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Franz Aumüller vor zwei seiner plakativsten Werke, die das weiße Kaninchen als Wegbereiter in eine andere Welt aufgreifen.

Kunsthalle Ludwig

Ausstellung zeigt die Visualisierung von Musik

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Franz Aumüller hat mehr als 100 Musikvideos und zahlreiche Alben produziert, mit internationalen Größen aus der Musikbranche zusammengearbeitet und mehr als 500 Plattencover gestaltet. Als Künstler sucht er nach Ausdrucksformen, mit denen er seine Leidenschaft für elektronische Musik und den Techno visualisiert.

Das weiße Kaninchen zeigt Alice den Weg ins Wunderland. Der britische Schriftsteller Lewis Carroll schrieb das gleichnamige Kinderbuch im Jahr 1865, dessen Protagonisten dort wundersame Dinge erleben. „Follow the white rabbit“, also „Folge dem weißen Kaninchen“ ist ein Motiv, das sich auch in der Film-Trilogie „Matrix“ wiederfindet: Neo, eine der Hauptfiguren, taucht ein in bewusstseinserweiternde Welten, die jenseits des alltäglich Erfahrbaren liegen.

Inspiriert von der Symbolik des weißen Kaninchens als Wegweiser in eine andere, über die Grenzen des Realen hinausgehende Welt, entwickelte Franz Aumüller in den 2000er Jahren eine eigene Darstellung der Figur. Diese ist Protagonist einer Bilderreihe, die Aumüller für den 2004 in Fechenheim eröffneten, seinerzeit weltbekannten Cocoon Club und dessen Betreiber DJ Sven Väth gestaltete, der als einer der Väter des Technos gilt. Sechs Jahre lang war Aumüller dort als Kulturattaché für den Club tätig, der 2012 schloss. Die Bilder mit der Figur seines weißen Kaninchens, das auf seinem Gesicht eine Zeichnung in Form eines schwarzen Sterns trägt und nur ein Auge in der Mitte hat, waren in einer Saison Teil der Innenraumgestaltung des Cocoon, wie Aumüller erzählt. Derzeit sind vier großformatige Arbeiten aus der Werkgruppe sowie weitere Bilder des Künstlers in den Räumen der Kunsthalle Ludwig in der Königsteiner Straße 61 a zu sehen – unter dem Titel „Starman by Franz Aumüller“.

Seit den 1970er Jahren verbindet Aumüller, der Kunstgeschichte und visuelle Kommunikation studierte, künstlerische Prozesse und Musik miteinander. Beeinflusst von der frühen elektronischen Musik, wie sie von deutschen Bands wie „Can“ oder „Kraftwerk“ entwickelt wurde und dem daraus ab Ende der 80er Jahre resultierenden Techno sucht er bis heute immer wieder nach neuen Ausdrucksformen, um Musik und Ton in der Kunst zu visualisieren. Ein Thema, das auch schon in früheren Jahrzehnten andere Künstler wie den weltberühmten amerikanischen Komponist John Cage (1912–1992) beschäftigte. Diese Idee findet seit mehr als zehn Jahren ihren Ausdruck auch in dem von Aumüller mitbegründeten Wettbewerb „Visual Music Award“, der vom Institut für Neue Medien (INM) in Frankfurt ausgelobt wird.

Die elektronische Musik, die ihre Wurzeln unter anderem bei dem deutschen Komponisten Karlheinz Stockhausen (1922–2007) hat, klang gerade in ihren Anfängen sphärisch, wie von einer anderen Welt. Bereits in früheren Arbeiten von Aumüller, die ebenfalls in der Ausstellung gezeigt werden, greift er diesen Aspekt auf und verbildlicht Fragen nach dem Leben und dem Universum. Zwei dieser Arbeiten, die zu sehen sind, gestaltete er einst für das Omen, einen ehemaligen Techno-Club, den Sven Väth Ende der 80er Jahre in der Innenstadt eröffnete.

In seiner beruflichen Laufbahn arbeitete Aumüller mit bekannten Größen wie dem britischen Musiker Brian Eno zusammen, Mitbegründer der legendären englischen Band „Roxy Music“, und produzierte drei Musikvideos mit ihm. Genauso wie für einst international erfolgreiche Musikprojekte wie „SNAP!“ oder „Jam & Spoon“. Er produzierte Trailer für die Musiksender MTV und Viva, war auch selbst als Musiker tätig und brachte zehn eigene Alben heraus. Schließlich gestaltete Aumüller mehr als 500 Platten-Cover aus den Musik-Genres Techno, Rock und Weltmusik. „Heute“, sagt er, „konzentriere ich mich ganz auf meine Kunst“.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Ludwig läuft bis voraussichtlich Ende April und kann nur nach vorheriger telefonischer Vereinbarung unter (069) 78 99 50 35 besichtigt werden.

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