+
Früher war im Sossenheimer Weg 66 der Lagerplatz eines Steinmetzes. Nun soll es hier gemeinschaftliches Wohnen geben.

Sossenheimer Weg

Alternativen für ein freies Grundstück

  • schließen

Auf einem freien Grundstück am Sossenheimer Weg soll ein genossenschaftliches Wohnprojekt umgesetzt werden. Noch bis 8. Januar können sich Gruppen mit ihrem Konzept bewerben.

Den Nachbarn links und rechts kennt man noch, den zwei Häuser weiter schon nicht mehr. Ganze Mietshäuser versinken in Anonymität. Familien fehlt die familiäre Hilfe, wenn das Kleine mal krank aus der Kita abgeholt werden muss, denn Oma wohnt in Hannover, und die ältere Dame im zweiten Stock weiß im Gegenzug nicht, wie sie ihre Einkäufe bewältigen kann, wenn sie mal nicht so gut zu Fuß ist. Die Idee von mehr Nachbarschaft und besserer Hilfe untereinander verfolgt das „Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen“. Dahinter stecken keine Befürworter von 68er-Kommunen, sondern Menschen, die sich ernsthaft Gedanken über alternative Wohnformen machen – über Mehrgenerationenwohnen, Familien- oder Seniorenprojekte, die Verbindung von Wohnen und Arbeiten oder auch Integratives Wohnen oder Demenz-WGs.

Ein Modellprojekt alternativen Wohnens soll am Sossenheimer Weg in Unterliederbach gegenüber des Lidl-Markts entstehen: Das frühere Lagergrundstück eines Steinmetzbetriebs ist von der Stadt in die „Ausschreibung im Konzeptverfahren“ für ein alternatives Wohnprojekt gegeben worden. Das heißt: Gruppen und Initiativen, die eine zündende Bebauungs- und Wohnidee für das 1192,5 Quadratmeter große Areal haben, können sich bewerben. Das Verfahren hat jetzt Birgit Kasper vom „Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen“ im Höchster Bikuz ersten Interessenten vorgestellt.

Und das läuft so: Die Stadt hat das lange brachliegende Grundstück erworben und einen Verkehrswert sowie Orientierungsangaben festgesetzt. Geeignet sei es für eine Bebauung mit sechs bis acht Wohneinheiten, sagt Birgit Kasper. Das heißt: Möglich sind auf zwei Geschossflächen plus Dachgeschoss, etwa 815 Quadratmeter Fläche. Um die Bebauung bewerben dürfen sich nur selbst organisierte Initiativen, also keine professionellen Wohnungsbaugesellschaften. „Es geht nicht darum, dort etwas zu errichten und zu vermieten, sondern darum, dort zu bauen und auf Dauer dort zu wohnen“, sagt Birgit Kasper.

Wer Gleichgesinnte findet und Interesse hat, kann sich bis zum 8. Januar bewerben. Im etwa zehnseitigen Bewerbungskonzept sollten drei Punkte geklärt sein: Wie stellen sich die Bewerber die nachbarschaftliche Qualität vor, wie die räumliche Gestaltung und wie die Finanzierung. Was sich sehr theoretisch anhört, dreht sich eigentlich um Grundfragen: Werden „nur“ herkömmliche Wohnungen geplant, oder gibt es Gemeinschaftsräume? „Wie viel Privates brauche ich, um glücklich zu sein, und wie viel Gemeinschaft ist möglich?“, fragt Kasper. Zum Konzept gehöre auch, dass die Bewerber die Rechtsform umreißen, in der sie aktiv werden möchten: Das kann von der Eigentümergesellschaft bis zur Stiftung reichen. Die Kreditzusage der Bank muss man nicht mit einreichen – wasserdicht sollte die Finanzierung trotzdem sein.

Denn die eingereichten Konzepte werden von einer Jury begutachtet, in der Mitglieder des Netzwerks und des Ortsbeirats 6 (Frankfurter Westen) sowie Vertreter des Stadtplanungsamts sitzen. Die besten sieben werden für 14. Februar (Aschermittwoch) zu Auswahlgesprächen eingeladen. Ist die Entscheidung gefallen, bekommt die Gewinner-Initiative das Grundstück am Sossenheimer Weg für ein Jahr als „Anhandgabe“. In diesen zwölf Monaten kann das Finanzierungskonzept fixiert und der Bauantrag geschrieben werden. Nach einem Jahr spätestens soll das Grundstück zum festgesetzten Wert von der Stadt an die neuen Eigentümer übergehen.

In Frankfurt ist die Idee noch recht neu – es gibt bislang nur fünf Projekte, die auf dem Weg sind, und zwar als Umbau-Konzepte im Bahnhofsviertel, an der Friedberger Landstraße und in der Bolongarostraße 112 (Ex-„Bierbrunnen“) schräg gegenüber dem Bolongaropalast. Bundesweit gibt es bereits etwa 3000 Projekte von Initiativen von fünf bis 100 Personen. Das „Netzwerk Frankfurt“ vertritt 65 dieser Gruppen und hilft bei der Umsetzung.

Wer mehr wissen möchte

Mehr Infos gibt es bei Birgit Kasper vom Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen, Telefon (0 69) 91 50 10 60, E-Mail kasper@gemeinschaftliches-wohnen.de, Internet:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare