Weilbach

Apfelmarkt rund ums Naturschutzhaus leidet unter Regen und Wind

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Wegen des schlechten Wetters sind einige Standbetreiber dem Apfelmarkt gestern fern geblieben.

Dass die Witterung kein Wunschkonzert ist, stellten Landwirte und Obstanbauer nicht nur während des heißen Sommers fest. Gestern plagte die Standbetreiber die umgekehrte Sorge: Dunkle Wolken begleiteten den Apfelmarkt rund um das Weilbacher Naturschutzhaus.

„Ausgerechnet jetzt“, ärgerte sich Michael Hoss vom Krifteler Lindenhof. In den vergangenen Monaten habe er sich Regen gewünscht. „Ein bisschen traurig“, fand auch die Chefin des Naturschutzhauses den wolkenverhangenen Himmel. Wegen der schlechtem Vorhersage habe ein Teil der Standbetreiber abgesagt, berichtete Martina Teipel. Einige Angebote wurden wegen des Wetters kurzfristig ins Naturschutzhaus verlegt. „Regen haben wir gebraucht“, so Teipel. „Aber wir hätten ihn lieber erst morgen gehabt.“

Zu kühl und regnerisch? Daran war in den vergangenen Monaten überhaupt nicht zu denken. Die Hitze wirkte sich auch auf den Apfelanbau aus. Beispielsweise habe er diesmal keinen Sommerschnitt an den Bäumen durchgeführt, erklärte Michael Hoss. So sollten die Äpfel vor direkter Strahlung geschützt werden. „Wir waren froh um jedes Blatt, das Schatten spendet.“

Der Chef des Lindenhofs stellte fest, dass die momentane Nachfrage etwas geringer ausfällt. „Die ganzen Privatgärten hängen voll“, sagte Hoss. Der Ausfall im Vorjahr durch Frostschäden bewirke sogar, dass in diesem Jahr mehr wächst. Laut Michael Hoss hatten die Bäume durch den Ausfall so viel gespeicherte Energie, dass sie in diesem Jahr mehr Blütenknospen bildeten. Um ein Gleichgewicht herzustellen, ließ er einige Blüten maschinell entfernen. Sonst hätte er mit Einbußen für das nächste Jahr rechnen müssen.

Ähnlich wie im Weinbau mussten junge Anlagen auf den Obstplantagen zusätzlich bewässert werden. Alte Bäume hätten hingegen kaum Stress durch Hitze und Trockenheit gehabt, erklärte Hoss. Das liege an tiefen Wurzeln und guten Böden, die das Wasser speichern. Wachstum und Ernte seien um etwa zehn Tage früher als gewöhnlich. „Pflückreife und Genussreife liegen nahe beisammen“, betonte der Standbetreiber. Ob ein möglicher Wassermangel langfristig Folgen zeigt, bleibt abzuwarten: „Wie die Lagereigenschaften der Äpfel sind, steht in den Sternen“, erklärte Michael Hoss. Dies werde er erst im Januar oder Februar erfahren. Ein Ungleichgewicht bei Flüssigkeit und Nährstoffen könne zu Problemen führen. Derzeit sei er aber mit der Qualität zufrieden.

Auf den Streuobstwiesen hat der ungewöhnlich heiße Sommer mehr Schäden verursacht. Zumindest klingen die Auswirkungen aus dem Mund von Barbara Helling, Geschäftsführerin des Vereins Main-Taunus Streuobst, deutlich negativer: Sie geht davon aus, dass die diesjährigen Äpfel aufgrund geringer Säure nicht lange haltbar sind. Helling erklärte gestern im Naturschutzhaus aber auch, dass den Äpfeln das Aroma fehle.

Das Obst sei zwar sehr süß – für einen runden Geschmack fehle aber etwas. Auf den Streuobstwiesen, die der Verein betreut, haben viele Bäume ihre Äpfel vorzeitig abgeworfen. Dadurch, dass bis vor wenigen Tagen Temperaturen um die 30 Grad herrschten, seien die Äpfel am Boden schnell verfault. Barbara Helling geht davon aus, dass der Ertrag im Streuobstanbau um die Hälfte gesunken ist.

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