Der Blick auf die Ergebnisse - auch jene im MTK - machte am Wahlabend im Landratsamt keinen Spaß: CDU-Kreisvorsitzender Axel Wintermeyer und der Bundestagsabgeordnete Norbert Altenkamp (r.) FOTO: knapp
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Der Blick auf die Ergebnisse - auch jene im MTK - machte am Wahlabend im Landratsamt keinen Spaß: CDU-Kreisvorsitzender Axel Wintermeyer und der Bundestagsabgeordnete Norbert Altenkamp (r.)

CDU-Krise

Altenkamp (MdB): "Ich krempel jetzt die Ärmel hoch"

  • VonBarbara Schmidt
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Auch die CDU Main-Taunus ist nach der Bundestagswahl frustriert, schaut jetzt aber nach vorn. Parteichef Wintermeyer, Bundestagsabgeordneter Altenkamp und JU-Chefin Sehr nennen allerdings alle drei keinen persönlichen Favoriten für Laschets Nachfolge als Bundesvorsitzender.

Main-Taunus -Der Kreisvorsitzende redet gar nicht lange drum herum. "Nicht gut", sagt CDU-Chef Axel Wintermeyer, sei aktuell die Stimmung in seiner Partei "nach den 24,1 Prozent bundesweit" für die Union. Als "gedrückt und niedergeschlagen" hat Norbert Altenkamp sie bei der allerersten Fraktionssitzung in Berlin erlebt, an der Basis hier im Wahlkreis sei das aber nicht anders. "Man fällt erst mal in so'n Loch." Er persönlich hat aber ja immerhin das Direktmandat erneut gewonnen und ist - anders als viele andere Mitstreiter aus der vergangenen Wahlperiode - auch in den kommenden vier Jahren in Berlin dabei.

Aktuell ist Sitzungspause, im Reichstagsgebäude wird noch Platz geschaffen für die erneut gewachsene Anzahl der Abgeordneten. Zeit, sich neu zu sortieren. Er wolle gern "im Bereich Forschung dabeibleiben", hat Altenkamp schon signalisiert. Wegen der deutlich kleiner gewordenen Fraktion seien aber nun zusätzliche Aufgaben zu stemmen. Und das wohl in der Opposition. Ob er noch eine Chance sieht für Jamaika? "Keine", sagt der Sodener. Seine Reaktion sei da eher pragmatisch. "Ich bin nicht froh, wie's ist, aber ich krempel jetzt die Ärmel hoch, und weiter geht's."

Wie es an der Parteispitze weiter gehen kann, da nennt Axel Wintermeyer, als Hessischer Staatsminister einer der engsten Mitarbeiter von Ministerpräsident und CDU-Präsidiumsmitglied Volker Bouffier, als erste Notwendigkeit einen "klaren Zeitplan auf dem Weg zum Bundesparteitag". Nach "dreieinhalb Jahren innerparteilichem Richtungsstreit" müsse die CDU dort nun "eine gute Lösung" für den Parteivorsitz finden. Für eine Analyse sei wichtig zu sehen, dass Armin Laschet die Unterstützung von großen Teilen der Mitgliederschaft gefehlt habe. Tiefpunkt sei dabei "das Södern" gewesen, die Querschüsse von CSU-Chef Markus Söder gegen Laschet.

Wie Altenkamp will auch Wintermeyer keinen persönlichen Favoriten für den Spitzenposten in der Partei nennen. Von einer Mitgliederbefragung als Wahlmodus hält der Staatsminister nichts. Diese Möglichkeit sehe die Parteisatzung auch gar nicht vor. "Eine sehr gute Idee" nennt Wintermeyer dagegen die gestern von Generalsekretär Paul Ziemiak angekündigte Einbeziehung der CDU-Kreisvorsitzenden-Konferenz bei der Kandidatenfindung.

Dem bereits vielbeschworenen "Generationswechsel" hält der Chef der Main-Taunus-CDU entgegen, die Partei habe sich nie gegen die Beteiligung jüngerer Generationen gesperrt. Es brauche aber auch die Erfahrenen, sagt Wintermeyer, der eher eine gute Mischung begrüßen würde.

Verzicht war "wegweisend"

"Es wird sich garantiert ein neues Tableau ergeben", erwartete Altenkamp schon gestern Morgen deutliche Personalveränderungen an der Spitze der Partei, bevor am Nachmittag die komplette Neuwahl des Vorstands angekündigt wurde. "Wegweisend" nannte er den Mandatsverzicht von Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier zugunsten jüngerer Christdemokraten.

Eine Mitgliederbefragung sieht auch Altenkamp eher kritisch, eine Frage sei aber schon, wie die Basis eingebunden werden könne. Denn offenkundig habe ja "der bisherige Prozess nicht zu einem hervorragenden Ergebnis geführt", sagt der Sodener mit leichter Spitze. Während Wintermeyer mehrere Bewerber um den Vorsitz keinen Schaden fände, ("das ist demokratisch"), sähe Altenkamp es lieber, wenn sich diesmal "die, die in Frage kommen, tief in die Augen schauen" und dann "gemeinsam einen konsensualen Vorschlag vorlegen".

Und die Jugend? Franziska Sehr aus Eppstein, Vorsitzende der Jungen Union Main-Taunus, findet, es müssten jetzt alle "geschlossen und gescheit zusammenarbeiten als Einheit" und misst der Jugendorganisation der Partei dabei eine wichtige Rolle zu. Die JU sei "der Motor der CDU", sagt die 22-Jährige selbstbewusst.

Sie wünscht sich für den künftigen Bundesvorstand "eine deutliche Verjüngung". Einen Wunsch-Vorsitzenden will auch sie nicht nennen. Besonders der Bundesvorsitzende der JU, Tilman Kuban, findet Sehr aber, "sollte wirklich gehört werden". Sehrs eigene Erfahrung an der Basis ist positiv, im Main-Taunus-Kreis werde der Parteinachwuchs gut einbezogen, "das funktioniert".

JU-Vorsitzende für Mitgliederbefragung

Neben der Einbeziehung der Jugend bei der Kandidatensuche würde sich Studentin Franziska Sehr "persönlich schon über eine Mitgliederbefragung freuen". Die JU wolle diese nächste Woche bei ihrem Deutschlandtag beantragen. Von einer Urwahl, wie sie die SPD zuletzt durchgeführt hatte, halte sie indes nichts, meint die junge Kreistagsabgeordnete.

Warum bei der Bundestagswahl die Jugend lieber bei FDP oder Grünen ihr Kreuzchen gemacht hat, das haben sich auch Sehr und ihre Mitstreiter bei der JU schon gefragt. "Wir hatten ein sehr, sehr starkes Programm. Wir haben aber keine Kampagne gemacht, die wirklich publikumsfähig war", lautet die Einschätzung der jungen Eppsteinerin. Neben einer Verjüngung der Partei findet sie daher wichtig, "dass wir unsere Punkte klarer setzen und kommunizieren".

JU-Vorsitzende Franziska Sehr.

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