Ein leidenschaftlicher Erklärer: Norbert Altenkamp daheim auf der Terrasse in Bad Soden. Der Westfale, der 2005 mit Corinna Mies eine echte Sodenerin geheiratet hatte, fühlt sich längst im Main-Taunus heimisch und rundum wohl.
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Ein leidenschaftlicher Erklärer: Norbert Altenkamp daheim auf der Terrasse in Bad Soden. Der Westfale, der 2005 mit Corinna Mies eine echte Sodenerin geheiratet hatte, fühlt sich längst im Main-Taunus heimisch und rundum wohl.

Bundestagswahl

Bad Soden: Er trat aus Trotz in die CDU ein

  • VonBarbara Schmidt
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Drei Frauen und fünf Männer bewerben sich um das Direktmandat im Wahlkreis 181, zu dem neben dem Main-Taunus-Kreis noch die Hochtaunus-Kommunen Königstein, Kronberg und Steinbach zählen. Das Kreisblatt stellt sie vor. Heute der Kandidat der CDU, Norbert Altenkamp.

Bad Soden -Vorbild sein, das ist Norbert Altenkamp nicht nur bei der Erziehung seiner Kinder wichtig. Das neue Elektroauto vor der Haustür in Bad Soden, ein Volkswagen, passt da ins Bild. Der Christdemokrat, der als Direktkandidat den Wahlkreis 181 in der zu Ende gehenden Legislaturperiode im Deutschen Bundestag vertreten hat, hatte kein Problem damit, die Reporter dieser Zeitung bei sich daheim zu treffen. Auf der Terrasse räumt er noch schnell "mein Homeoffice" - einen Laptop und ein Tablet - vom Tisch und ist dann ganz der angenehme Gesprächspartner, als der er bekannt ist.

Schon als 18-Jähriger trat der 1972 im westfälischen Marl geborene Norbert Altenkamp in die CDU ein. Eine Trotz-Reaktion auf den Partei-Austritt seines Vaters sei es gewesen, erzählt er, sozusagen der "höchstmögliche Protest". Zu weit nach links gerutscht sei dem Vater die CDU erschienen - ein Eindruck, der über die Jahre ja immer wieder mal artikuliert werde, weiß Altenkamp. Er selbst sieht die CDU genau da, wo "ich mich immer sehr gut aufgehoben fühle: In der Mitte." Denn alles ideologische, sagt er, sei ihm fremd. Und er ist sicher: "Die Herausforderungen der Zeit kann man nicht mit Ideologien lösen, sondern nur mit einem möglichst pragmatischen Staatsverständnis."

Mit Pragmatismus hat der verheiratete Vater von zwei Kindern schon in den 14 Jahren als Sodener Bürgermeister gute Erfahrungen gemacht. 2017 hat ihn die CDU im Wahlkreis 181 in der Nachfolge von Professor Heinz Riesenhuber zu ihrem Direktkandidaten gekürt. Altenkamp hat die Chance gern ergriffen. Geplant hatte er eine Karriere in der Politik für sich jedoch eigentlich gar nicht.

Nach dem Abitur, einer Lehre zum Bankkaufmann und dem Studium der Volkswirtschaft sei er vielmehr "da so reingerutscht", sagt der gerade 49 Jahre alt gewordene Westfale. Denn im an sich traditionell "roten" Kreis Recklinghausen hatte die CDU just zum Ende seines Studiums überraschend die Kommunalwahl gewonnen und suchte Fachleute. Als Fraktionsreferent fing Altenkamp an, wurde dann Fachreferent des Landrats für Wirtschafts- und Strukturpolitik. Im Ruhrgebiet mit dem Ende der Kohle eine Überlebensfrage.

Mitgenommen hat Norbert Altenkamp aus dieser Zeit "diese Erfahrung, dass Strukturwandel nicht eine Katastrophe sein muss". Im Gegenteil: Er lasse sich meistern, "wenn man nicht die Nerven verliert", begründet der Abgeordnete, warum er auch angesichts so großer anstehender Herausforderungen wie dem Klimawandel seinen Optimismus behält.

Mitglied im Ausschuss Bildung und Forschung des Deutschen Bundestags ist Norbert Altenkamp. "Keine Themen, die dauernd in der Presse stehen", weiß er, doch nicht zuletzt Corona hat ihre Bedeutung ins Rampenlicht gerückt. Immerhin konnte dank der Arbeit deutscher Forscher der MRNA-Impfstoff von Biontech-Pfizer entwickelt werden.

