Vor 80 Jahren brannten Synagogen

Antisemitismus tritt wieder offener zutage

  • schließen

Die Reichspogromnacht markiert den Übergang von der Diskriminierung der Juden durch die Nationalsozialisten zur systematischen Verfolgung. Im Main-Taunus-Kreis gibt es dazu eine ganze Veranstaltungsreihe.

Es gibt, über die runde Zahl von 80 zurückliegenden Jahren hinaus, mehrere Anlässe, sich besonders um das Geschehen der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zu kümmern. Die Zahl der Zeitzeugen, die befragt werden können, nehme ab, so Willi Schelwies, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit im Main-Taunus-Kreis (CJZ). Es sei daher an der Zeit, sich zu überlegen, wie die Erinnerung wach gehalten werden könne.

Antisemitismus trete heute wieder offener zutage, erklärt Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD). „Daher ist jetzt klare Haltung gefragt“, schlussfolgert sie. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, sei eine ganze Reihe von Veranstaltungen im Kreisgebiet organisiert worden. Dies sei wirkungsvoller als eine zentrale Veranstaltung, auf die man daher verzichtet habe, so Kreistagsvorsitzender Wolfgang Männer (CDU).

Viele Veranstaltungen haben einen direkten Bezug zum Main-Taunus-Kreis, andere nicht. Zu letzteren gehört ein Vortrag von Dieter Wesp am Donnerstag, 1. November, in der Limesgemeinde im Schwalbacher Ostring über die Arisierung in Frankfurt am Beispiel der Villa Kennedy. Am Dienstag, 6. November, berichtet Rainer Immensack ab 19.30 Uhr im katholischen Gemeindehaus in Kriftel, Kapellenstraße 1, über den jüdischen Zigarettenfabrikanten Jacob Mandelbaum.

Am Freitag, 9. November, wird bei einer Gedenkfeier an der ehemaligen Synagoge in Hofheim um 18 Uhr am Tivertonplatz eine Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus aus Hofheim enthüllt. Weitere Gedenkveranstaltungen sind am Samstag, 10. November, um 16.30 Uhr im Foyer des Badehauses in Bad Soden und um 19 Uhr in der Flörsheimer Kulturscheune am Rathausplatz. Eine Stunde früher wird ebenfalls in Flörsheim in der Synagogen-Gasse eine Mahnwache abgehalten. Ein Gedenkgottesdienst ist für Sonntag, 11. November, um 10 Uhr in der evangelischen Kirche in Bad Soden geplant. Dazu gehört eine Dialogpredigt von Pfarrer Andreas Heidrich und dem Rabbiner Andrew Steiman.

Kelkheim in der Zeit des Nationalsozialismus – dieses Thema hat eine Gruppe von Autoren erforscht, die sich am Mittwoch, 14. November, um 19.30 Uhr im Plenarsaal des Rathauses der Diskussion stellen. Um Wissenschaftler, die Opfer von Rassismus wurden, dreht sich ein Vortrag von Klaus Beeg am Donnerstag, 15. November, um 19.30 Uhr in des evangelischen Limesgemeinde in Schwalbach.

Um Jugendliche, die die Judenverfolgung in Breslau überlebt haben, und ihre Geschichte geht es im Film „Wir sind Juden aus Breslau“, den Karin Kaper und Dirk Szuszies gemacht haben. Am Samstag, 17. November, wird nicht nur dieser Film im Kino im Hofheimer Chinon-Center gezeigt, sondern die Regisseurin Kaper steht auch für eine Diskussion bereit.

Am Samstag, 18. November, wird gleich nebenan, im Hofheimer Rathaus nämlich, um 11 Uhr eine Ausstellung „

Jüdisches Leben in Lublin

“ eröffnet. Gezeigt werden Aufnahmen aus Lublin, die vor dem Holocaust entstanden sind, ergänzt durch aktuelle Bilder. Die Ausstellung ist bis zum 5. Dezember zu sehen.

Zum Abschluss der Reihe gibt es noch einmal einen Vortrag in der Evangelischen Limesgemeinde in Schwalbach. Angelika Rieber befasst sich ab 19.30 Uhr im Gemeindezentrum unter der Überschrift „Rettet wenigstens die Kinder“ mit Kindertransporten in den Jahren 1938 bis 1940.

Man habe versucht, alle Orte im Main-Taunus-Kreis einzubinden, berichteten die Organisatoren bei der Vorstellung des Programmes. Ganz gelungen ist das nicht, es sind nur die Hälfte der Städte und Gemeinden dabei. Wobei zu bemerken ist, dass es nicht in allen Orten vor 1933 Juden gab, und nicht überall sind die Geschehnisse jener Zeit ausreichend erforscht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare