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Künftig soll es am Busbahnhof Bad Soden eine Achse geben, die geradlinig hindurch zum Neuen Kurpark führt.

Umgestaltung

Dauer-Chaos am Busbahnhof in Bad Soden: Jetzt soll sich einiges ändern

  • vonAndreas Schick
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Einiges liegt im Argen: Doch die Stadt Bad Soden will das Gelände des Busbahnhofs übersichtlicher, barrierefrei und freundlicher anlegen.

Bad Soden – Wer sich häufig am beengten Bahnhofsplatz und am Busbahnhof in Bad Soden tummelt, weiß, dass es dort brenzlig und unübersichtlich werden kann. Die Busse treffen Schlag auf Schlag ein und stehen gequetscht beieinander. Die Züge kommen ungefähr gleichzeitig an. Die Ankunfts- und Abfahrtszeiten aller Linien sind aufeinander abgestimmt. Zu Stoßzeiten geht es zu wie an einem Ameisenloch. Fahrgäste schwirren scharenweise umher, strömen zur S-Bahn (S3), zur Kleinbahn oder zu den Bussen - oder springen heraus. Taxis biegen zu ihrem Stellplatz ein oder fahren weg. Autos kurven ums Eck Richtung Parkhaus oder verlassen es. Wenn die Busse rein- und rausfahren, müssen die Fahrer aufpassen, dass sie keine Fußgänger aufs Korn nehmen.

Radfahrer ringen um die jämmerlich kleine Zahl von Bügeln, die neben dem Busbahnhof angebracht sind. Manchmal steht ein Knäuel von Rädern da, das zu entwirren kaum möglich erscheint. Nicht jeder Radler hat mitbekommen, dass sich im Erdgeschoss des Parkhauses seit 2019 überdachte Rad-Stellplätze befinden.

Bahnhof Bad Soden ist wichtiger Umsteigepunkt

Zwar beruhigt sich die Lage, sobald alle Züge und Busse abgefahren sind. Aber eine halbe Stunde später, das ist wochentags der Regel-Takt, geht das Spektakel von vorne los. In den Corona-Monaten ist weniger Betrieb, aber da der Bad Sodener Bahnhof einer der wichtigsten Umsteigepunkte im Main-Taunus-Kreis ist, geht es auch dann noch lebhaft zu.

Es ist übertrieben, den Busbahnhof und den Bahnhofsplatz als Schandfleck zu bezeichnen. Aber beim Hinschauen zeigt sich: Einiges liegt im Argen. Michael Henninger, Fachmann für Stadtentwicklung und Mobilität im Rathaus, nimmt ungern das Wort "Chaos" in den Mund. Es gehe "kreuz und quer" zu, sagt der Mitarbeiter der Stadtverwaltung, als er dem Kreisblatt-Reporter an Ort und Stelle erläutert, wie der Bahnhofsplatz und die Flächen rund um den Busbahnhof künftig aussehen sollen. Henninger sagt: "Sehen Sie!" Er deutet auf Leute, die die Straße "Am Bahnhof" in der Rechtskurve zum Parkhaus überqueren. Oft umgehen Fußgänger den Zebrastreifen. Das kann gefährlich sein.

Bad Soden: Busbahnsteige werden einen Meter versetzt

Obwohl sie nicht auf Rosen gebettet ist, hat die hoch verschuldete Stadt Bad Soden vor, einen Millionenbetrag in die Umgestaltung am Bahnhofsplatz und am Busbahnhof zu investieren. Sie möchte das Gebiet übersichtlicher, freundlicher und vor allem auch barrierefrei anlegen. Wer zurzeit mit dem Rollstuhl ankommt, stößt überall auf Hindernisse, zum Beispiel auf Bordsteine, die zu hoch und nicht abgesenkt sind. Schluss damit!

Michael Henninger erläuterte die Pläne an Ort und Stelle.

