Das Kunst-Kabinett im Badehaus zeigt bis 24. Oktober eine sehenswerte Ausstellung der Künstlerin Jennifer Markwirth.
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Das Kunst-Kabinett im Badehaus zeigt bis 24. Oktober eine sehenswerte Ausstellung der Künstlerin Jennifer Markwirth.

Ausstellung

Die Vielfalt der Natur hat es ihr angetan

  • VonKristiane Huber
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Jennifer Markwirth macht mit ihren Fotografien auf die Einzigartigkeit der Pflanzen aufmerksam.

Bad Soden -Auf schwarzem Untergrund, gestochen scharf, treten die fotografischen Motive von Jennifer Markwirth in einer Plastizität und Präsenz hervor, dass sie die Besucher ihrer Ausstellung "Cornucopia" im Kunst-Kabinett des Badehauses sofort in ihren Bann ziehen. Cornucopia ist der lateinische Begriff für Füllhorn. Die Fülle und Vielfalt der Natur hat es Jennifer Markwirth angetan. "Es gibt 20 000 bis geschätzt 70 000 essbare Pflanzen auf der Erde. Ich hatte mal den Ehrgeiz, sie alle darzustellen, aber ich glaube, das schaffe ich nicht mehr", sagt die Fotokünstlerin, die 1979 in Soest geboren wurde und in Frankfurt lebt.

Es erscheint auf den ersten Blick widersinnig, aber gerade weil Jennifer Markwirth die Pflanzen nicht in ihrer natürlichen Umgebung, sondern im Studio fotografiert, stellt sie diese in den absoluten Mittelpunkt, gibt ihnen Raum, macht auf sie aufmerksam. Sie verweist dadurch auf die Schönheit und Einzigartigkeit der Pflanzen, ihre Verletzlichkeit, ihre Fragilität, ihre Bedeutung für unsere Ernährung und auf die Gefahr, in der sie durch Klimawandel und andere Faktoren sind.

Jennifer Markwirth schafft das, ohne mehr zu tun, als die Pflanzen zu zeigen. Von Freunden, über die Unterstützung durch botanische Gärten und andere Quellen erhält sie ihre Pflanzen zum Fotografieren. Kapuzinerkresse, Quitten, Kastanien, Schlafmohn und Brombeeren werden von ihr nicht immer in ihrem makellos perfektesten Zustand erfasst, sondern auch im Kreislauf des Daseins von Werden und Vergehen.

"Der dunkle Hintergrund meiner Fotografien ist nicht nur künstlerisch-technisch relevant, sondern erinnert daran, dass der Ursprung von allem unbekannt ist", sagt Markwirth. "Flora Obscura" - dunkle, geheimnisvolle Pflanzenwelt - übertitelt sie ihre Pflanzenfotografie, mit der sie 2013 begonnen hat. Viel hintergründigen Humor lässt Markwirth auch anklingen, denn Mais hat sie als Puffmais, als Popcorn, abgelichtet. "Vor dem Fotografieren hatte ich den kurz in der Mikrowelle", sagt sie. Und alle Zutaten für die echte Frankfurter Grüne Soße fehlen in der Ausstellung auch nicht.

Besonders auffällig an ihren Werken ist die botanische Exaktheit ihrer Fotografien. Sie nennt ihren Stil auch selbst botanische Fotografie. Das kommt nicht von ungefähr. Denn als Technische Assistentin für naturkundliche Museen und Forschungsinstitute arbeitet sie für die Goethe-Universität und das Senckenberg-Forschungsinstitut im Bereich Pflanzenkunde. Archäobotanik Afrikas und Paläoanthropologie sind dabei Arbeitsschwerpunkte. Sie ist dabei auch für wissenschaftliche Sammlungen zuständig.

"Es fasziniert mich, wie intensiv der Duft von Gewürzen noch ist, die vor 30 Jahren auf den Märkten Kameruns gesammelt wurden", sagt sie. Als ausgebildete Grafikdesignerin, die in der Werbebranche begonnen hat, ist sie außerdem präzises, wissenschaftliches Arbeiten gewöhnt. Das nutzt ihr auch in der Fotografie. Sie arbeitet mit dem Repro-Stativ im Studio, das in ihrer Wohnung oder auf dem Dachboden durch abgeteilte Ecken entsteht.

"Manchmal sind 100 scharfe Einzelaufnahmen notwendig, damit in der digitalen Bildbearbeitung die Tiefenschärfe für ein kleines, detailreiches Motiv berechnet werden kann", sagt sie. "Die Ausleuchtung ist dabei extrem wichtig", sagt sie. Auf die Farbintensität ihrer Motive legt sie besonderes Augenmerk. Viele ihrer fotografischen Werke bekommen mit der "Focus-Stacking"- und der "Stitching"-Methode den letzten künstlerischen Schliff. Jennifer Markwirth präsentiert ihre Werke als Fine Art Prints, als Giclées, die mit Tintenstrahldrucker erstellt werden, mit großformatigen Prints auf Alu-Dibond und als Echt-Abzüge von Fotos hinter Acrylglas. Jennifer Markwirth ist Mitglied in der Sodener Kunstwerkstatt, die die Ausstellung im Badehaus mit ausrichtet. Die Ausstellung ist noch am heutigen Mittwoch, 20. Oktober, von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Ebenso am Samstag, 23. Oktober und Sonntag, 24. Oktober, von 15 bis 18 Uhr. Die Arbeiten von Jennifer Markwirth können auch käuflich erworben werden.

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