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Sylvia Braun (FDP) ist die derzeit einzige FDP-Bürgermeisterin in Hessen. 

Bruchköbel

Erste Bürgermeisterin in der CDU-Hochburg Bruchköbel

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Nach ihrem Triumph will Sylvia Braun (FDP) weiter auf Sachlichkeit setzen. Die örtliche CDU steht derweil vor einem Scherbenhaufen.

Bis nach Mitternacht feierte Sylvia Braun (FDP) am Sonntag ihren Sieg in der Stichwahl gegen Daniel Weber (CDU) und beantwortete viele Glückwunschnachrichten von Bürgern. Viele schrieben, sie hätten „zum ersten Mal FDP gewählt“. Glücklich und dankbar sei sie über den Erfolg, sagt die Kriminalhauptkommissarin und Verwaltungswirtin.

Braun landete am Wochenende einen echten Coup: Mit 69,8 Prozent der Stimmen setzte sie sich bei einer Wahlbeteiligung von 47 Prozent überraschend deutlich gegen Weber durch, der auf 30,2 Prozent kam. Damit folgt Braun Ende März 2020 auf Amtsinhaber Günter Maibach (CDU), der in Ruhestand geht und deshalb nicht mehr antrat.

Weber gratulierte Braun nach seiner Niederlage, dankte seinen Unterstützern und sagte, er habe viele Erfahrungen gesammelt.

Der Triumph der 1972 geborenen Vorsitzenden der vierköpfigen FDP-Fraktion ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Sie ist die erste Bürgermeisterin in der 20 000-Einwohner-Stadt, die einzige Bürgermeisterin der Liberalen in Hessen und hat eine konservativ geprägte Hochburg der CDU erobert, die hier seit vielen Jahren den Chefsessel im Rathaus besetzt und die stärkste Fraktion im Stadtparlament stellt. Braun profitierte vom Streit in der CDU, aus deren Reihen neben Weber zwei weitere Kandidaten im ersten Durchgang antraten, darunter der Fraktionschef Thomas Sliwka.

Vor allem aber hat sie offenbar mit ihrer pragmatischen Art und ihrem Programm überzeugt. Die Wahlsiegerin selbst sieht den Schlüssel zum Erfolg in ihrem bisherigen kommunalpolitischen Einsatz und ihrem sachlichen Stil. Diesen könne Bruchköbel gut gebrauchen. Sie sei „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ gewesen. Für FDP-Landeschef Stefan Ruppert ist Braun „eine starke Persönlichkeit, kompetent und empathisch“. Ob ein Stadtoberhaupt weiblich oder männlich ist, sei grundsätzlich kein Thema, so Braun. Gleichwohl sei ihre eher am Ausgleich orientierte Art ein Vorteil. Im Wahlkampf bekam die Polizistin einige Male dumme Sprüche zu hören, etwa dass das Amt nichts für Frauen wäre.

Zu den ersten Projekten, die sie umsetzen will, zählt die Sicherheitsinitiative „Kompass“. Zudem will Braun die lokalen Unternehmen stärken und genau prüfen, ob die Kosten für den Stadtumbau eingehalten werden und die Verträge irgendwelche Fallstricke enthalten. Bevor die zweifache Mutter im April ihr Amt antritt, werde sie sich weiter im Parlament engagieren und „mit allen Fraktionen sprechen, wie bisher“. Auch Sliwka gehört zu den Gesprächspartnern. Braun muss Mehrheiten beschaffen und will sich diese mit Argumenten und Kompromissbereitschaft sichern. Eine schwierige Aufgabe. Aktuell hält die schwarz-rote Koalition die Mehrheit. Doch wie lange das Bündnis noch besteht, ist ungewiss. Die CDU ist gespalten, steht vor einem Scherbenhaufen und kann sich alles andere als sicher sein, dass die SPD zu ihr hält. Diese verzichtete schon vor der Stichwahl auf eine Empfehlung für den CDU-Kandidaten.

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