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Die Anzahl der Pendler und dadurch die Staus auf den Straßen steigt von Jahr zu Jahr.

Verkehrsprobleme

Der Main-Taunus-Kreis ist eine Pendler-Hochburg

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Die Verkehrswege müssen wachsen, Wohn- und Gewerbegebiete ebenfalls, sind Botschaften, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) aus ihrer Pendlerstudie 2018 zieht. Zusätzliche „Dramatik“ bringe die Diesel-Diskussion ins Thema.

Staus im Berufsverkehr rund um Sulzbach, Schwalbach und vor allem Eschborn gehören zum Alltag. In diese Kommunen kommen werktags mehr Menschen, als sie verlassen. Bislang wurde an den Symptomen der Staus bestenfalls herumgedoktert. Gelöst wurden die Probleme nicht. In den anderen Kommunen des Main-Taunus-Kreises, die werktäglich von mehr Menschen verlassen werden, als dort ankommen, stellen die Pendlerströme die Verkehrsplaner ebenfalls vor große Hürden: auf den Straßen wie im Nahverkehr.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt hat die Pendlerströme in ihrem Bezirk, zu dem auch der Main-Taunus- sowie der Hochtaunuskreis gehören, analysiert. Auf Grundlage von Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sowie des Statistischen Landesamts stellt die IHK erst mal lapidar fest: Die Ströme sind größer geworden, und damit steigt die Verkehrsbelastung. Beide Kreise seien Pendler-Hochburgen in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main. Die IHK hat für den MTK mehr als 67 000 Einpendler, also Menschen, die zur Arbeit in den Kreis kommen, sowie knapp 63 000 Auspendler gezählt.

Die Verkehrswege müssen mitwachsen, folgert die IHK aus ihrer aktuellen Studie. Zudem schließt sie aus dem anhaltenden Zuzug in die Region, dass die Wohn- und Gewerbegebiete wachsen und attraktiv bleiben müssen.

Im Main-Taunus-Kreis ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen in den vergangenen vier Jahren wie im Hochtaunus um elf Prozent gestiegen. Die Zunahme war hier noch stärker als in Frankfurt (+ 9%). Vor allem was sich in Eschborn tut, „ist sensationell“ weiß IHK-Hauptgeschäftsführer Matthias Gräßle. Dorthin pendeln an Werktagen durchschnittlich 32 500 Menschen, etwa 6500 der dort lebenden 21 000 Menschen verlassen die Stadt, um auswärts zu arbeiten.

Die Zahl der Einpendler in den MTK ist seit 2013 um etwa zwölf Prozent gestiegen. „Die Kommunen sind für Unternehmen und Beschäftigte weiterhin hoch attraktiv, daher müssen die Verkehrsverbindungen untereinander weiter ausgebaut werden“, sagt Gräßle. Gerade für Eschborn sei der Anschluss an die A 66 wichtig. Zudem sei die IHK ein „starker Kämpfer“ für die Regionaltangente West (RTW).

Die Wachstumsdynamik führe zu stetig steigendem Druck auf alle Verkehrsträger. Der Sanierungsstau für hessische Autobahnen und Bundesstraßen müsse behoben werden. Die Maßnahmen müssten durchgeführt werden, „auch wenn sie für Autofahrer und den Wirtschaftsverkehr zunächst lästig sind“, so Gräßle. Die Landesregierung habe zwar die Finanzmittel für den Landesstraßenbau um 12 Millionen auf 177 Millionen Euro erhöht. Diese Mittelerhöhung werde jedoch von gestiegenen Kosten aufgefressen und sei deshalb nicht ausreichend.

Die Forderungen der IHK gehen indes über den Verkehr hinaus. Die Zahl der Einwohner im Main-Taunus-Kreis ist zwischen den Jahren 2000 und 2017 um mehr als fünf Prozent gestiegen. Damit ist für die IHK das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Hauptgeschäftsführer Gräßle ist sich sicher: „Wir haben keinen Mangel an verwertbaren Flächen. Man muss sie nur nutzen.“ Das Landesentwicklungsplan sehe im MTK ausreichend Flächen vor; für Wohn-, aber auch für Gewerbegebiete. Einen Wettbewerb zwischen beiden Typen sollte es nicht geben. Ein nebeneinander von Wohnen und Gewerbe gehe „sehr gut“.

Neben der Weiterentwicklung der Verkehrswege nennt die IHK die Versorgung mit schnellem Internet als wichtigen Faktor der Standortqualität für Unternehmen und Einwohner. Hochtaunus und MTK gehörten bundesweit zu den bestversorgten Kreisen; allerdings nur bei einer Download-Geschwindigkeit von 50 Mbit pro Sekunde. Unternehmen bräuchten jedoch eine weitaus höhere Bandbreite – und der Bedarf wachse zum Beispiel wegen des autonomen Fahrens. Bei der Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten müsse an die Verlegung zukunftsfähiger Netze gedacht werden.

Bei allen Botschaften der IHK ist Matthias Gräßle bei den Entscheidungsträgern ein Verständnis für bessere Infrastruktur wichtig. Unterstützung müsse diesbezüglich von der Landesregierung kommen. Sie könne zum Beispiel über den – in den Kommunen sehr zwiespältig gesehenen – Kommunalen Finanzausgleich (KFS) Anreize schaffen.

Zudem sollten Planungen künftig schneller abgeschlossen sein. Klagemöglichkeiten zurückschrauben, sei dabei aber der verkehrte Weg. Besser sei, die Bürger „vollumfänglich zu beteiligen“, sie ernst zu nehmen und bei ihrer Beteiligung „keine Showveranstaltungen“ zu veranstalten. Sollte es trotz Beteiligung der Bürger juristische Auseinandersetzungen geben, müssten diese „zeitnah entschieden“ werden. Eine gesonderte Kammer am Verwaltungsgericht könnte für schnelle Entscheidungen sorgen.

Mit dem Diesel-Fahrverbot gewinnen die Erkenntnisse aus der IHK-Pendlerstudie zusätzlich an „Dramatik“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Matthias Gräßle. „Stand heute“ würden Handwerker und gewerblicher Lieferverkehr in der gesamten Region erhebliche Probleme bekommen.

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