebaggert war wie heute.“ Seine Mutter habe ihm sogar einmal von einem Winter erzählt, das muss in den 1920er- oder 1930er-Jahren gewesen sein, da sei der Fluss so zu gefroren gewesen, dass man ein Karussell auf dem Main aufgebaut hatte.

Solche Geschichten und persönliche Anekdoten hat Werner Hardt viele zu erzählen, wenn er die Besucher durch die Ausstellung „Der Main und sein Ufer – Von der Main-Neckar-Brücke bis zur Autobahnbrücke“ im Niederräder Heimatmuseum führt. Diese wird dort am heutigen Dienstag eröffnet. Bis Mitte November können die 328 Bilder, die dort hängen, angeschaut werden. Hardt hat in akribischer Kleinarbeit sein Archiv, das fast 6000 Fotos zählt, gesichtet und Motive aus längst vergangenen Zeiten herausgesucht. Mit Erfolg. Viele verschiedene Bilder hängen an den Wänden – oft werden die Vergangenheit und die Gegenwart gegenübergestellt, um den Wandel anschaulich zu machen.

Dazu zählen natürlich auch Fotos von der alten Niederräder Schleuse. Damals wurde der Main mit einem sogenannten Nadelwehr gestaut, Schleusenbecken links und rechts in Ufernähe ermöglichten die Schiffspassage. „Wenn die Boote früher durch die Schleuse gefahren sind, sind wir Jugendlichen dort auf die Schiffe drauf gesprungen, mainabwärts ein Stück mit ihnen gefahren und dann wieder zurückgeschwommen“, erinnert sich Hardt.

Auch zum später dort gelegenen Campingplatz, direkt am Main, kann der Niederräder etwas erzählen. „Dort gab es eine Gaststätte, die wir immer nach der Chorprobe aufgesucht haben.“ Der Campingplatz entwickelte sich Anfang der 1950er-Jahre. Er wurde von Rolf Maul betrieben und war einer der ersten Campingplätze in Deutschland. „Besonders in den Anfangsjahren wurde er vor allem von den Amerikanern genutzt“, weiß Werner Hardt zu berichten und erzählt von „dicken Ami-Schlitten“, die dort herumstanden. Da der Campingplatz schnell als einer der schönsten in Deutschland galt und stets gut besucht war, wurde er immer größer. Doch Ende der 1960er-Jahre begann der langsame Abstieg. Die Gaststätte brannte ab. In die Anlage wurde kaum noch Geld investiert, ausländische Gäste blieben fern. Dafür siedelten sich Aussteiger an. 1996 pachtete die Lobby für Wohnsitzlose und Arme das Gelände. Obdachlose sollten dort wohnen, bis sie eine feste Bleibe gefunden hatten. 2007 machte der Campingplatz für immer zu.

Neben Fotos von der Schleuse und dem Campingplatz zeigt der Bezirksverein auch welche vom früheren Strandbad, der Kläranlage, dem Heizkraftwerk, der Kohlefabrik Leichter, der Mainuferstraße, dem Mainfeld, dem Sandhof, dem Tierasyl, dem Bau der Autobahn und den Asbest-Werken. Für letztere Bilder ist Hardt sogar bis nach Bad Soden gefahren. „Einen ganzen Nachmittag habe ich dort bei einer älteren Dame verbracht und habe ihre Fotokisten durchgeschaut“, erzählt er. Denn weder alteingesessene Niederräder noch das Stadtarchiv hätten Fotos vom Asbest-Werk gehabt, das vom Ende des 19. Jahrhunderts bis ausgangs der 1970er-Jahre an der Schwanheimer Straße beheimatet war. Aber Werner Hardt lässt sich eben immer wieder etwas einfallen, um den Niederrädern die Vergangenheit ihres Stadtteils näher zu bringen.

Die neue Ausstellung

Das Heimatmuseum Niederrad, Schwanheimer Straße 17, hat jeden Dienstag und jeden zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Mehr Infos gibt es im Internet unter

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