+
Gedenken nach dem Attentat in Hanau.

Kein angemessener Umgang

Anschlag in Hanau: Opferfamilien fühlen sich verhöhnt

Wegen der Karnevalsparty nach den rassistischen Morden in Hanau haben die Opferfamilien eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht.

  • Nach dem Anschlag von Hanau fühlen sich Opfer verhöhnt
  • Es geht um eine Zusammenkunft von Bundestags-Bediensteten
  • Organisatorin der Zusammenkunft wurde befördert

Hanau/Berlin - Befremden über das Verhalten von Bundestags-Bediensteten äußern in Hanau Ausländerbeirat, Opferberatungsstelle und der Verein Institut für Toleranz und Zivilcourage – 19. Februar Hanau wegen einer Faschingsparty nach der rechten Gewalttat im Februar. Am Freitag hatte die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) berichtet, dass keine 24 Stunden, nachdem ein rassistisch motivierter Täter in Hanau zehn Menschen und sich selbst erschossen hatte, rund 100 Beschäftigte der Berliner Bundestagsverwaltung im 5. Stock der Behörde ausgelassen Weiberfastnacht gefeiert hätten, während unweit am Brandenburger Tor und in Hanau Mahnwachen gehalten abgehalten wurden.

Feier nach Anschlag von Hanau?

„Ausgerechnet an diesem Tag, an diesem Ort. Dass hochrangige Beamte des Bundestages so offensichtlich auch gegen die erklärte Haltung der gesamten Bundesregierung verstoßen haben. Das macht uns traurig“, teilen die Hanauer Organisationen mit. Das Institut für Toleranz und Zivilcourage – 19. Februar Hanau, das mit den Opferfamilien in engen Kontakt steht, berichtet, dass sich die Hinterbliebenen von diesem Verhalten der Bundestagsbeschäftigten verhöhnt fühlten.

Bedauern über „unangemessenen Umgang“ mit Anschlag von Hanau

Aus dem Pressebüro des Bundestags heißt es auf Anfrage der FR unter Vermeidung der Begriffe Feier und Party: „Soweit durch die Zusammenkunft der Eindruck eines unangemessenen Umgangs mit den Ereignissen von Hanau am vorangegangenen Tag entstanden ist, ist dies sehr zu bedauern.“ Die für den Tag vorgesehene offizielle Karnevalsfeier sei von Behördenleitung und Personalrat abgesagt worden. 

„Bei der angesprochenen Zusammenkunft in einzelnen Büroräumen der Liegenschaft Unter den Linden 74 handelte es sich nicht um eine Faschingsfeier der Verwaltung, sondern um eine private, nicht öffentliche Zusammenkunft, an der außerhalb der Arbeitszeit nach Dienstschluss Beschäftigte der Bundestagsverwaltung teilgenommen haben.“ Laut SZ soll eine Partyorganisatorin jüngst keine Rüge, sondern ihre Beförderung zur Abteilungsleiterin erhalten haben.

Nach dem Anschlag von Hanau sollen die Hinterbliebenen entschädigt werden. Rund eine Million Euro sind dafür vorgesehen. Der Täter des Anschlags von Hanau bezog sich womöglich auf den NSU. Das zeigen neue Erkenntnisse.

Ein Vierteljahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag bezeichnet Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) die Aufklärung und Konsequenzen von Hanau als bisher „unzureichend“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare