+
. . . und die ?Minis? sorgten im Saal für einen Farbtupfer.

Fischbacher Fastnachtsfrauen

Absurder Kokolores – alles hausgemacht

Die Politik spielt nicht die Hauptrolle bei der Frauengemeinschaft. Auch die Kirche blieb weitgehend verschont. Genug Raketen und donnernden Applaus gab’s trotzdem.

Man kann getrost behaupten: Fasnacht bei den Fischbacher Frauen ist ein bisschen anders. Das fing am Sonntagabend, bei der ersten Sitzung der aktuellen Kampagne, schon beim Elferrat an. Statt Narrenkappe und biederem Blazer trugen die Damen des närrischen Parlaments um die beiden Sitzungspräsidentinnen Claudia Ungeheuer und Tina Fischer glitzernde und schillernde Abendgarderoben – die perfekte Mischung aus buntem Karnevalskostüm und festlichem Outfit. Auch der Humor gestaltete sich als eine unterhaltsame Mixtur aus Tanz, Musik und bitter-süßen Zoten. Dabei zeigte die Katholischen Frauengemeinschaft auch keine Scham, mal getrost über sich selbst zu lachen. Bestes Beispiel dafür war die Märchenstunde aus der Feder von Heike Dewald, die den alten Fischbacher „Landadel“ kräftig durch den Kakao zog.

Im Mittelpunkt des Märchens stand die Dorfschönheit „Zamantha“, die es sich in den Kopf gesetzt hat, den Fischbacher Thronerben (Kerstin Starey) zu ehelichen und über das kleine Reich im Taunus zu herrschen. „Allerdings war sie nicht gerade die Hellste und eher tiefenbegabt“, berichtete die Erzählstimme. Das größte Talent der jungen und treu-doofen Frau, grandios in Szene gesetzt von Gaby Focke, sei stupides Geradeausmarschieren. Bei einer solchen Tour rannte das Mädchen dann im Eppenhainer Wald einen griesgrämigen Gnom (Martina Rück) um, der „Zamantha“ aber dennoch per Trickserei zum Titel „Königin von, zu und auch gegenüber Fischbach“ verhalf. Als Gegenleistung erwartete der seltsame Waldschrat allerdings den Erstgeborenen des neuen Königspaares. Dem einen oder anderen Gast kamen die Eckpfeiler des Märchens spätestens jetzt bekannt vor. „Ich hatte die Geschichte vom Rumpelstilzchen zwar ein wenig anders in Erinnerung“, sagte auch Claudia Ungeheuer zu den Darstellern, „aber schön, dass ihr immer für eine Überraschung gut seid“. Zum Dank gab es neben dem dreifachen „Helau“ gleich noch eine „Rakete“ hinterher.

Die bekamen selbstverständlich auch die weiteren Unterhaltungskünstler, die bei den Fischbacher Frauen allesamt aus den eigenen Reihen stammen und unentgeltlich auftreten: Von der „Minis“-Kinderformation über die Tanzgruppe „Cookies“ bis hin zu den „Kanarien Harmonists“, die nach einjähriger Pause samt „Midlife-Crisis“ ihr Comeback feierten, wurden alle Auftritte lautstark gefeiert. Wenn der Saal sich nach einer Zugabe fordernd erhob, dann standen wirklich alle der rund 150 Gäste. Wer eben noch auf der Bühne sein Programm ablieferte, wurde im nächsten Augenblick zum Vortänzer für den nächsten Auftritt. „Da wir keine Externen einkaufen, sind wir tatsächlich wie eine große Familie“, erklärte Claudia Ungeheuer, „und da wir eine große Familie sind, trauen sich auch immer wieder Neue auf die Bühne“. So zog es in diesem Jahr Heike Dewald mit dem Thema „Männliches Schnarchen und weiblicher Schlaf“ erstmals in die Bütt und rein ins Rampenlicht.

Zum zweiten Mal dabei war Entertainer und Frauenschwarm „Dieter Tomas Kuhn“. In den hochhackigen Schuhen, dem goldenen Jackett und der Langhaarperücke sang er Schlager-Klassiker und begeisterte durch flotten Hüftschwung. Das ist nicht weiter verwunderlich, schließlich ist Reinhold Stumpf – der Mann hinter dem provokanten Outfit – deutscher Meister im lateinamerikanischen Tanz. Er war es auch, der nach fünf unterhaltsamen Stunden alle Beteiligten zum Finale auf die Bühne holte. Auch das ist bei den Fischbacher Frauen anders: Hier wird nichts gestreckt und in die Länge gezogen. Hier gibt es „herrlich-absurden Kokolores und hausgemachte Fasnacht“ (O-Ton Claudia Ungeheuer) – und der kam einmal mehr gut an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare