Nívea Schmidt nimmt Abschied vom "Café Blumenau": Dreieinhalb Jahre hat die Brasilianerin mit ihrem Bistro mitten in Bad Soden das Kulturleben in der Stadt bereichert.
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Nívea Schmidt nimmt Abschied vom "Café Blumenau": Dreieinhalb Jahre hat die Brasilianerin mit ihrem Bistro mitten in Bad Soden das Kulturleben in der Stadt bereichert.

Bad Soden

Beliebtes Lokal geschlossen: Corona-Pandemie hat Pläne ausgebremst

  • VonBrigitte Kramer
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Das Café Blumenau in Bad Soden musste durch die Corona-Pandemie schließen. Doch Wirtin Nívea Schmidt will ihr Kochtalent künftig bei Events einbringen.

Bad Soden – Eben noch hat Nívea Schmidt in ihrer heimischen Küche in Eppstein Streuselkuchen gebacken. Hat sich auf ihrem Portal mit ihrer brasilianischen Fangemeinde in Japan ausgetauscht, hat vorgeführt, wie der Teig für den Streuselkuchen zubereitet wird und nebenher Geschichten aus Deutschland und Brasilien erzählt.

Jetzt beim Gespräch mit der Reporterin sitzt die bisherige Wirtin des "Cafés Blumenau", die als Nívea Santos Miranda in Brasilien geboren wurde, ein letztes Mal auf der Terrasse ihres Bistros in der Königsteiner Straße. Seit Anfang Juli ist das Lokal geschlossen. Nach dreieinhalb Jahren. Die Corona-Pandemie hat die Pläne der agilen Brasilianerin ausgebremst.

Café Blumenau hat die Esskultur in Bad Soden bereichert

Mit ihren typischen brasilianischen Gerichten, wie Feijoada, Picanha Fatiada, Coxinhas oder Pao de Queijo hat Nívea Schmidt nicht nur die Esskultur in Bad Soden bereichert, sie hat brasilianische Lebensfreude in das Vortaunusstädtchen gebracht. Musiker aus Südamerika und Europa hat Nívea Schmidt für Live-Auftritte in ihrem Haus gewinnen können. Die Bad Sodener BluesHaus Musiker haben bei ihr gejammt. Mit Zeichnungen und Aquarellen des verstorbenen Sodener Künstlers Rudolf Schucht waren Motive aus Rio de Janeiro wie Zuckerhut und Corcovado in ihrem Café zu sehen.

Jetzt ist diese Epoche vorbei. "Ich habe viele nette Menschen hier kennengelernt und viel in Bad Soden erreicht", sagt sie, manchem habe sie eine Freude machen können. Viele Kunden seien zu ihr gekommen, die irgendwann in Brasilien gelebt haben. "Wenn ich ihnen hier eine Feijoada serviert habe, traten ihnen die Tränen in die Augen."

Corona-Pandemie hat Wirtin in Bad Soden seelisch sehr belastet

Doch die einsame Zeit während der Corona-Lockdowns, untätig zu sitzen und zu warten, mit den Kosten wie Miete, Strom und Lohn für die Mitarbeiter im Kopf, das habe sie seelisch sehr belastet. "Ich habe mich selber nicht gemocht", verrät sie und "wenn du nicht mit dir zufrieden bist, kannst du auch nicht gut kochen." Auch wenn ihr viele Leute den Rücken gestärkt und sie ermuntert hätten, durchzuhalten, zog Nívea Schmidt für sich den Schlussstrich: "Ich muss etwas Neues machen."

Wenn sie jetzt über ihre Zukunftspläne spricht, sprudelt es geradezu aus ihr heraus. Während Corona hat die Wandlerin zwischen zwei Kulturen, die als Brasilianerin seit 33 Jahren in Deutschland lebt und mit einem Deutschen verheiratet ist, begonnen, ein Buch zu schreiben. Erlebnisse aus Brasilien und Deutschland will sie erzählen. Rezepte und Fotos aus beiden Ländern soll der Band enthalten und sowohl in Portugiesisch als auch in Deutsch aufgelegt werden. Noch ist Nívea Schmidt auf der Suche nach einem Verlag.

Wirtin aus Bad Soden will ihr Kochtalent künftig bei Events einbringen

Was ihre Aktivitäten in der Kochkunst anbetrifft, wird Nívea Schmidt ihr Talent nicht mehr in ein Lokal investieren, sondern bei einzelnen Events einbringen. Als nächstes steht das "Festival der Grünen Soße" am Frankfurter Rossmarkt an, das vom 20. August an über drei Wochen läuft. Beim "Samba Festival" im oberfränkischen Coburg ist Schmidt seit Jahren aktiv und vor Corona war sie mit ihrem Team beim Opernplatzfest, Museumsuferfest sowie dem Berger Straßenfest in Frankfurt eine feste Größe.

"Ich koche vor Ort", verrät die Brasilianerin auf die Frage, wie sie das organisiert. Sie mache das seit 2003, besitze drei professionelle Küchen mit Backofen und allem drum und dran, die dann zu dem jeweiligen Standort transportiert würden.

Wirtin aus Bad Soden wird nun einen eigenen Catering-Service anbieten

Ein weiteres Standbein wird sich Nívea Schmidt mit ihrem Catering erhalten. Unter dem Motto "Emporio Vida Bio" bietet sie brasilianischen Catering-Service an, der typische Gerichte, Caipirinha oder Salgadinhos für zu Hause oder bei Veranstaltungen umfasst.

Ein Thema, das Nívea Schmidt am Herzen liegt, sind das Alltagsleben und die Aktivitäten der Brasilianer in Deutschland. Vor zehn Jahren, sagt sie, hätten in Hessen 6000 Brasilianer gelebt. Doch es gebe keinerlei Treffen, keine Aktivitäten, keine Ansprechpartner, niemanden, der sich dafür interessiert.

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Dass man ein Theaterstück inszeniert, brasilianische Künstler hierherholt, ist die charmante Brasilianerin überzeugt, vermissten sicher viele dieser Leute. Musik, Tanz und das Zusammensein machten die brasilianische Lebenskultur aus. Im Kleinen will sie sich in ihrem Wohnort ehrenamtlich im Integrationskomitee engagieren.

Wer Kontakt zu Nívea Schmidt aufnehmen möchte: Sie ist unter info@vidaboa.de oder mobil unter 01 75-5 65 24 04 erreichbar. (Brigitte Kramer)

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