Dass es jetzt eine steuerliche Forschungsförderung gibt, ist für Altenkamp der wichtigste persönliche Erfolg aus der zu Ende gehenden Legislaturperiode, denn er hat entscheidend daran mitgewirkt. Vor allem Startups und kleinen Unternehmen solle die Förderung erleichtern, in Forschung und Entwicklung zu investieren. Als "unglaublich spannend" hat Altenkamp die Auseinandersetzung mit Forschungsthemen schätzen gelernt. Und ist überzeugt, dass gerade mit seiner breiten Grundlagenforschung Deutschland viel beitragen kann für die Lösung aktueller Herausforderungen. Für ihn eher das Problem: "Wir denken immer nur im Status Quo", fehlt ihm die Offenheit für innovative Antworten etwa in Sachen Klima-Krise. "Dabei haben wir das Instrumentarium in der Schublade."

Für ihn die wichtigste Aufgabe für die nächsten vier Jahre in diesem einen seiner Fachbereiche (neben dem Menschenrechts-Ausschuss): "Wir werden alles raushauen müssen, was eben dazu dient, den Klimawandel so zu begleiten, dass die Folgen, die daraus resultieren, abgemildert werden." Genauso "krakelig", wie er es formuliert habe, wolle er es auch verstanden wissen, bekräftigt Altenkamp. Jetzt müssten "die Prozesse, die wir eingeleitet haben, zum Fliegen gebracht werden."

Kann er in Berlin auch etwas speziell für seinen Wahlkreis tun? Darauf achten, dass Geld her fließt, das gehöre dazu, sagt der Christdemokrat. In der Arbeitsgemeinschaft Kommunalpolitik der CDU im Bundestag, in der auch der Sodener Mitglied ist, würden zudem immer wieder anstehende Vorhaben "auf ihre Kommunaltauglichkeit überprüft", erläutert Altenkamp, der nach wie vor Kreistagsmitglied ist und schon allein so in Tuchfühlung mit der Kommunalpolitik bleibt. Als erklärter "Kontakt-Mensch", der für eine abendliche Skatrunde auch schon mal den ohnehin stets nur kurzen Schlaf noch ein wenig kürzer kommen lässt, liegt ihm nicht nur am Austausch mit Vertretern der Kommunalpolitik im Wahlkreis, er mag auch das direkte Bürger-Gespräch. Wer ihm eine E-Mail schicke, dem antworte er nicht auf gleichem Weg. Der Abgeordnete greift lieber zum Telefon. Und macht auch gern mal deutlich, warum nicht auf alles einfache Antworten möglich sind. Seine Frau nenne ihn einen "Erklär-Bär", sagt Familienmensch Altenkamp schmunzelnd.

Das Hochjubeln von "Erregungstatbeständen" sieht er dagegen mit Sorge. Es verstärke die "Zentrifugalkräfte" innerhalb der Gesellschaft. Da gegenzusteuern, das ist für den so nüchternen wie humorvollen Direktkandidaten der CDU im Wahlkreis 181 die größte Herausforderung für Politik und Gesellschaft in den kommenden Jahren.

Extra: So will Norbert Altenkamp Wahlkampf machen

"So spontan und situativ wie noch nie" würden sie wohl, die heißen Wahlkampfwochen, erwartet der Direktkandidat der Christdemokraten, Norbert Altenkamp. Das ist der anhaltenden Pandemie geschuldet, deretwegen etwa auf Großveranstaltungen mit prominenten Rednern lieber verzichtet wird. Neben den üblichen "Dialog-Ständen" in den Fußgängerzonen, stehen so ungewöhnliche Veranstaltungen wie eine "Bossel-Tour" nach norddeutschem Vorbild mit Bollerwagen und Kugeln in Liederbach oder ein Boule-Termin in Steinbach in Altenkamps Kalender. In Bad Soden (Freitag, 27. August, 18 Uhr, Medico Palais, Parkstraße 7) oder in Kriftel (Samstag, 28. August, 18 Uhr, Hofreite Schulstraße 2) ist der Kandidat bei den Sommerfesten der CDU anzutreffen. Daneben sind auch digitale Formate geplant. Ein Telefonat oder ein Video-Gespräch können Bürger unter Telefon (0 61 92) 92 95-21 vereinbaren. Einen Extra-Slogan haben sich Altenkamp und das Team aus der CDU-Kreisgeschäftsstelle, das ihn unterstützt, übrigens nicht überlegt. "Für Sie in Berlin", zitiert er den Titel seiner Webseite, "das reicht doch." babs

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