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Der ehemalige Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Erich Pipa, erhält auch im Ruhestand weiterhin Drohbriefe.  

Main-Kinzig-Kreis

Ex-Landrat Erich Pipa ist weiterhin gefährdet

Auch im Ruhestand erhält Erich Pipa weiter Drohbriefe. Jahrelang schon wird er darin mit dem Tod bedroht.

Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) im Juni hat zu einer Prüfung der Gefährdung des Ex-Landrats Erich Pipa (SPD) geführt. Er wurde jahrelang in Briefen mehrfach mit dem Tod bedroht. Über den Täter gibt es weiterhin keine Erkenntnisse.

Der Absender der Briefe hat mutmaßlich eine rechtsextreme Gesinnung. Pipa erhielt laut Staatsanwaltschaft Hanau die zahlreichen Droh- und Schmähbriefe erstmals 2015 mit dem starken Zustrom von Flüchtlingen. Der heute 71-Jährige war damals Landrat des Main-Kinzig-Kreises und hatte sich für die Aufnahme der Geflüchteten eingesetzt.

Absender lautet „Initiative Heimatschutz Kinzigtal“

Der Inhalt der anonymen Briefen, mit denen der Landrat im September 2015 an die Öffentlichkeit ging, reichte von Beschimpfung als „Kanaken-Landrat“ bis hin zur Attentats-Ankündigung. Im Spätsommer erhielt Pipa von der Polizei zeitweilig Personenschutz. Der Briefeschreiber vermeldete, bei der Radfahr-Großveranstaltung Kinzigtal-total zum „finalen Schlag“ ausholen zu wollen. Dazu könne jemand in der Besucherschar platziert werden, der Pipa „aus dem Weg räumt“. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es 14 Drohschreiben mit Absender „Initiative Heimatschutz Kinzigtal“.

Eine offene rechtsextreme Szene sei im Main-Kinzig-Kreis nicht bekannt, sagt Rudi Neu, Sprecher der Polizeidirektion Südosthessen, auf FR-Anfrage. Hakenkreuz-Schmierereien und Nazi-Parolen an Wänden gebe es schon. In allen Fällen werde versucht, die Urheber zu ermitteln, bislang ohne Erfolg.

Urheber mit rechtsextremer Gesinnung vermutet 

Schwierig sei auch, den Drohbriefschreiber näher zu bestimmen. „Durch eine sorgfältige Analyse sämtlicher Schreiben konnte zwar ein allgemeines Täterprofil erstellt werden, das jedoch weder geeignet war zur Identifizierung von Einzelpersonen, noch Hinweise auf bestimmte Tätergruppierungen ergab, die einer weiteren Auswertung zugänglich gewesen wären“, teilt Oberstaatsanwalt Dominik Mies mit. Dass der Täter eine rechtsextreme Gesinnung hat, sei anzunehmen.

Keine Ermittlungsansätze ergaben sich auch bei dem letzten Drohbrief im vergangenen Jahr. Fingerabdrücke und DNA-Spuren konnten nicht zugeordnet werden, heißt es. Offen ist zudem, ob es sich um ein und den selben Täter handelt. Ein Abgleich der Schreiben und der Erkenntnisse aus den früheren Ermittlungsverfahren hätten keine verwertbaren Hinweise erbracht, so Mies. Alle Ermittlungen sind seit Februar 2019 eingestellt. Auch die Auslobung einer Belohnung in Höhe von 12.000 Euro hatte keine ernsthaften Hinweise erbracht.

Als Folge der massiven Bedrohung hatte Pipa 2016 angekündigt, im März 2017 nicht ein weiteres Mal für das Landratsamt zu kandidieren. Ruhe war damit für ihn nicht eingetreten. 2018 kam das jüngste Schreiben. Über die aktuelle Gefährdungsbewertung machte die Polizei aus sicherheitstaktischen Gründen keine näheren Angaben. „Wir stehen mit Herrn Pipa in Kontakt und haben Maßnahmen besprochen“, heißt es von der Polizei.

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