Eine Neugestaltung soll Abhilfe schaffen. Sie bezieht auch die Straße „Am Bahnhof“ sowie die Übergänge zum Neuen Kurpark und in Richtung Kronberger Straße ein. „Insgesamt sollen rund 5500 Quadratmeter neu gestaltet werden“, erläutert Michael Henninger. Er präsentiert Pläne, Fotos und Entwürfe von Fachleuten, die sich in der Quadratur des Kreises versuchten und die schwierige Aufgabe meisterten, wie es scheint. Wieso ist das Vorhaben so vertrackt? Das komplette Gelände sei von Gebäuden umgeben, die den Gestaltungsspielraum stark einschränken, erklärt Michael Henninger. Etwas Platz gewonnen hat die Stadt nur dort, wo das Parkhaus steht. Sie ließ es sanieren und die Vorbauten abreißen, ohne sie zu ersetzen.

Die auffälligste Veränderung zwischen dem heutigen Zustand und dem künftigen Bild wird sein: Die Busbahnsteige werden um einige Meter in Richtung Parkhaus versetzt. Durch den „Seitensprung“ entsteht Raum für eine durchgehende Weg-Achse, die vom Neuen Kurpark hinab, die Treppen hinunter, am Kopf des Bahnsteigs vorbei und in Richtung Volksbank-Filiale führt.

Busbahnhof Bad Soden soll barrierefreien Vorplatz bekommen

Es gibt künftig zwei lange Haltesteige für die Linienbusse und dazu einen kurzen Steig als weiteren Bus-Haltepunkt (mit jeweils separater Überdachung). Die Busse biegen fortan rechts Richtung Parkhaus ab und bleiben mit der „Schnauze“ nach vorne an den Haltepositionen stehen. Mit einem Linksschwenk fahren sie wieder raus. Keine Bange: Die Zufahrt zum Parkhaus und die Ausfahrt bleiben erhalten. Die Planer haben ausgerechnet und anhand von Probefahrten sichergestellt, dass die Fläche vor dem Parkhaus ausreicht, um alles unter einen Hut zu bringen.

Der Vorplatz werde vollständig barrierefrei sein und taktile Elemente zur Orientierung für Sehbehinderte erhalten, bekräftigt Michael Henninger. Rampen führen zu den Bus-Steigen, so dass Leute mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollatoren problemlos hin- und wegkommen. Die Stadt nimmt Abstand von der Überlegung, den Busbahnhof und den Bahnhofsplatz großflächig zu überdachen. "Das würde eine halbe Million Euro mehr kosten", weiß Henninger. Zu teuer!

Busbahnhof Bad Soden: Neugestaltung geht im Idealfall 2021 los

Der Haltepunkt für den kleinen Stadtbus, der nicht sonderlich gut genutzt wird, wird vors Hotel Concorde verlegt. Vier Taxi-Stellplätze finden dahinter Platz. Zurzeit ist der Taxistand direkt vor dem Bahnhofsgebäude. Die Stadt Bad Soden will die umfangreiche Umgestaltung nutzen, um auch das Teilstück zur Kronberger Straße hin aufzuwerten. Den Planern schweben Sitzinseln mit Bewuchs, Stauden und Gräsern vor. Auch Hochbeete sind vorgesehen. Zusätzliche Fahrradstellplätze sollen dort entstehen, ebenso nahe dem Zugang zum Parkhaus-WC. Der Übergang zum Alten Kurpark wird erneuert.

Als Bodenbelag für den Bahnhofsplatz und seine Ausläufer sind Ortbeton- und Großformatplatten vorgesehen. Die Stadt hat sich passende Muster zeigen lassen. Die Umgestaltung kostet nach Angaben der Verwaltung etwa fünf Millionen Euro brutto (Bau- und Planungskosten). Die Stadt hat Fördermittel beantragt. Ihre Stadtverordneten und der Magistrat kennen die jetzigen Pläne und sind einverstanden. Wann kann es losgehen? „Im Idealfall“ sei der Baubeginn 2021 möglich, antwortet Michael Henninger. Noch gebe es einige Unwägbarkeiten. (Andreas Schick)

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