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Das Actibump-System als Tempofalle für Raser und Autoposer kommt (vorerst) in Hanau nicht zum Einsatz. 

Diskussion um Langstraße 

Doch keine Stahlplatten: Hanau hat andere Lösung gegen Autoposer

Wende um die Langstraße in Hanau: Die angekündigte Tempobremse "Actibump" gegen posende Autofahrer kommt nicht. Die Stadt hat eine ganz andere Lösung. 

Hanau - Damit hatte Hanau im Mai bundesweit Schlagzeilen gemacht: Als erste deutsche Stadt kündigte Hanau den Einbau einer künstlichen Tempobremse in Form von in die Straße versenkbaren Stahlplatten gegen sogenannte Autoposer in der Langstraße an. Doch dazu wird es nicht kommen. Stattdessen soll die Langstraße im Abschnitt zwischen Steinheimer Straße und Hirschstraße bald eine Fußgängerzone werden.

Hanau: Fußgängerzone gegen Autoposer

Diese Informationen unserer Zeitung bestätigte Hanaus Verkehrsdezernent Thomas Morlock (FDP) am Donnerstag (05.09.2019) im Vorfeld einer Sitzung des Struktur- und Umweltausschusses der Stadtverordnetenversammlung, bei der ein Sachstandsbericht zum Thema Langstraße abgegeben wurde.

Man habe sich die Bedeutung der Langstraße im Zuge der Diskussion um den Einbau des „Actibump“ genannten Systems einer künstlichen Tempobremse noch einmal „ganz neu angeschaut“, erläuterte Morlock, und dabei sei man zu der Erkenntnis gelangt, dass es die Langstraße als Innenstadt-Querung für den motorisierten Individualverkehr so überhaupt nicht mehr brauche. 

Wegen Autoposern: Langstraße in Hanau nochmal "neu angeschaut"

Morlock: „Die Langstraße wird täglich nur von rund 2400 Fahrzeugen im Einbahnverkehr durchfahren. Die wenigsten Autofahrer steuern Ziele in der Straße an. Die Straße wird einfach nur durchfahren, weil es sie gibt, und dabei werden auch noch drei Fußgängerstraßen gequert. Eine Umfahrung ist überhaupt kein Problem.“

Vor allem sei auch das Argument, die Langstraße sei eine wichtige Zufahrt zum städtischen Klinikum, entfallen. Mit dem neuen Parkhaus an der Mühlstraße und der Zufahrt für Rettungswagen über den Mühltorweg habe sich die Situation völlig geändert, findet der Verkehrsdezernent.

Hanau: Auch Probleme mit Falschparkern

Auf der anderen Seite werde die Langstraße immer wieder von Falschparkern missbraucht. Allein in diesem Jahr seien dort schon mehr als 2000 Parkverstöße geahndet worden, so Morlock. Auch das würde wegfallen, wenn die Langstraße in diesem Abschnitt zur Fußgängerzone gemacht wird, die nur von Anliegern befahren werden darf.

Die Langstraße in Hanau soll zwischen Steinheimer- und Hirschstraße Fußgängerzone werden. Das kündigte Verkehrsdezernent Thomas Morlock im Struktur- und Umweltausschuss des Stadtparlaments an.

Dafür schwebt dem Verkehrsdezernenten eine „technische Lösung“ mit versenkbaren Pollern vor, die im Bereich Steinheimer Straße und Hirschstraße installiert werden sollen und nur Berechtigten eine Zufahrt ermöglichen sollen. „Dafür gibt es inzwischen verschiedene Systeme auf dem Markt, die beispielsweise mit einer Kennzeichenerkennung oder einer Handykurzwahl arbeiten“, erläutert Morlock. 

Noch sei man auf der Suche nach einer passenden Lösung. Die werde es auch für Geschäfte wie Betten Kaiser geben, die darauf angewiesen seien, dass Kunden zum Abholen von Waren weiterhin bis vors Ladenlokal fahren können, versicherte der Dezernent.

Autoposer in Hanau: Langstraße wird in Fußgängerzone umgewandelt

Mit der Umwandlung in eine Fußgängerzone, die nach Morlocks Ansicht in einigen Monaten möglich ist, hätte sich der Einbau einer künstlichen Tempobremse erledigt. Im Abschnitt zwischen Steinheimer Straße und Hirschstraße ist Tempo 20 vorgeschrieben. Daran halten sich wenige. Zudem stellen dort sogenannte „Autoposer“, die mit laut aufheulenden Motoren und oft deutlich schneller als mit Tempo 20 die Straße passieren, ein ständiges Ärgernis dar.

Deshalb sollte zunächst das von einem schwedischen Hersteller auf den Markt gebrachte „Actibump“-System in der Langstraße eingebaut werden. Dabei handelt es sich um Stahlplatten, die sich in die Straße versenken, wenn sich ihnen ein Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit nähert. 

"Actibump" gegen Autoposer in Hanau weiter möglich 

Dadurch entsteht auf der Fahrbahn eine Kante, die das Auto und seinen Fahrer je nach Geschwindigkeit beim Überfahren ordentlich „durchschüttelt“. Rund 50. 000 Euro hätte laut Stadt Hanau der Einbau des Actibump-Systems in der Langstraße gekostet.

Dass ein solches System an anderer Stelle im Hanauer Straßennetz zum Einsatz kommen könnte, will Verkehrsdezernent Morlock nicht ausschließen: „Wir suchen jetzt nicht zwanghaft nach anderen Einsatzorten, aber sollte es an anderer Stelle sinnvoll sein, dieses System zu nutzen, dann werden wir das sicherlich tun.“   Von Dirk Iding

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