Ihn ärgern die rechtlich und moralisch fragwürdigen Machenschaften von Abgeordneten, die über die üppige Diät hinaus finanzielle Vorteile aus ihrem Mandat ziehen.
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Ihn ärgern die rechtlich und moralisch fragwürdigen Machenschaften von Abgeordneten, die über die üppige Diät hinaus finanzielle Vorteile aus ihrem Mandat ziehen.

Politik

"Ich fühle mich verletzt" - Ein CDU-Abgeordneter aus Bad Soden lässt Dampf ab über Corona-Maskenaffäre

  • vonAndreas Schick
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Norbert Altenkamp (CDU) aus Bad Soden spricht über die Maskenaffäre seiner Partei, Integrität und einzelne, die „die Integrität diskretidieren“.

Bad Soden – Er könnte sich wegducken, Antworten ausweichen, sich auf Allgemeinplätze zurückziehen oder gar keine Auskunft geben. Macht er aber nicht. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Altenkamp (Bad Soden) wirkt phasenweise befreit, als er mit dem Kreisblatt-Reporter über die Maskenaffäre bei der Union spricht und auf moralische Integrität in der Politik eingeht.

In dem Gespräch geht es um eine Minderheit in der Unionsfraktion, die sich mitten in der Pandemie-Zeit an der Corona-Bekämpfung bereicherte. Es geht um unlautere Politiker und die fragwürdige Praxis, aus der Abgeordneten-Tätigkeit persönliche und finanzielle Vorteile zu ziehen.

Norbert Altenkamp (CDU) aus Bad Soden verteidigt verantwortungsbewusste Abgeordnete

Dem Journalisten sitzt ein teils aufgewühlter Mann mit gelegentlich erröteter Miene gegenüber, der die mutmaßlichen Sünder kritisiert, aber auch das "sehr konsequente Vorgehen" seiner Partei gegen Missstände lobt. Im Schatten der Kanzlerkandidaten-Debatte ist die schlagzeilenträchtige Maskenaffäre schon fast wieder in den Hintergrund getreten. Macht nicht's!

Altenkamp, CDU-Bundesabgeordneter seit 2017, ist spürbar froh, eine Lanze brechen zu können für all jene, die ihr Mandat verantwortungsbewusst, uneigennützig und engagiert ausfüllen.

Ehemaliger Bürgermeister Altenkamp (CDU) von Bad Soden: „Ich fühle mich verletzt“

Keck sagt der Reporter: "Ich würde gerne Ihren Blutdruck nach oben treiben." Er bringt die Namen der Löbels, Nüßleins, Sauters und Hauptmanns ins Spiel, die selbst oder über ihre Firmen für die Vermittlung von Corona-Schutzmasken Provisionen erhalten haben sollen oder im Verdacht bezahlter Einflussnahme zugunsten der Kaukasus-Republik Aserbaidschan stehen.

"Ich fühle mich verletzt", entgegnet Altenkamp. Es sei "eine tiefe Verletzung", denn das wichtigste Gut eines Politikers und Menschen, die eigene Integrität, stehe auf dem Spiel. Ihn stört massiv, dass "Einzelne die Integrität diskreditieren", die er und das Gros praktizieren.

Ehemaliger Bürgermeister Altenkamp (CDU) von Bad Soden spricht von „Kollektivhaftung“

Altenkamp weiter: "Ich werde von den Menschen in eine Kollektivhaftung genommen." Es heiße doch: "Die sind alle so!" Mit "die" meint Bad Sodens ehemaliger Bürgermeister die Politikerinnen und Politiker. Mit "so" meint er, dass sie sich alle irgendwie bereichern und ihr Mandat für eigene Vorteile nützen. Dies sei mitnichten so. Korruption, Bestechlichkeit und unmoralische Geschäftemacherei sind Praktiken einer Minderheit, die den Ruf der in der Politik tätigen Mehrheit ruiniert.

