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Im Hofheimer Weltladen gibt es ein großes Sortiment an fair gehandelten Produkten wie Kaffee, Tee, Schokolade, Süßigkeiten, exotische Knabbereien und Nudeln, aber auch Wein und Pralinen.

Fair gehandelte Produkte

Main-Taunus-Kreis will Fairtrade-Landkreis werden

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Was bringt es eigentlich, wenn eine Kommune Fairtrade-Stadt ist? Wir haben uns mal in der Kreisstadt umgehört, die seit 2012 Fairtrade-Stadt ist.

Hofheim, Bad Soden oder Eppstein sind bereits Fairtrade-Städte, jetzt will auch noch der Main-Taunus-Kreis sich Fairtrade-Landkreis nennen dürfen. Die Kreisstadt machte 2012 den Vorreiter, die Heinrich-von-Kleist-Schule in Eschborn war 2017 erste Transfair-Schule – eine von mittlerweile 500 in Deutschland. Einige weitere wie die Kelkheimer Eichendorffschule sind auf dem Weg. Was bringt’s? Verändert sich tatsächlich etwas durch ein solches Etikett?

Matthias Henrich, bereits seit Jahrzehnten in Sachen Fairer Handel ehrenamtlich aktiv und Vorsitzender des 1981 gegründeten Vereins Weltladen in Hofheim sagt ehrlich: „Als das aufkam, dass Hofheim Fairtrade-Stadt werden sollte, war ich da auch skeptisch.“ Mal wieder so ein bisschen Marketing, habe er sich gedacht. „Aber mittlerweile muss ich sagen, spüren wir, dass wir immer mehr als Institution wahrgenommen werden.“

Anfragen aus Schulen

, Kirchengemeinden oder zuletzt dem Haus der Jugend, die einfach mehr wissen wollen oder selbst aktiv werden, zeigen Henrich, dass das Thema Kreise zieht. „Auch die Anfragen nach ehrenamtlicher Mitarbeit werden mehr“, registriert der Vereinschef. Der Weltladen, der zum Gallusmarkt aus seinem jetzigen Ladenlokal in der Oberen Hauptstraße (im Haus Landsberg) in die Burgstraße umziehen wird, will sein Angebot am neuen Standort noch bedarfsgerechter gestalten und seine Öffnungszeiten erweitern. Dass Transfair längst auch in „ganz normalen“ Läden zur Produktpalette gehört, habe ihn nicht überflüssig werden lassen, ist Matthias Henrich sicher. Der Verein sieht sich eher zunehmend gefordert, Öffentlichkeitsarbeit zu machen und Verbraucher darin zu unterstützen, wie sie sich rückversichern können, dass sie wirklich fair gehandelte und hergestellte Ware erwerben.

Das Problem, dass mittlerweile viele den Trend zu Transfair nutzen wollten und immer mehr Siegel den Verbraucher verwirrten, spricht auch Kaufmann Christian Buch an. Fair gehandelte Waren gab es im Kaufhaus Buch früher als anderswo aufgrund einer Kooperation mit dem Weltladen. Heute, da es Lebensmittel oder Rosen mit Transfair-Siegel auch in Supermärkten und Discountern gibt, bietet die Kaufmannsfamilie an die 200 verschiedene fair gehandelte Waren in ihren Läden an.

Es gebe da einfach einen Trend, sagt Christian Buch. Und: „Es steigt eigentlich überall. Ich habe aber den Eindruck, in Hofheim ist es immer eine Schippe mehr.“ Warum das so ist, ob der hohe Bildungsstand, die große Kaufkraft oder die Anstrengungen der Stadt, die Bürger von Fairtrade zu überzeugen, als Katalysator wirken, weiß auch Buch nicht zu sagen. „Es ist sicher von allem etwas. Und steter Tropfen höhlt den Stein.“

Er selbst ist, wie Henrich, Mitglied der Steuerungsgruppe in Hofheim. Ein solches Gremium gehört zu den Bedingungen, die der Verein Transfair Deutschland jeder Institution stellt, die mit dem Transfair-Titel ausgezeichnet werden will. Dass die Bedingungen nicht so ohne seien, wie er zunächst gedacht habe, sagt Buch, sei offenbar geworden, als man die nötigen Gastronomen gesucht habe, die mitmachen.

Am Preisunterschied für den Kaffee, hat er gelernt, lag die Abneigung nicht. Aber wenn der Kaffeeröster anbiete, die Maschine, die schnell so teuer sein kann wie ein Kleinwagen, kostenfrei zu stellen, sei das eben schon ein Argument. In Buchs eigenem kleinen Bistro gibt’s aber fairen Kaffee, genauso wie ihn viele Kirchengemeinden im Kreis bei ihren Veranstaltungen ausschenken.

Nun ist also auch der Main-Taunus-Kreis dabei. Ab September werden die Kaffeeautomaten der Verwaltung nur noch mit fair gehandelten Bohnen bestückt. Außerdem will der Kreis die noch nicht zertifizierten Kommunen oder Schulen, die dies möchten, gern auf dem Weg zur Transfair-Institution unterstützen.

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