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Für 20 000 Euro von der Stadt verschenkte Ernst-Josef Robiné Marmelade aus dem Justinusgarten.

Untersuchung der Figur

Antonius hat wohl Schwein gehabt

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Die ersten Ergebnisse aus der Konservatoren-Werkstatt des Landesdenkmalamts zur Figur des Heiligen Antonius liegen vor. Dabei kommt Überraschendes zutage – auch dass dem Heiligen offenbar ein Schwein verlorengegangen ist . . .

Der Heilige Petrus wird meist mit dem Schlüssel dargestellt, der Löwe steht für den Evangelisten Markus, und St. Florian, den Schutzpatron der Feuerwehrleute, erkennt man am Löscheimer: Die Heiligenfiguren, die in den Kirchen stehen, haben ihre Erkennungszeichen, damit früher auch einfache Menschen erkennen konnten, wer abgebildet war. Diese Ikonografie hat sich bis heute erhalten. Und den Heiligen Antonius, einen ägyptischen Einsiedler des 4. Jahrhunderts, der Ordenspatron der Antonitermönche ist, erkennt man gleich an mehreren Beigaben: Er trägt einen Abtsstab mit dem Tau-Kreuz, einem t-förmigen Kreuz, das nach dem griechischen Buchstaben tau benannt ist und für die Vollendung steht. Er hat üblicherweise ein dickes Buch in der Hand – das Regelbuch des Ordens. Er wird mit Feuer dargestellt, ein Bezug zur Krankheit Antoniusfeuer, die von den Antonitern in Europa behandelt wurde. Und er hat meist ein kleines Schweinchen zur Seite. Klassisch steht das Schwein für die Versuchungen, denen sich Antonius widersetzt hat. Aber es weist auch darauf hin, dass die Antoniter im Mittelalter das Privileg genossen, ihre Mastschweine in den Gassen frei laufen zu lassen. Einmal im Jahr, meist im Januar, sammelten sie ihre Schweine zusammen und schlachteten sie – daher soll auch das Schimpfwort „Schweinepriester“ stammen.

Bei der Figur des Heiligen Antonius aus der Justinuskirche, die derzeit in der Restauratorenwerkstatt des Landesdenkmalamts in Wiesbaden untersucht wird, fehlt das Schwein. Doch sie muss früher eines gehabt haben, urteilen die Restauratoren: rechts außen am Gewand. Die Wutz ist über die Jahrhunderte verlorengegangen. Doch woher will man wissen, dass es sie gab? Der Höchster Antonius, vermutlich im Jahr 1485 in Worms von einem Hans Bilger, auch Hans von Worms genannt, gefertigt, ist das Vorbild der 1490 in Auftrag gegebenen Antoniusfigur am Isenheimer Altar im elsässischen Colmar. Und dem Antonius dort streicht die Sau auf der rechten Seite ums Gewand.

Der Höchster Antonius gilt als eines der bedeutendsten Werke der Bildhauerkunst des Mittelrheins aus der Zeit der Spätgotik. Grund genug, dass sich nun auch das Landesdenkmalamt eingehender mit ihm befasst: Seit Juli ist er in Wiesbaden, wurde untersucht und geröntgt und abgeklopft. Auch auf seine Original-Farbigkeit hin wurde er untersucht.

Das Ergebnis: Die jetzige Farbfassung stimmt ziemlich genau mit der Ursprungsfassung überein. Das liegt an einer Restaurierung aus den frühen 1930er Jahren; davor hatte irgendein Kunstbanause die lebensgroße Sitzfigur aus Nussbaumholz hässlich braun gestrichen. In einigen Ecken ist die braune Farbe aber noch erhalten, wie Farbreste überhaupt Aufschluss auf frühere Restaurierungen geben: Gefunden wurde etwa auch Zinkweiß, wie es in den 1840er Jahren produziert wurde. Und man weiß nun: Der Ringfinger und der kleine Finger der linken Hand wurden irgendwann ersetzt: Auf dem Röntgenbild sind relativ moderne Nägel zu sehen. Währenddessen man nun mit der Durchleuchtungstechnik auch herausgefunden hat, dass das Buch, das Antonius in der rechten Hand hält, nicht angesetzt worden ist: Hand und Buch sind aus einem Holzstück geschnitzt.

Weitere Fragen beschäftigen die Restauratoren: Wurde der Antonius als zentrale Figur eines Altars geschnitzt, die er in Höchst bis zum Wechsel 1724 im alten gotischen Altar war? Obwohl die Figur sehr schwer ist, ist sie nicht massiv, sondern halbrund geschnitzt und ausgehöhlt, was auf eine erhöhte Position deutet. Und gab es „Assistenzfiguren“, etwa Paulus von Theben (der das Portal der Justinuskirche ziert) oder Augustinus? Und war der Amtsstab mit Glöckchen verziert, ein weiteres Erkennungsmerkmal des Antonius?

Die Ergebnisse werden am Mittwoch, 15. Februar, in einem Vortrag der Konservatoren im Porzellan-Museum im Kronberger Haus vorgestellt. Jetzt, da die Analyse der über 500 Jahre alten Figur beendet ist, geht es an die Restaurierung. Wie genau die erfolgen soll, muss erst noch geklärt werden. Auch die Kosten müssen noch geklärt werden. Einen Zuschuss gab es erst im Dezember seitens der Stadt Frankfurt, die 20 000 Euro aus der von ihr verwalteten Höchster Wohlfahrtsstiftung für die Restaurierung dazugegeben hat. Ernst-Josef Robiné, Vorsitzender der Stiftergemeinschaft Justinuskirche, bedankte sich beim OB dafür mit einem Glas selbst gemachter Marmelade aus dem Justinusgarten.

Der Zeitplan ist gesetzt: Die Stiftergemeinschaft, die sich um den Erhalt der Kirche und ihrer Kunstschätze kümmert, möchte, dass der Antonius im April wieder zurück in Höchst ist. Und dann kann jeder wieder sehen, was die Restauratoren der Figur bescheinigt haben: „Sie besticht durch ihre naturalistische Darstellung.“ Der Antonius hat Falten und Äderchen, und Brauen wie Wimpern sind in changierenden Farben bemalt.

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