"Segeln entdigitalisiert", sagt Gabriel Kruppa und hofft, dass ihn Firmen schon bald wieder häufiger für Events buchen.
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"Segeln entdigitalisiert", sagt Gabriel Kruppa und hofft, dass ihn Firmen schon bald wieder häufiger für Events buchen.

Wirtschaft

An Bord emotionale Ankerpunkte entdecken

  • vonNayoung Lee-Quell
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Corona nimmt Bad Sodener Unternehmen aber Wind aus den Segeln

Bad Soden -Die goldenen Sonnenstrahlen tanzen auf den Wellen, eine leichte Brise prickelt erfrischend auf der Haut. Das Segelschiff gleitet in einem eleganten Bogen über das Wasser. Wer würde hierbei an eine Weiterbildung denken? Genau hier setzt die CREWspirit GmbH an, denn das Bad Sodener Unternehmen bietet Weiterbildung und Veranstaltungen auf Segelschiffen an.

"Segeln entdigitalisiert", erklärt Gabriel Kruppa, "man legt das Handy weg, guckt auf das Wasser und entschleunigt." Dass Schiffe nur für die Freizeit genutzt werden, habe er als schade empfunden und daraus eine Leidenschaft entwickelt, um gute Events auf Schiffen zu veranstalten. So sei die Idee für sein Unternehmen entstanden, so Kruppa.

Ende 2016 habe er vor einer beruflichen Neuorientierung gestanden und sich dazu entschieden, eine eigene Marketingberatung in Verbindung mit dem Segeln anzubieten. Er habe seinen Beruf mit seinem Hobby verbunden. Das habe "sehr viel Risiko und Leidenschaft" erfordert, aber glücklicherweise habe das Unternehmen schnell Kunden gewonnen.

Angeboten werde alles, was mit "Business und Weiterbildung mit Meerwert" zu tun habe. Auf einem Segelschiff brauche es nämlich jede Hand, und wenn der Azubi mit dem Chef gemeinsam an Bord arbeite, schaffe das Vertrauen. Auch das gemeinsame Feierabendbier biete Gelegenheit, miteinander näher ins Gespräch zu kommen und mehr von seinem Gegenüber zu erfahren.

Mit einem emotionalen Ankerpunkt blieben seiner Erfahrung nach Inhalte länger erhalten. Man gehe als Team an Bord und komme als Mannschaft an Land, man werde zu einer Crew, die Vertrauen zueinander hat, denn Beziehungen würden durch gemeinsame Tätigkeiten gefestigt, so Kruppa.

Er habe nach seinen Fortbildungen viel positive Resonanz erfahren, Teilnehmer hätten wichtige Inspirationen gewonnen, wo sie künftig beruflich hinwollen, welche Ziele sie erreichen möchten. "Meiner Meinung nach sollten Unternehmer grundsätzlich mehr Wert auf Fortbildungen legen, denn der Bedarf ist da", meint Kruppa. "Wir werden auf jeden Fall weitermachen, wir wollen rauskommen, zusammenkommen und weiterkommen."

Doch Corona hat dem Unternehmen gewaltig den Wind aus den Segeln genommen. "Das Wasser steht uns Unterkante wegen der Pandemie. Wir dürfen jetzt zwar wieder Veranstaltungen machen, das bringt aber nichts, wenn die Unternehmen nicht buchen. Wir brauchen auch Teilnehmer, die den Mut haben, wieder rauszukommen", erklärt Kruppa. Die Politik habe ihre Möglichkeiten ausgespielt, denn mehr Geld könnten sie nicht zahlen, meint der Unternehmer und kritisiert in diesem Zusammenhang, dass Solo-Selbständige und Eltern während der Corona-Krise vergessen wurden.

Der Veranstaltungsbranche sollte man trauen und vertrauen, "wir können Hygiene und Konzepte einhalten". Er frage sich selbst, wie Events der Zukunft ausschauen könnten. "Aber wir können nicht digital. Emotionen können nicht online rübergebracht werden, weil jeder alleine vor dem Bildschirm sitzt. Wenn hier nichts gemacht wird, passiert hier auch nichts."

Generell sei die Unterstützung für Gründer in Deutschland ganz schlecht. Es gebe kaum Programme oder Infrastruktur, die auf Gründer zugehe. Er wünsche sich mehr Plattformen für Unternehmer, die anregen, zu gründen und Ideen zu entwickeln und auch mehr Respekt, "denn die machen ihr eigenes Ding und trauen sich was".

Jetzt sei er gespannt auf den Herbst. Grundsätzlich sei er ein Optimist, so Kruppa, "aber ich bin auch Realist. Dennoch richte ich meinen Blick voller Power und Leidenschaft nach vorne".

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