Renate Richter vor dem Badehaus im Alten Kurpark. Mit ihrer Historie als Kurstadt, betont die "Grand Old Lady" der Sodener Christdemokraten, stehe Bad Soden die Förderung von Kultur gut an.
+
Renate Richter vor dem Badehaus im Alten Kurpark. Mit ihrer Historie als Kurstadt, betont die "Grand Old Lady" der Sodener Christdemokraten, stehe Bad Soden die Förderung von Kultur gut an.

Porträt

Die Arbeit der Kulturabteilung liegt ihr am Herzen

  • VonBrigitte Kramer
    schließen

Renate Richter blickt auf die Anfänge ihrer politischen Arbeit zurück und erklärt, warum sie regelrecht überredet werden musste.

Bad Soden -Sie ist eine Kämpferin und kann aus einem jahrelangen Erfahrungsschatz schöpfen. Mit Beginn dieser Legislaturperiode im Mai dieses Jahres wurde Renate Richter zum fünften Mal in Folge als ehrenamtliche CDU-Stadträtin in den Bad Sodener Magistrat gewählt. Als Kommunalpolitikerin, die Verantwortung übernimmt, sich mit Herzblut und Leidenschaft für ihre Mitmenschen einsetzt und ihre Ziele mit Beharrlichkeit und Ausdauer verfolgt, wurde Renate Richter im März 2015 vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

Zu dem Zeitpunkt war die gebürtige Westpreußin, die seit Kindesbeinen in Bad Soden lebt und hier ihre Heimat gefunden hat, seit über 30 Jahren in der Kurstadt kommunalpolitisch aktiv. Der Bad Sodener CDU war Renate Richter 1976 beigetreten, wurde 1997 zur Parteivorsitzenden gewählt, war von 1985 bis 2001 Fraktionsmitglied in der Stadtverordnetenversammlung und wurde 2001 als Stadträtin in den Magistrat entsendet. In dem elfköpfigen Gremium der fünf Fraktionen liegt ihr Schwerpunkt im Bauausschuss, zudem ist sie sowohl in der Bau- als auch der Betriebskommission aktiv.

Wenn die Mutter einer erwachsenen Tochter und Großmutter zweier Enkelsöhne von ihren Anfängen bei den Sodener Christdemokraten erzählt, erlaubt die 80-Jährige einen Blick zurück in die Pionierzeit. CDU-Mann Karl-Heinz Vogt und ihr politischer Ziehvater Richard Schmandt hätten sie 1976 regelrecht überreden müssen, erinnert sich Renate Richter, in die Partei einzutreten. "Mit meiner vierjährigen Tochter kann ich das nicht machen", habe sie damals entgegnet. Denn eine Kinderbetreuung gab es noch nicht. Doch die CDU-Leute hatten offensichtlich ihre Qualitäten als frühe Netzwerkerin erkannt und zählten darauf, dass die 36-Jährige eine Frauengruppe auf die Beine stellen könnte. Denn Frauen in der CDU vor 50 Jahren - da herrschte Fehlanzeige.

Nächster Coup der "Eisernen Lady"

Voller Schwung machte sich Renate Richter an die Arbeit, nicht ahnend, dass sie damit den Grundstein für ihre kommunalpolitische Karriere legen sollte. Sie baute erfolgreich die CDU-Frauengruppe auf. "Wir trafen uns regelmäßig im Paulinenschlösschen, in dem zu der Zeit ein Café existierte." In den Jahren von 1984 bis 2008 organisierte sie diverse Studienreisen für den CDU-Stadtverband, die unter anderem nach Ostberlin, Ungarn, England, die Masuren, Irland, in die Schweiz und zu einer Fahrt mit dem Glacier-Express führten. "Das waren die Anfänge", berichtet Renate Richter, "wir kannten uns alle gut und waren wie eine große Familie." Wie selbstverständlich war es, dass sie die Feste organisierte, als die CDU im August 1986 in der Sauerbornhalle ihr 40-jähriges Bestehen feierte, das 50-Jährige mit Tanz und Glanz im Parkhotel beging und zum Sechzigsten ins evangelische Gemeindehaus einlud.

Doch es war nicht alles rosarot in all den Jahren, wenn Renate Richter zurückblickt. So habe die "Affäre Hodann", um den ehemaligen Sodener Bürgermeister, in den 1980ern ein gewaltiges politisches Erdbeben verursacht. Für den damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden, der ebenfalls in die Affäre verwickelt war, musste schnellstens ein Nachfolger gefunden werden. "Als Team saßen wir zusammen", erinnert sich Renate Richter. "Wer macht das", stellte sich die Frage.

"Ich wüsste einen", habe sie sich geoutet und damit ihr taktisches Geschick in die Waagschale geworfen. Der Neuenhainer Klaus Plösser, der erst seit kurzem der CDU angehörte, war Renate Richters Wahl. Doch wer fragt ihn? "Da es keiner machen wollte, bin ich nach Neuenhain getigert", schmunzelt Renate Richter heute noch bei dem Gedanken. Daraus wurden 20 Jahre, in denen Klaus Plösser die CDU-Fraktion führte und Renate Richter ihm als Geschäftsführerin zur Seite stand.

Plösser und Richter waren es auch, die 2002 nach Bochum fuhren, um sich mit Norbert Altenkamp, dem Wunschkandidaten aus dem westfälischen Marl für die Bürgermeisterwahl im September 2003, zu treffen. Das sollte der nächste Coup der "Eisernen Lady" werden. Der 31-jährige Altenkamp siegte überlegen gegen die Lokalmatadore und schwang ab März 2004 für zwölf Jahre das Zepter im Sodener Rathaus.

Neben den Bebauungsplänen, durch die sich die Stadträtin als Expertin "richtig durcharbeitet", liegt Renate Richter die Arbeit der Kulturabteilung am Herzen. Seitdem das "Kulturzentrum im Badehaus" mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen zu einem der Höhepunkte in der Region geworden ist, kämpft sie dafür, dass die notwendigen finanziellen Mittel bereitgestellt werden. Mit ihrer Historie als Kurstadt, betont die "Grand Old Lady" der Sodener Christdemokraten, stehe Bad Soden die Förderung der Kultur gut an.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare