Andenken an Dr. Isserlin
Die Anregung der Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine, eine Straße nach dem 1938 von Nationalsozialisten vertriebenen Mediziner zu benennen, fand im Stadtparlament einstimmige Unterstützung.
Die Straße vor dem Eingang zum ehemaligen Thermalbad – die Verbindung zwischen Kronberger Straße und Park- beziehungsweise Waldstraße – wird den Namen „Dr.-Max-Isserlin-Straße“ tragen. Das haben die Sodener Stadtverordneten einstimmig beschlossen. Damit soll dem Arzt, der von 1900 bis zu seiner Vertreibung durch die Nationalsozialisten am 10. November 1938 in der Kurstadt gelebt hat, „ein ehrendes Andenken zuteil werden“, wie es in der Magistratsvorlage heißt.
Die Anregung in den politischen Gremien, die Straße vor dem ehemaligen Thermalbad und in der unmittelbaren Nähe des Medico Palais’ nach Dr. Isserlin zu benennen, ging von der AG Stolpersteine aus. Der angesehene Sodener Badearzt leitete von 1900 bis 1938 nicht nur die Israelitische Kuranstalt und war Vorsteher der Synagoge, sondern stand auch mehrmals an der Spitze des Sodener Ärztevereins, engagierte sich in der Kommunalpolitik und investierte 1912 in den Bau des Inhalatoriums, das heutige Medico Palais. Mit seiner Frau Regina gelang Max Isserlin die Flucht vor den Nazis nach England, wo er 1965 in Manchester starb.
In Erinnerung an Max und Regina Isserlin und ihre beiden Kinder Ruth und Bruno wurden in Bad Soden am 30. Mai 2014 vier Stolpersteine verlegt.
Über die Verleihung des Straßennamens gab es in der Stadtverordnetenversammlung keinerlei Diskussion. Im Bauausschuss hatten die Liberalen indes einen Alternativvorschlag unterbreitet – wobei Bernd Wanderer durchblicken ließ, dass es den Liberalen nicht darum ging, den Vorschlag Isserlin auszustechen. Die FDP-Fraktion erinnert an den Maler Otto Greis, der von 1945 bis 1957 in der Kurstadt gelebt hat, und Mitbegründer der Künstlergruppe „Quadriga“ gewesen ist. „70 Jahre nach Kriegsende möchten die Freien Demokraten einen Künstler ehren, der aus der Sicht vieler Kunsthistoriker erheblichen Anteil daran hatte, dass die deutsche Kunst nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes in einer Zeit großer Unsicherheit und Neuorientierung Anschluss an die internationale Kunstentwicklung gefunden hat.“
Ein Vergleich der Leistungen von Dr. Isserlin und Greis verbiete sich aus naheliegenden und eindeutigen Gründen, betonten die Liberalen im Ausschuss und später in einer Pressemitteilung. Mit ihrer Stellungnahme erreichten sie im Ausschuss immerhin, dass bei der nächsten Vergabe eines Namens für eine Straße oder einen Platz ein lokaler Künstler berücksichtigt werden soll.
Die Vorsitzende des Bauausschusses, Waltraud Krebsbach-Heß, bedankte sich im Parlament übrigens bei Matthias Köhler. Der CDU-Stadtverordnete hatte sich ihren Worten nach überzeugend für den Straßennamen „Dr. Isserlin“ eingesetzt und damit ein einstimmiges Votum im Ausschuss erreicht.
Wie von der AG Stolpersteine zu erfahren ist, beabsichtigen die beiden Enkel der Isserlins, Jonathan Isserlin und Ora Goldschmidt, Bad Soden anlässlich der „Straßenbenennungs-Zeremonie“ zu besuchen.