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Bauarbeiten im Gebiet Junghainzehecken. Die Vorgaben werden eingehalten, heißt es im Rathaus.

Baugebiet

Arbeiten in den Junghainzehecken: Ortsbeirat ist irritiert

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In den Wildsächser Junghainzehecken sind Bagger und Motorsägen aktiv. Das sorgt für Irritationen.

Als der neue Bebauungsplan für das Gebiet Junghainzehecken beschlossen und aus dem Wochenendgebiet ein Wohngebiet wurde, war es die erklärte Absicht, dass das Quartier den Charakter einer Waldsiedlung behalten sollte. Über das, was nun geschieht, ist aber der gesamte Ortsbeirat irritiert. „Einige Häuser erscheinen sehr groß und für das angedachte Erscheinungsbild ungeeignet“, heißt es in einer gemeinsamen Anfrage von CDU, SPD, FWG und Grünen.

Im Rathaus gibt es aber keine Erkenntnisse darüber, dass einzelne Neubauten nicht den Vorgaben des Bebauungsplanes entsprechen, so Hofheims Erster Stadtrat Wolfgang Exner zum Höchster Kreisblatt. Sollte es Anlass zu Beanstandungen geben, wäre dies Sache der Bauaufsicht, und die wird vom Main-Taunus-Kreis betrieben. „Der Kreis kennt den Bebauungsplan“, so Exner.

Irritiert hat beispielsweise ein Neubau an der Straße Junghainzehecken, der im aktuell angesagten Flachdachstil entsteht und noch im Bau ist. Von der Straße her entsteht der Eindruck eines zweigeschossigen Gebäudes. Das wäre nicht erlaubt, wäre das Obergeschoss genauso groß wie das Erdgeschoss. Tatsächlich aber handelt es sich um ein Staffelgeschoss, das zulässig ist, wenn es um mindestens 25 Prozent weniger Fläche hat als das Erdgeschoss. Ob das eingehalten wird, lässt sich mit bloßem Auge nicht erkennen.

In seiner Antwort auf die Anfrage des Ortsbeirates weist der Magistrat darauf hin, dass nach dem neuen Bebauungsplan die Häuser eine Grundfläche von bis zu 110 Quadratmetern haben dürfen, früher war bei 80 Quadratmetern Schluss. Allerdings dürfen nicht mehr als 10 Prozent der Grundstücksfläche bebaut werden – wer 110 Quadratmeter bauen will, braucht also ein Grundstück von mindestens 1100 Quadratmetern. Zum Vergleich: Nach dem Bebauungsplan aus dem Jahre 1971 für das Quartier unterhalb der Straße Am Lotzenwald dürfen dort 40 Prozent der Grundstücksfläche überbaut werden.

Offensichtlich überrascht hat es die Ortsbeiratsmitglieder auch, dass ein Haus mit Flachdach entsteht. Dies entspreche dem Bebauungsplan und sei auch früher schon erlaubt gewesen, so dazu der Magistrat. Zulässig sei bei Flachdächern eine Gebäudehöhe von 7,50 Metern.

Irritiert ist der Ortsbeirat auch darüber, dass auf einem städtischen Grundstück, das direkt an den Sportplatz grenzt, rund ein Dutzend Bäume gefällt wurden. Die Fichten seien vom Borkenkäfer befallen gewesen, heißt es dazu. „Es hat ja keinen Zweck, abgestorbene Bäume stehenzulassen“, kommentiert Exner. Abgesägt wurde auch ein alter Apfelbaum – die Stadt fürchtete, dass dieser bei einem stärkeren Sturm auf den Zaun des Parkplatzes fällt und dabei einen größeren Schaden anrichtet.

Das aber ist nicht der einzige strittige Fall gerodeter Bäume. Am Ende der Straße Junghainzehecken sei bei den laufenden Ausbauarbeiten ein wenig zu viel Fichtenwald abgesägt worden, lässt Revierförster Peter Leppke durchblicken. „Das wächst aber wieder zu“, nimmt er dies nicht zu tragisch – ein abgestufter Waldrand dort ist ohnehin besser als ein bis zur Straße stehender hoher Fichtenwald.

Bereits im Umweltausschuss hatte Exner Kritik privater Grundeigentümer an einer anderen Fällaktion zurückgewiesen. Eine auf ihrer Grundstücksgrenze stehende stattliche Tanne sei ohne Rücksprache gefällt worden, beschwerte sich ein Ehepaar im Rathaus. Es habe sich um „einen zentralen Bestandteil der Eingangssituation zu unserem Grundstück“ gehandelt, mailte das Ehepaar an die Verwaltung. Mögliche Mehrkosten für den Erhalt des Baumes hätte man übernommen.

Nach Exners Darstellung allerdings sei der Baum den Arbeiten zum Bau der Straße und der Leitungen so im Weg gewesen, dass er nicht stehen bleiben konnte. Die Motorsäge komme nur zum Einsatz, wenn es gar nicht anders ginge. Im übrigen habe der Baum voll und ganz auf städtischem Gelände gestanden.

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