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Alternative Methoden können Linderung bringen

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Ulrich Müller-Braun
Ulrich Müller-Braun © Jonas Ratermann

Heute begeht die Welt wieder den „Tag der Zahnschmerzen“, um auf die Gefahren von vernachlässigter Mundhygiene hinzuweisen. Was tun, wenn es pocht, zieht und sticht und der nächste Zahnarzt weit weg ist? Ulrich Müller-Braun hat sich bereiterklärt, nach alternativen Methoden der Schmerzlinderung Ausschau zu halten – für den Fall, dass gerade keine der 147 Zahnarztpraxen im Kreis geöffnet hat.

Ja, ich bekenne: Ich bin praktizierender Angsthase. Jedenfalls, wenn es um Stühle geht, die unsereins in eine stabile Rückenlage befördern und absolut wehrlos machen. Mein einziger Trost: Ich bin nicht allein. Ganz im Gegenteil: Drei von vier Menschen fürchten sich vor dem Zahnarzt, belegen verschiedene Studien. Und über 40 Prozent von rund 6000 Befragten gaben an, dass sie ihren Zahnarztbesuch so lange hinausschieben, bis sie leichte Beschwerden haben. „Nicht länger?“, frage ich da.

Die Aufgabe, nach alternativen Methoden der Schmerzlinderung zu fahnden, ist mir folglich geradezu auf den Leib geschrieben. Wobei: Bei allen kurz- oder sogar mittelfristig anwendbaren Lösungen hilft am Ende doch nur eines: der Gang zum Zahnarzt.

Wie auch immer: Für den Fall, dass der Zahnarzt Ihres Vertrauens ausgerechnet im entscheidenden Moment nicht da sein sollte (oder die nackte Angst noch über den Schmerz siegt), hier die Top 10 der Schmerzlinderungs-Tipps:

1. Gut spülen

Immer wieder gerne genutzt: diverse Spülungen. Ein Tee aus Kamille und Salbei wirkt entzündungshemmend und lindert den Schmerz. Auch wer die Mischung beim Spülen schluckt, tut Gutes. Zur Desinfektion dienen auch eine warme Salzlösung oder der Griff in die Hausbar. Das Sektfrühstück hilft dabei wenig. Wenn, dann muss es schon hochprozentig hergehen. In beiden Fällen sollte die Spülung aber nach getaner „Arbeit“ ausgespuckt werden – wobei dies bei Cognac statistisch betrachtet wohl eher selten der Fall ist.

2. Gut trinken

In der Apotheke kann man sich einen speziellen Tee aus drei Teilen Pfefferminze, jeweils vier Teilen Johanniskraut und Melisse, einem Teil Quendel und fünf Teilen Baldrian mischen lassen. Davon überbrüht man etwa drei Teelöffel mit 250 ml kochendem Wasser und lässt den Tee dann 14 Minuten ziehen, bevor man ihn abseiht. Bei Zahnschmerzen sollte man ein oder zwei Tassen davon zu sich nehmen.

3. Kühlen

Crushed Ice (zerstoßene Eiswürfel) kann nicht nur Cocktails kühlen. Es hilft auch bei Zahnschmerzen. Dann allerdings eher äußerlich angewendet. Ein Beutelchen Crushed Ice sanft auf die Wange halten, das betäubt den Schmerz. Durch die Kälte wird die Blutzufuhr im schmerzenden Gebiet gedrosselt. Ganz Clevere nehmen nur einen Eiswürfel etwa fünf bis acht Minuten lang zwischen Daumen und Zeigefinger. Hilft auch, weil genau dort die Nerven verlaufen, die für die Schmerzleitung zuständig sind. Der Kälteeinbruch irritiert sie – in mehr als 60 Prozent der Fälle.

4. Akupressur

Vor 20 Jahren noch eher ins Absurditäten-Kabinett verscheucht, hat die Akupressur auch bei Zahnschmerzen einen Siegeszug hingelegt. Wichtig: An der rechten Hand gibt es gleich zwei Hauptpunkte, die bei Schmerzen helfen: Am Zeigefinger links neben dem Fingernagel und am Handgelenk auf der Seite des Daumens. Jeweils eine dieser Stellen fest drücken – und sich wundern. Hilfspunkte finden sich außerdem jeweils vor den Ohrläppchen, in der Mitte des Schädeldachs sowie zwischen Nase und Mund.

5. Kopf hoch

Hält sich der Schmerz am Tag noch in Grenzen, scheint er beim Einschlafen erst so richtig loszulegen. Der Grund: Das Liegen wirkt sich auf den Blutkreislauf aus und fördert die Durchblutung des Kopfes. Also: Möglichst zwei drei Kissen unterschieben und für ein angenehm kühles Klima rund um den Kopf sorgen.

6. Keine Federkissen

Eine wissenschaftlich fundierte Erklärung gibt es nicht, und doch vertragen sich Zahnschmerzen und Federkissen nicht gut. Der Grund dürfte in der ansonsten ja gewollten Wärmeentwicklung der Daunen liegen. Wärme tut nun mal grundsätzlich bei keiner Entzündung gut. Also besser ein weniger warmes Ruhekissen besorgen.

7. Gewürznelken & Co.

Schon unsere Urgroßmütter wussten: Als altbewährtes Hausmittel gilt auch das Zerkauen von Gewürznelken. Die Inhaltsstoffe des Gewürzes wirken desinfizierend und lokal betäubend. Alternativ kann man auch Nelkenöl oder -salbe verwenden. Achtung: Schwangere sollten auf Nelkenöl besser verzichten, da das Öl Wehen auslösen kann. Auch der Spitzwegerich ist ein uraltes Hausmittel und hilft wegen seiner antibakteriellen und entzündungshemmenden Wirkung gegen Zahnschmerzen.

8. Rosmarinblätter etc.

Getrocknete Rosmarinblätter kauen oder sich eine Gurgellösung aus Steinklee und heißem Wasser herstellen. Aber Achtung: Bitte Rosmarinblätter nicht direkt am Schmerzherd kauen, sonst kann es sogar schlimmer werden. Auch Wacholderbeeren, Huflattich, Steinklee und Ringelblume sind wirksam, finden sich jedoch nur noch selten in der heimischen Küche.

9. Zwiebel und Knobi

Nicht nur bei Mückenstichen und Wespenattacken, auch bei Zahnschmerzen kommt die antientzündliche Wirkung der Zwiebel zum Tragen. Wem die tränenden Augen nichts ausmachen und wer ganz gerne einsam seinen Schmerz erträgt, kann eine zerkleinerte Zwiebel in ein Tuch geben und sie dann von außen an die betroffene Stelle halten. Ganz Mutige, um nicht zu sagen Übermütige, legen sich auch eine Zwiebelscheibe direkt auf die betroffene Stelle im Mund.

Ebenfalls als Alleskönner unter den Hausmitteln gilt auch Knoblauch. Eine Zehe schälen und quetschen, mit dem Brei die schmerzende Stelle im Mund einreiben.

10. Frische Wirsingblätter

Wirsingkohl wird seit alters her als Hausmittel gegen Zahnschmerzen eingesetzt. Er enthält Enzyme, die eine stark abschwellende Wirkung haben. So geht’s: Aus den Mittelblättern schneidet man die dicke Mittelrippe heraus und rollt sie mit einer Teigrolle weich. Dann die Blätter auf einen Leinenlappen legen und diesen an die entsprechende Wange drücken. Wenn Oma recht hat, setzt die schmerzstillende Wirkung nach einer halben Stunde ein.

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