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Als die Bahnfahrt 30 Pfennig kostete

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Von: Juliane Schneider

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Diese Postkarte, die den Bahnhof im Jahr 1930 zeigt, ist auch in der Ausstellung zu sehen. Am Bahnhof gegenüber ist der Güterschuppen zu erkennen, rechts das Dach des Toilettenhäuschen.
Diese Postkarte, die den Bahnhof im Jahr 1930 zeigt, ist auch in der Ausstellung zu sehen. Am Bahnhof gegenüber ist der Güterschuppen zu erkennen, rechts das Dach des Toilettenhäuschen. © Repro:juwi

In der Stadtgalerie ist zum 175. Geburtstag des Sodener Bahnhofs eine Ausstellung zu sehen.

Bad Soden -An das pompöse, rundherum gekachelte Foyer des Bad Sodener Bahnhofgebäudes und die einst braunen Holzschalter kann sich Rudolf vom Bruch noch gut erinnern. Sogar an die alte Diesellok, die mitsamt Tenderwagen auf einem Drehkreuz die Richtung ändern musste, um danach die abgehängten Wagen von vorne in Richtung Höchst ziehen zu können, auf einer der ältesten Schienenstrecken Deutschlands. 175 Jahre alt wird der Bahnhof Bad Soden in diesem Jahr.

Am 22. Mai 1847 hatte die erste Fahrt stattgefunden. Eine Ausstellung in der Stadtgalerie im Alten Kurpark erinnert an alte Tage und zeigt sehr anschaulich die Entwicklungen bis heute, aber auch, was die Zukunft mit einer modernen Wasserstoffbahn bringen soll. Am vergangenen Freitag fand die Vernissage statt. Den 50 Gästen gibt Bürgermeister Dr. Frank Blasch einen Einblick in die Geschichte und lädt schon mal zum großen Strecken- und Bahnhofsfest am 22. Mai ein, bei dem sogar eine alte Diesellok eingesetzt werden soll.

Sammelstücke von Bürgern

In der Ausstellung selbst warten zahlreiche historische Aufnahmen auf die Besucher, aber auch Infotafeln zur bewegten Geschichte der Bahn. Mittendrin dreht eine große Modelleisenbahn ihre Runden. In Schaukästen sind außerdem Sammelstücke von Bad Sodener Bürgern zusammengetragen. Auf einer nostalgischen Postkarte winken Kinder fröhlich neben der Hauptattraktion der Kurstadt, der Bahn. Ein Schriftstück listet auf, wie viel Pfennige es kostete, die Ware vom Bahnhof von einem der Liefermänner nach Hause bringen zu lassen.

Eine Fahrkarte von 1945 hat Rudolf vom Bruch beigesteuert. "Sie muss von meiner Mutter gewesen sein", sagt er, habe es sich doch um eine Erwachsenenkarte gehandelt. 30 Pfennig für eine Fahrt. Häufig sei man früher mit der Bahn sogar in Urlaub gefahren, erinnert er sich.

Aufregendes Pflaster

Der Bahnhof sei damals ein aufregendes Pflaster gewesen, als die Wagen noch Güter für Unternehmen wie die Pastillenfabrik transportiert hatten und die Bahnen geräuschvoll rangierten. Sein Vater habe im Dampflok-Instandhaltungswerk Nied gearbeitet und auch er habe dort seine Ausbildung zum Schlosser gemacht, später Ingenieurwesen studiert.

Von Kindesbeinen an habe er Schienen und Bahnen gesammelt. "1949 habe ich die erste gekriegt", erzählt Rudolf von Bruch. Eine selbst gebaute Eisenbahn ist in einer Glasvitrine ausgestellt, dazu eine Lok, wie sie anfangs in Bad Soden gefahren war und auch ein Modell des immer wieder umgebauten, zuletzt von der Firma Messer aufwendig sanierten Bahnhofs.

"Eigentlich hatte ich das Modell in meinem Ruhestand selbst machen wollen", sagt Rudolf von Bruch. Sein Sohn sei ihm aber zuvorgekommen. Mit Hilfe von Bruchs Miniaturbahnen und dem Bahnhofsmodell ist sogar ein Erklärfilm entstanden, auf dem die Besucher der Aussteller verfolgen können, wie die Drehscheibe funktionierte, die 1855 durch die neu angeschaffte Lok nicht mehr nötig war.

Neuer Triebzug ersetzt das Wenden

Statt im angehängten Tenderwagen ist die Kohle nun auf der Lok selbst untergebracht. Immer noch muss sie allerdings wenden, um die Wagen vorne angehängt zurück nach Höchst ziehen zu können. Ab 1978 war das Wenden durch den neuen Triebzug gar nicht mehr nötig. "Jetzt konnte sie schieben oder ziehen."

Öffnungszeiten

Die ansprechende Ausstellung in der Stadtgalerie im Alten Kurpark ist noch bis zum 29. Mai zu sehen, und zwar Mittwoch, Samstag und Sonntag, jeweils von 15 bis 18 Uhr.

Rudolf vom Bruch hat seine Modelleisenbahn und sein Wissen für einen Erklärfilm zur Verfügung gestellt.
Rudolf vom Bruch hat seine Modelleisenbahn und sein Wissen für einen Erklärfilm zur Verfügung gestellt. © juwi

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