Hat Norbert Altenkamp eine reine Weste? Solche Geschäfte, wie sie einigen Parteikollegen vorgeworfen werden, mache er nicht. Leicht süffisant fügt der 48 Jahre alte Berufspolitiker hinzu: "Ich glaube, ich wäre dafür viel zu doof." Altenkamp hat keine eigene Firma. Er ist jemand, der außerhalb der Corona-Zeit seinen Wahlkreis abgrast. Er besucht den Neuenhainer Herbstmarkt, den Kerbeumzug in Kriftel oder das CDU-Herbstfest in Schwalbach. Er hört der Lebenshilfe Main-Taunus in Kelkheim zu und informiert sich bei innovativen Firmen der Gründerszene.

Norbert Altenkamp (CDU) aus Bad Soden: Laschet oder Söder? "Ist mir egal!"

Die Seite abgeordnetenwatch.de nennt sich eine überparteiliche und institutionell unabhängige Internetplattform mit der Möglichkeit, Abgeordnete öffentlich zu befragen und Nebentätigkeiten abzurufen. Sie weist bei Altenkamp aus, dass er unter anderem der Regionalversammlung Südhessen, dem Main-Taunus-Kreistag oder auch dem Beirat des Versorgers Süwag AG angehört.

Es handele sich um Aufgaben, die aus seiner Tätigkeit im Main-Taunus-Kreis resultieren, erläutert Altenkamp. Er erhalte jeweils eine Aufwandsentschädigung, die im Fall des Kreistags zum Beispiel 50 Euro pro Sitzung betrage. Ein Vermögen lässt sich mit diesen Positionen nicht verdienen.

Ehemaliger Bürgermeister Altenkamp (CDU) von Bad Soden: Fraktion hat schnell durchgegriffen

Altenkamp lobt, dass seine Fraktion schnell und "sehr konsequent durchgegriffen" habe. Jeder Unionsabgeordnete hatte nach den unrühmlichen Maskengeschäften eine Ehrenerklärung unterschreiben müssen und zu versichern, dass er, salopp formuliert, keine krummen Geschäfte macht. Dies sei ihm leicht gefallen, betont Altenkamp.

Es sei "nun an uns, die ihre Knochen hinhalten, die von wenigen verursachten Schäden zu beseitigen" und Vertrauen bei den Menschen zurückzugewinnen. "Das geht", ist Altenkamp überzeugt. Das wisse er aus früheren Zeiten, als andere Affären die Partei belasteten; der Spendenskandal der Union sei hier nur beispielhaft genannt. "Wer heute der Held ist, kann morgen der Depp sein", sagt Altenkamp. Umgekehrt gilt's genauso. Die Zeit sei schnelllebig.

Ehemaliger Bürgermeister Altenkamp (CDU) von Bad Soden will wieder in den Bundestag

Sind andere Parteien außen vor? Gewiss nicht. Wer an die Beförderungsaffäre im grün geführten rheinland-pfälzischen Umweltministerium denkt oder die Rathaus-Affäre in der SPD-Hochburg Hannover, sieht, dass Kungeleien und Begünstigungen überall möglich sind. Altenkamp erwähnt zudem Gregor Gysi. Der Linkenpolitiker kassiert neben seiner Abgeordnetendiät als Auftragsredner kräftig ab. Altenkamp sagt, er halte dies für fraglich, da er Reden, die aus der Abgeordneten-Tätigkeit resultieren, durchs Mandat und die Diät für "abgegolten" hält.

Altenkamp kämpft am 26. September erneut um ein Bundestagsdirektmandat im Wahlkreis Main-Taunus (plus Königstein, Kronberg und Steinbach im Hochtaunus). In diesem nach wie vor bürgerlich geprägten Gebiet ist er favorisiert. Wer soll Kanzlerkandidat werden? Armin Laschet (CDU) oder Markus Söder (CSU)? "Ist mir egal", antwortet Altenkamp wie aus der Pistole geschossen. "Ich bin die Diskussion leid. Ich will eine Entscheidung, Danach kämpfe ich für den Kandidaten." (Andreas Schick)

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