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Corona-Auswirkungen kunstvoll dargestellt

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Von: Esther Fuchs

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Ulrike von der Osten (links) und „malatsion“ geben in ihrer Ausstellung „Reset: Space/ Life“ in der Stadtgalerie Einblicke in die Welt der wissenschaftlichen Prozesse.
Ulrike von der Osten (links) und „malatsion“ geben in ihrer Ausstellung „Reset: Space/ Life“ in der Stadtgalerie Einblicke in die Welt der wissenschaftlichen Prozesse. © Esther Fuchs

Ulrike von der Osten und „malatsion“ zeigen unter dem Titel „Reset: Space/Life“ Gemälde und Installationen in der Stadtgalerie.

Bad Soden -Fleischfarben und adrig durchzogen sind die organartigen Gebilde. Die lilafarbenen Tentakel schweben wie Venenstränge im sterilen Wasser. Scheren, Klemmen und Einweghandschuhe liegen im Regal bereit. Die Stadtgalerie ähnelt dieser Tage einem Labor. Gemälde an den Wänden nehmen die seltsame Stimmung auf. Am vergangenen Freitag drückten die beiden Künstlerinnen Ulrike von der Osten und „malatsion“ den Reset-Knopf. Ihre Ausstellung „Reset: Space/Life“ gibt seither Einblicke in die Welt der wissenschaftlichen Prozesse.

„Reset“ ist der Anglizismus für einen Vorgang, durch den ein System zurück in den Anfangszustand gebracht wird. Dies kann erforderlich sein, wenn ein System nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert. Ulrike von der Osten und ihre französische Kollegin greifen die Zeit der Corona-Pandemie auf. In der Stadtgalerie arrangieren sie um „Reset: Space/ Life“ Gemälde und Installationen. Die Welt der Wissenschaft, der chemischen Prozesse und Veränderung ist den beiden Künstlerinnen wichtig. Symbiotisch zeichnen sie die Zeit nach.

Bürgermeister Frank Blasch und Florian Koch, Kurator und Verleger aus Frankfurt, sprachen zur Einführung. Blasch: „Diese besondere Kombination aus Malerei und Installation ist beeindruckend. So etwas hatten wir hier noch nicht. Die Kunst bildet einen reizvollen Kontrast zum historischen Gebäude.“ In Zeiten der fortschreitenden oder auslaufenden Pandemie-Krise, „je nachdem, welchen Blickwinkel man ansetzt, ist der Fokus der Kunst ein anderer als zuvor“, führt der Frankfurter Kultur- und Kunstexperte Florian Koch, die Worte Blaschs aus. Positiv die Reaktionen der Besucher. Kunstfreunde aus Bad Soden, Frankfurt, Offenbach und dem Rhein-Main-Gebiet waren gekommen.

Claudia Neumann, für die Ausstellung organisatorisch verantwortlich, hat ihre langjährigen Kontakte zur Kunstszene genutzt. „Ulrike von der Osten und ,malatsion’ kennen sich aus der Frankfurter Kunstszene“, berichtete Neumann von der Abteilung Kultur und Veranstaltungen. Weiche Skulpturen aus Formaldehyd habe die 1974 geborene Französin „malatsion“ in aquariumartige Glasbehälter gelegt. Die Gebilde erinnerten an Organe und Organismen, so Neumann. Auf der Leinwand verarbeitet Ulrike von der Osten mit Pinselstrichen, Linien und Flächen die Prozesse der Konstruktion und Destruktion.

„Erneuerung und Veränderung“

„Reset: Space/ Life“ zeigt ungewohnte Blickwinkel und Techniken. Die Pandemie habe Veränderungen mit sich gebracht, so „malatsion“. Ihre Installationen sollen zeigen, was das Virus mit den Menschen und der Umwelt gemacht hat. Die im Wasser schwimmenden Silikonformen seien daher bewusst organisch gestaltet. Die Welt als Forschungslabor sei Vorbild der Arrangements.

„Genesis of my hybridization. Implants“, „Chamber of Whispers“ und „Healing processes. Holobionts“ heißen die Installationen von „malatsion“. Auf Metallregalen stehen sie in präparierten Gläsern. „Ich nutze die Erkenntnisse aus Versuchen im Labor, Organtransplantationen und die Auswirkungen der Pandemie.“

Die Malerei von Ulrike von der Osten auf den weiß gekalkten Galeriewänden gibt die Thematik in Form und Farbe wieder. „Mich interessiert besonders das Prozesshafte. Meine Bilder entstehen in fließenden Prozessen aus Erneuerung und Veränderung.“ Transformation sei wichtig, so die Künstlerin. Neben Gemälden hat sie ihre Gedanken deshalb auch in einer Videoinstallation und weiteren Arrangements verarbeitet. Diese zeigt sie auch im Badehaus. Zur Vernissage ist es jedoch das Gemälde „Crossing“, ein 2 mal 1,85 Meter großes Acrylkunstwerk, das die Blicke auf sich zieht. In klarer Form- und Farbsprache ist das übergroße Gemälde ein violett-fleischfarbenes Mahnmal der Zeit, 2022 entstanden.

Noch bis 1. Januar ist die Ausstellung „Reset: Space/Life“ in der Königsteiner Straße 86 mittwochs, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Die Arbeiten beider Künstlerinnen sind auf Anfrage käuflich erwerbbar.

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