Die Geschwister Ken und Joanie Krug kamen im Jahr 2016 aus den USA zur Verlegung der Stolpersteine für ihre Urgroßeltern Karolina und Moritz Strauss in der Neugasse nach Bad Soden.
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Die Geschwister Ken und Joanie Krug kamen im Jahr 2016 aus den USA zur Verlegung der Stolpersteine für ihre Urgroßeltern Karolina und Moritz Strauss in der Neugasse nach Bad Soden.

Stolpersteine

Broschüre zeigt den Leidensweg der Menschen

  • VonBrigitte Kramer
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Vergessenes und Verdrängtes kommt aus der Vergangenheit zurück: Interessierte können den einzelnen Stationen auf einem Rundgang durch die Stadt folgen.

Bad Soden -Eine Gruppe von interessierten und engagierten Bad Sodener Bürgern traf sich am 5. August 2013 im Sitzungssaal des Rathauses. Sie wollten den Spuren der Verfolgten und der Opfer des Naziregimes nachgehen. Jetzt, nach fast acht Jahren, hat die Gruppe eine interessante Broschüre herausgegeben, die die Lebenswege und tragischen Schicksale dieser Menschen in beeindruckender Weise dokumentiert.

An acht Standorten in der Stadt haben die Mitstreiter der AG über 20 Stolpersteine verlegt. Weitere Stolpersteine sollen nach den zwischenzeitlichen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in diesem Jahr und in 2022 folgen. Die Broschüre "Stolpersteine und Orte der Erinnerung in Bad Soden am Taunus" erinnert zudem mit einer "Stolperschwelle" an die Verwüstung der Israelitischen Kuranstalt in der Talstraße 12 - 14 während des Pogroms am 10. November 1938 sowie an die Schändung und Zerstörung der Synagoge in der Neugasse 2.

Seriöse und belegbare Ergebnisse

Anhand eines übersichtlichen Wegeplans können Interessierte den einzelnen Stationen auf einem Rundgang durch die Stadt folgen. Auf den Messingtafeln, die von dem Kölner Künstler Gunter Demnig in die Bürgersteige eingelassen werden, sind die Lebensdaten der Nazi-Opfer festgehalten. Die Stolpersteine werden immer an den Standorten verlegt, wo die Opfer ihren letzten frei gewählten Wohnort hatten.

"Wir legen großen Wert auf eine gründliche Recherche, um zu seriösen und belegbaren Ergebnissen zu gelangen", lenkt Lissy Hammerbeck den Blick auf die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft. Von den Bad Sodener Geschichtsvereinen, dem Fritz-Bauer-Institut sowie dem Jüdischen Museum Frankfurt, LAGIS (Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen) bis hin zum Archiv des Auswanderermuseums Bremerhaven und dem Yad Vashem in Israel listet die AG ihre Quellen auf.

Die Schicksale von Familien

Beginnend mit der Verlegung der ersten fünf Stolpersteine der AG im Mai 2014 für die Familie des Badearztes und Leiter der Israelitischen Kuranstalt Dr. Max Isserlin vor der Villa "Zum Quellenpark 6", das tragische Schicksal der Familie Strauss, die bis 1937 über drei Generationen unter einem Dach in der Neugasse 3 lebte, bis zu den Sodener Sozialdemokraten Johann Malinowski und Fritz Heinrich Lagemann, die von den Nazis verfolgt und ins Gefängnis gesperrt wurden, schildert die Broschüre den Leidensweg der Menschen während dieser düsteren Jahre.

Menschliche Begegnungen

Trotz vieler trauriger Erinnerungen kam es bei den Verlegungen der Stolpersteine auch zu intensiven, menschlichen Begegnungen. So kamen die beiden Enkel von Max und Regina Isserlin, Ora Goldschmidt aus Israel und ihr Cousin Jonathan Isserlin aus Kanada angereist. Und als die Stolpersteine in Erinnerung an ihre Urgroßeltern Moritz und Karolina Strauss im Mai 2016 in der Neugasse verlegt wurden, nahmen der 64 Jahre alte Ken Krug aus Kalifornien und seine 62 Jahre alte Schwester Joanie Krug aus Oregon daran teil.

Mit alten Fotos und aktuellen Aufnahmen von Sven Hammerbeck, mit Dokumenten, Aufzeichnungen und zahlreichen Details zeichnet die Broschüre ein lebendiges Bild - bringt Vergessenes und Verdrängtes aus der Vergangenheit zurück.

"Stolpersteine und Orte der Erinnerung" kann für 6 Euro bei der AG Stolpersteine: info@stolpersteine.in-bad-soden.de bestellt werden. Mehr Informationen auf der Website www.stolpersteine.in-bad-soden.de.

Ein Bild, das an den Leiter der Israelitischen Kuranstalt, Dr. Max Isserlin, und seine Frau Regina erinnert.
Die Broschüre zu den in Bad Soden verlegten Stolpersteinen lädt zu einem Rundgang durch die Stadt ein.

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