Natur

Eine Welt voll bizarrer Schönheit und Vielfalt

  • VonDavid Schahinian
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Erik Opper beobachtet, fotografiert und dokumentiert Nachtfalter.

Bad Soden/Mörfelden-Walldorf -War wieder spät gestern. Oder eher schon früh: Der Bad Sodener Erik Opper kommt dieser Tage selten vor 1, 2 Uhr nachts ins Bett. Im Rahmen einer Gesamtkartierung aller Nachtfalterarten im Mittelrheintal stellt er noch bis August insgesamt 117 Lichtfänge auf - und schaut, wer ihm in den dunklen Stunden Gesellschaft leistet.

Zugegeben, Schwalbenschwänze oder Bläulinge sind hübsch anzuschauen. Motten, Spinner, Falter und ja, auch der Sackträger haben dagegen ein eher schlechtes Image. Zu Unrecht. Wer genau hinschaut, entdeckt eine Welt voll bizarrer Schönheit und Vielfalt. Rund 180 Tagfalter-Arten gibt es in Deutschland - aber rund zwanzigmal so viele Nachtfalter-Arten. "Sie spielen damit eine sehr wichtige Rolle bei der Bestäubung vieler Pflanzen", berichtet Opper.

Seine Passion lebte er zunächst ehrenamtlich aus, etwa für die Sylvia und Hubert Schneider Gedenkstiftung für Tier- und Naturschutz in Mainz. Des Nachts baut er unter anderem Leuchttürme auf. Das sind textile Säulen, ähnlich einem Moskitonetz, mit internen Leuchtquellen. Meist muss er nicht lange warten, die Motten und das Licht, sie sind sprichwörtlich. Er beobachtet, dokumentiert, fotografiert und macht am Ende das Licht wieder aus. Kein Insekt wird getötet, gefangen oder gezüchtet.

Ein wichtiger Nahrungslieferant

Zwar gibt es natürlich auch Nachtfalter mit schlechtem Image. Eichenprozessions- oder Schwammspinner sind wie der Mehlzünsler mitunter lästig und können große Schäden anrichten. Oppers Blick geht aber von den Kleinen auf das große Ganze. Neben dem Bestäubungsfaktor sind Nachtfalter auch ein wichtiger Nahrungslieferant für Fledermäuse und Vögel. Schlupfwespen legen sogar ihre Eier in deren Eier - und sind somit auch von ihnen abhängig. Falterschutz ist Naturschutz, so einfach ist es. Sterben Arten aus, hat das unweigerlich weitere Folgen für ganze Biotope - und letztlich auch für den Menschen.

Insofern freut sich Opper besonders über seine jüngste Entdeckung. Begeistert spricht er über Eucarta amethystina, die Amethysteule. Einige davon konnte er vor wenigen Tagen nachweisen. Im Naturschutzgebiet Mönchbruch bei Mörfelden-Walldorf, dessen ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer er im Auftrag des Regierungspräsidium Darmstadt ist.

"Die Art lebt hauptsächlich auf feuchten Wiesen und am Rande von Au- und Bruchwäldern. Sie ist vor allem auf Doldenblütler, zum Beispiel die Wiesensilge, als Nahrungspflanze angewiesen", erklärt er. Gerade diese Lebensraumfokussierung, verbunden mit der zunehmenden Trockenlegung von Flächen, hat die Amethysteule auf die Rote Liste gefährdeter Arten geführt. Vielerorts ist sie vom Aussterben bedroht oder bereits verschwunden.

"Es hatte gerade stark geregnet, und ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort", erzählt er. Zwei Exemplare waren es zunächst, der erste Nachweis von ihnen in diesem Gebiet seit 2006. Wenige Tage später konnten 24 registriert werden. "Eine ordentliche Population" - und für Opper ein gutes Zeichen, dass sich die Art dort erhalten kann.

Stark gefährdete Art soll erhalten bleiben

Selbstverständlich ist das nicht: "Aus 100 gelegten Eiern schlüpfen die Raupen. Die wiederum werden in der Regel allein schon zu 70 Prozent Opfer der Schlupfwespen." Es gehe letztlich darum, dass eine einzige durchkommt. Der Fund der Amethysteule hat zunächst einmal Folgen für die Mahd, die nun warten muss, bis die Raupen sich verpuppen. "Wir möchten aber dauerhaft als Pächter auftreten und dafür sorgen, dass die stark gefährdete Art dort erhalten bleibt." Wie das vertraglich zu bewerkstelligen ist, klärt die Stiftung derzeit.

Nachtfalter gibt es natürlich auch im Main-Taunus-Kreis. Aufgrund seiner Mittelgebirgslage leben dort wiederum Arten, die anderswo nicht zu finden sind. Um die entsprechenden Flächen zu schützen, müsste man die Populationen aber erst einmal erfassen und könnte dann auch ablesen, welche davon auf der Roten Liste stehen - so, wie es beispielsweise mit dem Lilagold-Feuerfalter auf den Reifenberger Wiesen geschehen ist. Besondere Nachtfalter in der Region konnte zuletzt sein "Falterkollege" Hermann Falkenhahn am Altkönig und auf dem Feldberg mit der Grauen Heidelbeereule und der Bunten Waldgraseule nachweisen.

Entdeckungen werden geteilt

"Die Nachtfalter werden generell bei Kartierungsarbeiten oder behördlichen Genehmigungsverfahren zu wenig beachtet und sind deshalb auch im Main-Taunus-Kreis noch zu wenig erforscht", bedauert Opper. Sein Tag hat jedoch auch nur 24 Stunden. Insofern hilft Kooperation schon viel: Er teilt seine Entdeckungen mit seinem Netzwerk und stellt sie auf Portalen wie observation.org ein.

Seine eigene Internetseite (nachtfalter1.jimdofree.com) ist mittlerweile zu einer Fundgrube für Experten und Interessierte geworden. Mit BUND und Nabu organisiert er zudem Vorträge mit damit verbundenen Exkursionen.

Erik Opper

Rubriklistenbild: © Privat

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