150 Jahre Freiwillige Feuerwehr

Mit den Brandschützern aus Bad Soden durch das Jubiläumsjahr

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150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Bad Soden – das ist ein Grund zum Feiern. Diese Zeitung begleitet die rund 70 Ehrenamtlichen und fünf Hauptamtlichen mit einer kleinen Serie durch das Jubiläumsjahr. Zum Auftakt berichten die Gerätewarte Werner Zengeler und Jens Klein von ihrer Arbeit.

Ohne sie läuft nichts. Erst recht kein Wasser. Druck, Dichtigkeit, Funktionstüchtigkeit – Werner Zengeler und Jens Klein haben bei der Pumpenprüfung am Feuerwehrfahrzeug alles im Blick. Nach jeder Übung, nach jedem Einsatz legen sie Hand an, dazu kommen regelmäßige Prüfungen bei allen derzeit 16 Fahrzeugen der Sodener Wehr. Und das ist nur ein kleiner Teil ihrer Arbeit. Zu der zählt unter anderem auch, dass die Atemschutzgeräte intakt sein, die Schläuche gepflegt, Reparaturen durchgeführt und Fahrzeuge gewartet werden müssen. Von den gestiegenen Dokumentationspflichten einmal ganz zu schweigen.

Das hat wenig mit Fernsehserien wie Chicago Fire zu tun, in denen die Feuerwehrleute in der Wache bei einem Latte Macchiato herumlungern und gelangweilt auf Alarm warten. „Ganz im Gegenteil. Es ist ein hochinteressanter Job, bei dem man viel Verantwortung trägt“, sagt Jens Klein (35). Seit wenigen Wochen, Anfang April, ist er als Gerätewart tätig. Der gelernte Kfz-Mechaniker blickt bereits auf knapp 20 Jahre bei mehreren Wehren zurück und erfüllte sich mit dem Job als hauptamtlicher Gerätewart einen Traum. „Hier kann ich alles, was ich gelernt habe, einbringen.“ 15 Jahre war er im Rettungsdienst tätig, aber die Schichtarbeit zehrte an den Kräften.

Die Arbeitszeiten sind geregelter, die Aufgaben aber so zahlreich wie vielfältig: „Man muss schon Bock darauf haben.“ Dass er ihn hat, ist schnell zu erkennen. Er hat sich bewusst gegen die Tätigkeit bei einer Berufsfeuerwehr entschieden, weil er in puncto Technik mittendrin statt nur dabei sein wollte. Apropos Berufsfeuerwehr: Manch ein Bürger ist sich nicht im Klaren darüber, dass die Bad Sodener Feuerwehr eine Freiwillige ist. Hinzu kommt, dass sich die Anspruchshaltung „dramatisch verändert“ hat, wie der Pressesprecher und stellvertretende Wehrführer Marc Bauer sagt. Aus einer bequemen Haltung heraus werden die Ehrenamtler dann auch schon mal nachts um 3 Uhr für Kleinigkeiten aus dem Bett geklingelt.

Ganz ohne Hauptamtliche geht es jedoch nicht. Werner Zengelers Vater Hans war der erste von ihnen, der Sohn bekam das Feuerwehr-Gen in die Wiege gelegt. 49 seiner bisher 59 Lebensjahre ist der gelernte Schreiner bei den Kameraden aktiv: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Und davon könnte er eine Menge erzählen. „Früher haben wir die Pumpen noch selbst auseinandergebaut“, berichtet er. Schraubenzieher und Hammer, das hätte gereicht.

Die Vergangenheit verklärt er jedoch nicht. Die Einsatzzahlen seien gestiegen, und heute sei vieles besser. Das bedeutet aber auch, sein Wissen immer wieder aufzufrischen und zu erweitern, „an sich zu arbeiten“. Wofür er das macht, weiß er spätestens seit den 80er Jahren. Damals war ein kleiner Junge in ein Zisternenrohr auf dem Gelände der ehemaligen Alten Ziegelei geraten. Hände, Bagger, alle hilfreichen Gerätschaften wurden eingesetzt. Nach rund vier Stunden konnte der Bub herausgezogen werden. Zengeler: „Quicklebendig. Das war mein schönster Einsatz.“

An Klein und ihm ist zu sehen, dass es für einen Gerätewart bei der Feuerwehr sehr viel mehr braucht als den entsprechenden, mindestens 35-stündigen Lehrgang. Verantwortungsbewusstsein, Genauigkeit, technisches Verständnis zählen dazu, auch Fingerspitzengefühl: Was lässt sich reparieren, was muss sofort außer Dienst gestellt werden? Darin sind sie sich einig: „Der Bürger hat ein Anrecht darauf, dass alles funktioniert.“

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